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Bildung für Frauen in Ruanda: Wie eine Jungunternehmerin mit Häkel-Mode durchstarten will

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Women in Ruanda: Sarah modelt ihre Häkelkollektion.
Die „Selfmade“-Geschäftsfrau macht wirklich alles selbst: sogar das Modeln ihrer aktuellen Kollektionen. © Jelca Kollatsch

Ruanda hat verstanden, dass es einen großen Faktor für die Entwicklung des Landes gibt – die Bildung der Frauen. Ein Beispiel ist Jungunternehmerin Sarah Uwase, die mit gehäkelten Kreationen in der afrikanischen Modeszene zum Erfolg will

Von Michael Gleich (Text) und Jelca Kollatsch (Fotos)

Häkeln im Halbdunkeln. Sarah sitzt auf einem Sessel ohne Polster, Shadia auf einer Bank, deren Holzsprossen gebrochen sind. Zu ihren Füßen picken Hühner vergeblich nach Körnern. Ein dumpfer Geruch aus der Kiste mit den Meerschweinchen beherrscht die Bretterbude. Durch die Ritzen dringt fahles Licht herein. Es reicht den beiden und ihren flinken Fingern, um Masche für Masche eine Mütze und ein schwarzes Top heranwachsen zu lassen. Scherzworte fliegen zwischen den beiden Frauen hin und her, sie zwinkern sich zu, stupsen sich an.

Zwei Freundinnen beim Plausch? Eher eine Begegnung zweier Welten. Sarah Uwase kam heute morgen aus der schicken Lodge, die sie nebenberuflich managt, hierher. Sie ist 24, ledig und versteht sich als Mode-Unternehmerin. Shadia Uwimana ist 32 und hat fünf Kinder, für die sie allein sorgt, in dieser Scheune, der sie mit Zeltplanen als Wänden zwei Zimmer abgerungen hat. Die Begegnung gelingt. Sympathie ist spürbar. Für Shadia ist Sarah „ein Mitglied meiner Familie. Sie gibt mir Arbeit, die mir Freude macht. Ich kann im Sitzen häkeln, ohne Rückenschmerzen. Meine Hände sind schnell, es ist, als ob sie tanzten. Damit kann ich meine Kinder ernähren und zur Schule schicken.“ Für Sarah ist Shadia mehr als eine Beschäftigte: „Eine unheimlich starke Frau. Sie gibt nie auf, traut sich zu, alles zu lernen, was nötig ist, um ihre Kinder durchzubringen. Ein Vorbild für mich!“

Seit 28 Jahren sind die ruandischen Frauen im Aufbruch. Sie waren es, die nach dem Genozid von 1994 eine traumatisierte, in ihren Beziehungen völlig zerstörte Gesellschaft wieder aufgebaut haben. Zwischen 800 000 und einer Million Menschen, vor allem Angehörige der Tutsi-Minderheit, vor allem Männer, waren getötet worden. Frauen machten in der Folge schätzungsweise 70 Prozent der Bevölkerung aus. Es ging und geht nicht mehr ohne weibliche Beteiligung. Das Patriarchat bröckelt. Weibliches Selbstbewusstsein wird seit Anfang der Nuller Jahre befördert von Präsident Paul Kagame, der verstanden hat, dass er aktive Frauen für den wirtschaftlichen Aufschwung braucht. Dass 64 Prozent der Mitglieder des Parlaments weiblich sind, fast doppelt so viele wie im deutschen Bundestag, mag auch geschicktes Politmarketing eines ansonsten autoritär durchgreifenden Herrschers sein. Sie sind nicht gewählt, sie wurden ernannt, viel bestimmen dürfen sie nicht. Gleichzeitig jedoch investiert Ruanda weit mehr in Bildung für Mädchen und Förderung von Frauen als andere Länder in Subsahara-Afrika.

