Aus dem Archiv der australischen Nationalbibliothek: Hemi Pomara im Jahr 1846.
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Aus dem Archiv der australischen Nationalbibliothek: Hemi Pomara im Jahr 1846.

Fotografie eines Maori

Ein Bild von einem Mann

  • vonBarbara Barkhausen
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In der australischen Nationalbibliothek ist die älteste Aufnahme eines Maori aufgetaucht. Es ist gleichzeitig eines der ältesten noch erhaltenen Fotos der Welt.

Stolz und mit festem Blick schaut der junge Maori in seinem traditionellen Mantel – dem Korowai – in die Kamera. Das Bild, das 1846 in London aufgenommen wurde, gehört zu den ältesten, noch erhaltenen Fotos der Welt.

Forscherinnen und Forscher entdeckten die 174 Jahre alte Fotografie des neuseeländischen Indigenen im Archiv der australischen Nationalbibliothek. Sie war bisher nicht katalogisiert worden. Das Bild des jungen Maori Hemi Pomara stammt vermutlich von Antoine Claudet, einem wichtigen Wegbereiter der Fotografie.

Hemi Pomara – vermutlich Anfang der 1830er geboren – war in den 1840ern von britischen Händlern aus seiner Heimat auf den Chatham-Inseln verschleppt worden, nachdem seine Familie von einem rivalisierenden Maori-Stamm getötet worden war. Man schickte ihn in Australien zur Schule, bevor er nach London transportiert und als lebendes Exponat ausgestellt wurde.

Die „Ausstellung“ in der Egyptian Hall wurde vom London Spectator als die „interessanteste“ der Saison gelobt, ein Porträt des Maori wurde für die „Illustrated London News“ graviert“. Zudem wurde der junge Mann auf einem Treffen der Royal Society vorgestellt, an dem berühmte Persönlichkeiten teilnahmen, darunter Charles Dickens, Charles Darwin und der besagte Antoine Claudet. Während einer Audienz traf der Indigene auch Queen Victoria und Prinz Albert.

Bisher hatte man das Äußere Pomaras nur von einem verblassten Aquarell gekannt. „Alle Beweise deuten darauf hin, dass das Bild nicht nur das älteste erhaltene Foto von Hemi ist, sondern höchstwahrscheinlich auch das älteste erhaltene fotografische Porträt eines Maori“, schrieben der Forscher Martyn Jolly und die Forscherin Elisa deCourcy in dem wissenschaftlichen Magazin „The Conversation“.

Nach seiner kurzen Zeit in London trat der junge Mann die Heimreise per Schiff an. Doch er erlitt auf Barbados Schiffbruch. Auf dem nächsten Schiff, das ihn in die Heimat zurückbringen sollte, wurde er vom Ersten Offizier angegriffen, der dafür vor Gericht gestellt wurde, als das Schiff nach London zurückkehrte.

Der junge Pomara wurde schließlich in die „Obhut“ von Vizegouverneur Edward John Eyre übergeben, der ihn Anfang Dezember 1846 nach Neuseeland zurückbrachte. Seine weitere Lebensgeschichte ist kaum nachzuvollziehen. Forscherinnen und Forscher halten es für möglich, dass er als älterer verheirateter Mann mit seiner Frau und seinem Kind nach London zurückkehrte.

Pomaras Lebensgeschichte hat Generationen von Maori-Schriftstellerinnen und -Schriftstellern sowie Filmemacherinnen und Filmemacher inspiriert, darunter auch die Oscar-Preisträgerin Taika Waititi, die Pomaras Geschichte fürs Kino adaptieren will.

„Angesichts der dringlichen Debatten darüber, wie wir uns an unsere koloniale Vergangenheit erinnern und indigene Geschichten zurückzugewinnen wollen, sind Geschichten wie die von Hemi Pomara von enormer Bedeutung“, hieß es nun in einem schreiben der Nationaluniversität in Canberra.

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