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„Bisher funktioniert nur sehr wenig“

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Von: Pamela Dörhöfer

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Resistenzen gegen Antibiotika nehmen weiter zu.
Resistenzen gegen Antibiotika nehmen weiter zu. © Imago Images

Wirkungslose Antibiotika erfordern die Suche nach Alternativen. Das ist für Pharmaunternehmen aber nicht lukrativ.

Bei einem Wirkungsverlust von immer mehr Antibiotika könnten längst besiegt geglaubte Krankheiten plötzlich wieder ihren alten Schrecken gewinnen und nicht mehr behandelbar sein. Weltweit wird daher seit Jahrzehnten nach neuen Substanzen mit antimikrobieller Wirkung gesucht. Mit bisher eher bescheidenem Erfolg. „Es gibt sehr viele Ansätze, aber bisher funktioniert nur sehr wenig“, sagt Dirk Bumann, Leiter der Forschungsgruppe „Der Stoffwechsel von Krankheitserregern als Angriffspunkt“ am Biozentrum der Universität Basel. „Der Jackpot wäre es natürlich, eine komplett neue Klasse zu finden.“

Einer dieser neuen Ansätze ist zum Beispiel, Phagen einzusetzen – Viren, die Bakterien zerstören, erklärt Bumann. Ein anderer besteht darin, nicht die Bakterien komplett zu zerstören, sondern nur ihre krankmachenden Eigenschaften zu unterbinden. „Das hätte unter andrem den Vorteil, dass die Haut- und Darmflora nicht geschädigt werden“, sagt Bumann. Zu den unangenehmsten Nebenwirkungen von Antibiotika gehören Auswirkungen auf das Mikrobiom im Darm, die sich in Verdauungsproblemen äußern können, sowie Hautreaktionen. Ein wieder ganz anderer Weg wäre es, Antikörper einzusetzen, sagt der Schweizer Wissenschaftler. Oder gar nicht bei den Erregern, sondern bei der Körperabwehr anzusetzen und das Immunsystem so fit zu machen, dass es krankmachende Bakterien selbst eliminiert. Tierversuche hierzu seien erfolgversprechend gewesen, bei Menschen habe es bisher weniger gut funktioniert.

Ein wichtiger Grund für die stockende Entwicklung neuer Antibiotika ist auch das Geld: Die Entwicklung eines neuen Antibiotikums koste etwa eine Milliarde US-Dollar, sagt Mathias Pletz, Direktor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Jena. Vor allem die großen Phase-3-Studien (die letzten vor einer möglichen Zulassung) mit vielen Teilnehmenden seien sehr teuer.

Zu wenig Geld an Unis

Sei ein neues Medikament dann auf dem Markt, werde es oft nur sparsam eingesetzt, „um es nicht zu verbrennen“, so der Wissenschaftler. Damit will man Resistenzbildung vermeiden. Und nach zehn bis 15 Jahren läuft dann der Patentschutz ab und Hersteller von Generika können das Medikament günstiger produzieren. „Für große Pharmafirmen sind Antibiotika deshalb defizitär“, erläutert Pletz. Meistens würden Antibiotika deshalb von kleineren Firmen entwickelt, „die von Idealisten geführt werden“. Um einen Weg aus dem Dilemma zu finden, gibt es unter anderem Erwägungen, am Patentschutz etwas zu ändern.

Auch an Universitäten wird nach neuen Antibiotika gesucht, allerdings gibt es dort trotz großer öffentlicher Fördertöpfe nicht die nötigen finanziellen Möglichkeiten und sonstigen Kapazitäten, ein Medikament bis zur Zulassung zu entwickeln.

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