Ruanda setzt auf gleichberechtigte Bildung für junge Mädchen

Sarah fühlt sich vom Kurs Kagames als Entrepreneurin ermutigt. „Er nimmt Frauen ernst. Etwa mit der Frauenquote, 30 Prozent der Stellen im öffentlichen Dienst. Er hält, was er verspricht.“ Mit ihrer Modemarke Wase bringt sie Bikinis, Tops und Kleider auf den Markt. Sie beschäftigt ausschließlich alleinstehende Mütter wie Shadia. Das ist ihr soziales Engagement. Aber auch ihre Designs fallen auf. Sie zeigen mehr Haut als in einer konservativen Kultur eigentlich erlaubt. Zu sexy? „Nein, das ist einfach nur mein Ausdruck von Weiblichkeit. Frauen sollen tragen, was sie wollen – solange sie sich damit wohlfühlen.“

Noch kann sie von den Verkäufen nicht leben. Verdient mit kleinen Marketingjobs und Babysitting bei einer Diplomatin dazu. „Selfmade Woman“ ist sie auch in dem Sinn, dass sie alles selbst macht: Designs entwerfen, Garne besorgen, Häklerinnen anlernen, Werbung machen, Verkaufsstellen beliefern. Und gerne für ihre Kreationen auch selbst modeln. Während sie erzählt, in Shadias Scheune, machen sich Finger und Nadel selbstständig. Reihe um Reihe entsteht wie von selbst. „Leidenschaft ist für mich der Schlüssel. Ich glaube, ich kann als Unternehmerin alles erreichen, wenn ich es leidenschaftlich tue. Mir macht es Freude, etwas aus dem Nichts zu erschaffen, nur mit meinen Händen, aus meinem Kopf.“

Women in Ruanda: Die Förderung alleinerziehender Mütter wie Shadia ist Sarah sehr wichtig.
Die Förderung alleinerziehender Mütter wie Shadia ist Sarah sehr wichtig. © Jelca Kollatsch

Ihr Selbstvertrauen, sagt sie, verdankt sie ihrer Mutter Yvette. Deren Glück war, dass sie im Kongo aufgewachsen ist. Dorthin konnte sie während des Genozids fliehen. So hat sie überlebt. Auch sie arbeitet mit den Händen, als Friseurin. Seit Sarah zwei Jahre alt ist, steht sie allein da. Ihren Mann hatte sie als wohlhabenden Milizionär kennengelernt. Doch er erwies sich als Trinker, der das Haushaltsgeld mit anderen Frauen durchbrachte. Von ihm war keine Unterstützung zu erwarten. Sie trennte sich und schaffte es trotzdem, Sarah und ihren zwei Brüdern gute Schulen zu finanzieren. An einem Vormittag besucht Sarah sie in dem Salon, in dem sie arbeitet. Eine vor Energie sprühende, rundliche 42-Jährige, die geschickt Zöpfchen auf den Kopf ihrer Kundin zaubert, während sie mit ihrer Tochter plaudert. „Mir war immer klar, wie wichtig gute Abschlüsse für dich sind“, sagt sie, „ich habe dir zugetraut, dass du lernen kannst. Erfolg haben wirst, egal was du anfängst.“ Dafür habe sie gerne von früh bis spät Köpfe frisiert. „Und, habe ich nicht recht behalten?“, fragt sie lachend. Sarah konnte nicht nur die Grundschule, sondern auch eine private weiterführende Schule besuchen. Die erste große Leidenschaft in ihrem Leben wird das Schwimmen. Rücken, Kraulen, Brustschwimmen. Sie kommt in den nationalen Kader, hat Aussicht auf einen Platz im Olympiateam. „Das war nicht nur körperliches Training, sondern auch eines für den Geist. Ich habe gelernt, mir hohe Ziele zu stecken und alles dafür zu geben, sie zu erreichen. Disziplin! Langer Atem!“ Ausgebremst wurde sie von einem Mann: Ein Sportfunktionär veruntreute die Olympia-Tickets. Frustriert musste sie erfahren, dass Seilschaften mächtiger als Leistung sein können.

Sarah konzentrierte sich fortan auf die Schule. Sie erinnert sich daran, dass es an ihrer Highschool einen Debattierclub gab. „Da haben auch wir Mädchen gelernt, öffentlich zu sprechen. Eine eigene Meinung zu vertreten. Uns gegen die Jungs durchzusetzen.“ Sich mit männlicher Konkurrenz zu messen, war in Ruanda vor dem Genozid ein Tabu. Wie Gleichstellung überhaupt. Der autoritär durchregierende Präsident Kagame hat sie gesetzlich verankert. Dazu gehört ein dreimonatiger bezahlter Mutterschutz, Frauenförderung in der Verwaltung. Vergewaltigung in der Ehe – früher ein Kavaliersdelikt – wird hart bestraft.

