Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

In vielen Gemeinden des Bistums Trier haben Betroffene Beschäftigte der Kirche Missbrauch vorgeworfen.
+
In vielen Gemeinden des Bistums Trier haben Betroffene Beschäftigte der Kirche Missbrauch vorgeworfen. (Archivbild)

Spiegel-Recherche

Sexueller Missbrauch: Bistum Trier soll Vorwürfe ignoriert haben

  • Sandra Kathe
    VonSandra Kathe
    schließen

Eine Spiegel-Recherche zu Missbrauchsvorwürfen nimmt das Bistum Trier ins Visier. Auch der damalige Bischof Kardinal Marx steht in der Kritik.

Trier - Mit zahlreichen Anschuldigungen, Strafanzeigen und eingeräumten Fehlern gerät die katholische Kirche regelmäßig noch stärker unter Druck. Nun deckt eine Recherche des Nachrichtenmagazins Spiegel weitere Missbrauchsfälle aus dem Bistum Trier auf. Es geht um eine erzwungene Abtreibung, nachdem eine junge Frau von einem Priester schwanger geworden ist, um sexuelle Gewalt an Messdiener:innen und Schüler:innen und um Vorgesetzte, die weggesehen haben sollen.

Dabei geraten auch mehrere hochrangige Vertreter der römisch-katholischen Kirche unter Druck. Die beiden prominentesten Namen: der damalige Bischof von Trier und heutige Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, der im Frühjahr ein Rücktrittsgesuch an den Papst gestellt hat, das abgelehnt wurde, sowie dessen Nachfolger als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und Bischof von Limburg Georg Bätzing. Bätzing war von 2012 bis 2016 Generalvikar im Bistum Trier.

Mutmaßlicher Missbrauch im Bistum Trier: Opfer beklagen Untätigkeit der Kirche

Nur wenige Opfer treten namentlich in Erscheinung, auch von einem nächtlichen Drohanruf bei einer der Reporterinnen wird berichtet. Diejenigen, die trotz Scham und Einschüchterung ihre Geschichten erzählen, sind Timo Ranzenberger, der als Jugendlicher von einem Priester mutmaßlich missbraucht wurde; Karin Weißenfels, die als Beschäftigte eines Priesters von diesem sexuell missbraucht und dann zur Abtreibung gezwungen worden sein soll; sowie Martina Oehms, die Missbrauch durch einen Religionslehrer schildert.

Neben den mußmaßlichen Straftätern beschuldigen die Geschädigten auch die Kirche, die bei bekannten Missbrauchsfällen nicht gehandelt haben soll. Timo Ranzenberger zeigte 2006 einen mutmaßlichen Sexualstraftäter an, der noch lange im Amt blieb und auch nach weiteren Anzeigen erst Jahre später in den Ruhestand versetzt worden sei. Im Frühjahr 2021 veröffentlichte Ranzenberger einen offenen Brief über das soziale Netzwerk Facebook, wenige Tage bevor Marx beim Papst um seinen Rücktritt gebeten haben soll.

Missbrauchsvorwürfe im Bistum Trier: Über 100 Priester im Verdacht

Viele Fälle befänden sich laut Spiegel-Bericht immer noch im Ermittlungsstadium beim Bistum Trier, obwohl die Beschuldigungen in einigen Fällen schon unter Marx und Bätzing bekannt gewesen seien. In einigen Fällen hatten die Opfer auch bis heute nicht den Mut ihre Geschichten den Behörden zu melden. Laut Angaben des Bistums Trier, das sich zu den neuesten Vorwürfen nicht äußert, wisse man von 442 Betroffenen ab 1918, seit 2010 hätten sich 208 weitere Menschen gemeldet und Kleriker einer Straftat beschuldigt. Die Vorwürfe richteten sich gegen 73 verstorbene und 36 noch lebende Kirchenbedienstete. Mindestens einer von ihnen, berichtet der Spiegel, sei während der jahrelangen Ermittlungen verstorben.

Kirchenrechtsexperte Thomas Schüller bestätigte im Gespräch mit den Reportern, dass das Bistum Trier, wo „schwerwiegende Fehler“ passiert seien „eines der schlimmsten Beispiele mangelhafter Aufarbeitung“ darstelle: „Wenn die Untersuchungen abgeschlossen sind, wird es schwer sein für die betroffenen Bischöfe, sich zu halten.“ (ska)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare