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Der neue Bischof von Passau, Stefan Oster.

Stefan Oster Katholikentag

Bischof Lustig

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Stefan Oster ist der jüngste Oberhirte Deutschlands und hat einen bewegten Lebenslauf. Über die Probleme der Kirche redet Oster schnörkellos und unverblümt.

Auf einer Liste mit den Top-10-Promis des Katholikentags fehlte der Name Stefan Oster. Dabei war der neue Passauer Bischof der heimliche Star des Treffens in Regensburg, das am Sonntag zu Ende ging.

Eigens für den gebürtigen Oberpfälzer kam ein Podium ins Programm, und in einem überfüllten Saal feierten mehr als 500 Katholiken den Lokalmatador, der am morgigen Dienstag 49 Jahre alt wird.

Der Geistliche aus dem Salesianer-Orden, vor gut einer Woche im Passauer Dom zum Bischof geweiht, ist der jüngste Oberhirte Deutschlands. Mit einer ungewöhnlichen Vita regt er die Fantasie an, dass da einer den Episkopat aufmischt und – in positivem Sinn – für Wirbel in der Kirche sorgt: Mit 30 erst schlug Oster den Weg zum Priestertum ein.

Davor arbeitete er als Zeitungs- und Radioredakteur. Als junger Mann war er um die Welt getrampt, finanzierte sich das Reisen mit Jonglieren. Freimütig erzählt er davon, dass er jahrelang eine Freundin hatte und ans Heiraten dachte.

Doch dann gab er seinem Leben eine radikale Wende. „Ich habe immer wissen wollen, was Wahrheit, was Liebe ist“, sagt Oster. „Dafür hab‘ ich alles Mögliche probiert, alles Mögliche studiert“, um dann „zum Herrn zurückzufinden“, dem Gott seines Kinderglaubens. Das habe sein Leben grundstürzend verändert.

Oster vergleicht das mit der Erfahrung von Menschen, die sich nie vorgestellt hätten, zu heiraten und Kinder zu bekommen, dann aber den Mann, die Frau ihres Lebens trafen. Alles, was er seitdem getan hat – das Theologiestudium, sein Wirken als Seelsorger und Professor, das ehelose Leben im Zölibat – deutet Oster als Konsequenz seines Ergriffenseins von Gott.

Und wie er seinen Zuhörern die Unmittelbarkeit dieser Erfahrung zu schildern versucht, ganz vorn auf der Stuhlkante sitzend und jedes Wort mit eindringlicher Geste unterstreichend, versagt ihm die Stimme, kommen ihm die Tränen. Das könnte leicht unter Kitschverdacht geraten, könnte Oster in die Nähe jener Prediger evangelikaler Provenienz rücken, die ihr Publikum mit einem Schwall an Emotionen zuschütten, zumal der Mann auch noch ausnehmend smart und gutaussehend ist.

Doch ist die Art ganz und gar unentrückt, in der er seine Rolle reflektiert. Schon morgen könne es ihm passieren, dass der „Hype“ um „Bischof Lustig“ vorbei ist und er zum „konservativen Knochen“ erklärt werde. Das wisse er als gelernter Journalist nur allzu gut.

Möglich ist das. In seiner Theologie gilt Oster nämlich nicht gerade als Ausbund des Progressiven. Über die Probleme der Kirche – ihren Hang zur Bevormundung, ihre Entfernung von der Wirklichkeit – redet Oster schnörkellos und unverblümt: „Wir neigen dazu, die Menschen zu schnell mit Resultaten zu konfrontieren“, sagt er. Oder: „98,9 Prozent der Katholiken leben Beziehungen und Sexualität nicht so, wie sich die Kirche das wünscht. Das weiß ich natürlich.“

Gut, neuerdings sagen sie das in der Kirche häufiger. Aber vielleicht trauen die Gläubigen es Stefan Oster eher als anderen zu, dass er – wie einer in Regensburg das formuliert – tatsächlich auch „weiß, wie Leben geht“.

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