Bildungspolitik in Ruanda zeigt Erfolge für die Gleichberechtigung von Frauen

Die Erfolge dieser Politik können sich sehen lassen. Beim „Gender Pay Gap“, ein Index für ungleichen Lohn bei gleicher Tätigkeit, liegt Ruanda auf einem guten siebten Platz, deutlich vor Deutschland auf Rang elf. Der Anteil weiblicher Studierender an den Universitäten beträgt ein Drittel, Tendenz steigend. Die nationale Bildungsstrategie strebt für die Zukunft ein 50/50-Ziel in allen Schulformen an. Und in der Hauptstadt Kigali bildet das Akilah Institute ausschließlich für den weiblichen Führungsnachwuchs aus. Die Chefinnen von morgen studieren Hotelmanagement, Betriebswirtschaft und Informationstechnologien.

Die im afrikanischen Vergleich größeren Bildungschancen ruandischer Mädchen und Frauen lassen sich nicht allein durch den Genozid und seine Folgen erklären. Das meint die Soziologin und Psychologin Assumpta Mugiranzea, 55. Sie leitet Iriba, ein Zentrum zur Bewahrung des kulturellen Erbes. Hier werden Traditionen mündlicher Überlieferung mit modernen audiovisuellen Formaten verknüpft, um an die Katastrophe des Genozids zu erinnern und daraus zu lernen. Als Erklärung für die starke Stellung von Frauen sieht Assumpta historische Wurzeln, die in vorkoloniale Zeiten zurückreichen: „Damals gab es männliche Könige, die jung und kampfstark, aber unerfahren waren. Ihnen wurden Mutterköniginnen beigestellt. Sie brachten Güte und Weisheit ein. Immer also saßen Männer und Frauen gleichzeitig auf dem Thron.“ Erst die kolonialen Eroberer, gefolgt von weißen Missionaren, allesamt Männer, hätten eine patriarchale Kultur gefördert. Mädchen müssten nicht zur Schule gehen, weil sie sowieso heirateten und dann den Haushalt führten – Sätze, die auch im Nachkriegsdeutschland noch lange galten.

Die Serie

Die heutige Reportage aus Ruanda ist Teil der FR-Serie mit dem Titel „Wie verändert Bildung das Leben?“. Ausgehend von dieser Frage recherchiert die Frankfurter Rundschau in Kooperation mit dem Zeitenspiegel-Reportage-Team ein Jahr in zwölf Ländern der Welt und erzählt von Menschen, denen Bildung ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht hat. Die Reporter:innen und Fotograf:innen wollen mit ihren Geschichten Einblicke ermöglichen, wie Bildung den persönlichen Aufstieg fördern und auch ein wichtiger Schritt für die Entwicklung ganzer Gesellschaften sein kann. Alle Texte finden Sie hier.

Die Serie ist Teil eines internationalen Projekts, für das insgesamt acht Medien in Deutschland, Frankreich und England ausgewählt wurden. Das European Journalism Center (EJC) und die Bill & Melinda Gates Stiftung fördern die acht Projekte zur Berichterstattung über die Herausforderung globaler Entwicklung mit insgesamt 900 000 Euro. FR

Assumpta Mugiranzea hat zur deutschen Geschichte geforscht. Sie sieht einige Parallelen zwischen den Völkermorden an den Juden und Jüdinnen und den Tutsi. „Beide Male handelte es sich um moderne Systeme. Beide Genozide waren sorgfältig geplant, organisiert und mit klaren Befehlsketten durchgeführt worden.“ Eine weitere Gemeinsamkeit sei die Rolle der Frauen nach dieser menschlichen Tragödie. Sie sieht eine Art ruandischer Trümmerfrauen am Werk. Zwar müssten sie nicht den Schutt zerbombter Häuser wegräumen. Aber sie versuchten, zerstörte Beziehungen und ruiniertes Vertrauen wieder aufzubauen. „Der Völkermord an den Tutsi,“ sagt sie, „war auch deshalb so desaströs, weil es ein ‚Genozid der Nähe‘ war. Plötzlich kamen Nachbarn, mit denen man schon ewig zusammenlebte, mit Macheten bewaffnet ins Haus, erschlugen den Mann, vergewaltigten die Frau und töteten vor deren Augen die Kinder.“

Der Schock darüber ist nach wie vor spürbar. In allgegenwärtigen Angstgefühlen, in Depressionen und weit verbreiteter häuslicher Gewalt, sogar in der Körpersprache vieler Menschen, deren Gesichter und Gebärden Verschlossenheit signalisieren. Wenn Vertrauen der Boden ist, auf dem gute Beziehungen gedeihen, dann fiel Ruanda vor 28 Jahren ins Bodenlose.

Seinen Halt sucht das Land darin, nach vorne zu blicken und – auch das eine Parallele zu Nachkriegsdeutschland – ein Wirtschaftswunder zu vollbringen. Als die Corona-Pandemie das Land traf, befand es sich mitten in einem ökonomischen Boom, mit Wachstumsraten von bis zu zehn Prozent jährlich. In Bildung wird – in einem der ärmsten Länder der Welt – ein ähnlich hoher Anteil am Staatshaushalt investiert wie in Deutschland. Die Strategie des Bildungsministeriums für Mädchenbildung formuliert ehrgeizige Ziele, zeigt aber auch Hindernisse und Hürden auf. Etwa die Tatsache, dass Mädchen häufiger als Jungen sitzenbleiben oder die Schule ganz verlassen, weil ihre Eltern sie zur Hausarbeit zwingen, Schulwege lang und gefährlich sind oder Toiletten und Hygieneartikel für die Zeit der Menstruation fehlen.

Ruanda ist kein „Frauenwunderland“ - aber Chancen gibt es trotzdem

Ruanda ist kein „Frauenwunderland“, wie manche Geberinnen und Geber von Entwicklungshilfe gerne glauben möchten. Aber dennoch eröffnen sich jungen Frauen Chancen, von denen viele Afrikanerinnen nur träumen können. Sarah Uwase ist fest entschlossen, sie zu nutzen. Sie sitzt im Schneidersitz in einem Sessel auf der Terrasse der Eagle View Lodge, mit weitem Blick über das grün-hügelige Stadtbild Kigalis. Aufnahmen für ein Internet-Video stehen an, Werbung für eine neue Kollektion. Um sie herum wuseln zwei Fotografinnen und ein Ton-Mann, Mikrofone werden installiert, Probefotos geschossen. Sarah, der Mittelpunkt, wirkt wie in tiefer Meditation versunken. Nur Finger, Garn und Nadel bewegen sich. „So komme ich runter“, sagt sie, „die Gedanken ordnen sich, mir fallen neue Designs ein.“ Ein breites Lachen: „So geht das mit der Häkel-Meditation.“

Das Interview für Sarahs Instagram-Kanal beginnt. Sarah reichen die gestellten Fragen nach Kollektionen, Farben und Kundenwünschen nicht. Sie will unbedingt darüber sprechen, warum sie Häkel-Jobs vor allem an alleinerziehende Mütter wie Shadia gibt, die mit Handarbeit fünf Kinder versorgt. Mikros noch mal an, Kamera läuft. „Meine Mutter hat uns Kinder ganz allein durchgebracht. Dafür bewundere ich sie unendlich. Ich bekam die Möglichkeit zu studieren, ein Business aufzubauen. Jetzt möchte ich etwas zurückgeben. Die Frauen, die für mich arbeiten, haben einen starken Willen. Sie geben nicht auf, bleiben dran, lernen schnell. Oft überraschen sie mich mit komplexen Mustern, die sie selbst erfunden haben. Wir entwickeln das Projekt gemeinsam weiter.“ Ihr Nachname Uwase bedeutet „genau wie der Vater“. So wollte Sarah nie sein, so sollte die Modekollektion auf keinen Fall heißen. Sie strich das „U“: Die Marke Wase war geboren.

Women in Ruanda: Sarah lässt sich nicht unterkriegen.
„Wir Frauen müssen uns erst daran gewöhnen, unsere Sache offensiv zu vertreten“, sagt Sarah. Aber unterkriegen lässt sie sich dadurch nicht. © Jelca Kollatsch

In Ruanda wachsen besonders viele Kinder ohne Vater auf. Die Männer kamen beim Genozid um, wurden als Täter inhaftiert, flohen ins Ausland. Hinzu kommen zahlreiche Kinder als Folge von Vergewaltigungen. Bei Teenager-Schwangerschaften – sieben Prozent der Frauen bekommen ihr erstes Baby mit unter 19 – wird der Vater oft schamhaft verschwiegen, teilweise weil sexueller Missbrauch voranging. Wie ertragen Frauen die Last alleiniger Verantwortung? Wie orientieren sich Kinder in einer derart vaterlosen Gesellschaft? Die Katastrophe des Genozids wirft lange Schatten, über Generationen hinweg. Wenn Sarah von ihrem Vater spricht, wird Verachtung spürbar, aber auch Verletzung. „Er ruft mich nur an, wenn er Geld braucht.“ Gleichzeitig bereitet es ihr Genugtuung, dass sie selbst und ihre Mutter unabhängig geworden sind. Sie gehören zu den vielen Frauen im Land, die über sich selbst hinaus wuchsen.

Die Politik der Regierung für mehr Emanzipation kollidiert mit konservativen Haltungen, wonach der Mann immer noch der „chef de la maison“, der Herr im Haus ist – vor allem in ländlichen Regionen. Das zeigen soziologische Studien, bei denen Interviews mit erfolgreichen Frauen geführt und anonymisiert wurden. Die Ehefrau mag geachtete Politikerin oder wohlhabende Unternehmerin sein: Zu Hause muss sie immer noch kuschen. Wenn sie mehr Geld als er verdient, sorgt sie dafür, dass er sein Gesicht nicht verliert. Etwa indem sie ihm im Restaurant unter dem Tisch die Kreditkarte zuschiebt, damit er sie offiziell einladen kann.

Ruanda: Die Emanzipation der Frauen kollidiert mit konservativen Haltungen

„Wir Frauen müssen uns erst daran gewöhnen, unsere Sache offensiv zu vertreten“, sagt Sarah. Sie erinnert sich an den Abschluss eines Seminars für weibliche Managerinnen, an dem sie kürzlich teilgenommen hat. Vor einer Jury sollten die Teilnehmerinnen ihre Geschäftsidee präsentieren, es ging um eine fünfstellige Dollar-Summe als Starthilfe. „Ich konnte schon zwei Wochen vorher nicht mehr schlafen, so nervös war ich.“ Ein männliches Jury-Mitglied schaffte es, sie mit der eigentlich nebensächlichen Frage nach der ruandischen Arbeitslosenquote aus dem Konzept zu bringen. „Danach habe ich nur noch rumgestammelt.“ Die nächste Präsentation wird besser laufen, das hat sie sich geschworen.

Eben noch hat Sarah beim Interview von Zielgruppen, Märkten und Lieferketten gesprochen. Dann abrupt ein Rollenwechsel. Für die Fotografinnen soll sie ihre neueste Kollektion vorführen. Sie stellt eine Musikbox auf, pulsierende Afrobeats schallen über die Veranda, zusammen mit einem zweiten Model bringt sie sich in Stimmung. Die beiden beginnen zu tanzen. Wiegende Hüften. Laufsteg-Schritte und Drehungen. Sarah schlüpft in ein cremefarbenes Häkel-Top und braune Shorts, zeigt sich selbstbewusst vor der Kamera. Model? Managerin? Für sie ist das kein Widerspruch. Beides gehört zu ihr. Ist Ausdruck des Weiblichen, „das wir in unserem Land stärken müssen“. Ohne sich festzulegen, was das genau ist, das Weibliche. Mütterliche Fürsorge jedenfalls gehört für sie dazu, das Beschützen von Schutzlosen. Sarah ist sich sicher: Hätten die Frauen in Ruanda schon vor 30 Jahren eine entscheidende Rolle gespielt, „der Genozid wäre nie geschehen“.

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