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(Pink) Floyd ist der heimliche Star des Monkey Tree Hotels.

Palm Springs

Im Bett mit JFK und Marilyn

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Warum Palm Springs immer noch vom alten Hollywood-Glamour lebt und jetzt wieder hip wird.

Wenn Frank Sinatra die Jack-Daniel's-Flagge hisste, wussten alle: Heute wird gefeiert. Und das kann schon mal aus dem Ruder laufen. Wie damals als seine Frau Ava Gardner ihm mit einer Likörflasche im Badezimmer eins überzog. Ein Riss im Waschbecken zeugt heute noch von der Stelle, an der die Flasche schließlich zerschellte.

Es sind Geschichten wie diese, die den Mythos vom Promi-Hotspot Palm Springs weiterleben lassen. Frank Sinatra ist lange tot. Dafür kann man sein Haus heute für Hochzeiten mieten.

Die Zeiten der rauchenden und trinkenden Gentlemen in edlen Anzügen und der glamourösen Damen mit Hochsteckfrisuren und Tweedjäckchen sind lange vorbei. Die ehemaligen Häuser von Liberace, Katharine Hepburn, Cary Grant und Liz Taylor haben längst andere Besitzer. Golfer, vorwiegend Rentner übernahmen die Oase im Coachella Valley nordöstlich von Los Angeles. Für die Städter wurde es unattraktiv. Es galt als schnarchig. Erst seit ein paar Jahren wandelt sich das Image. Das Coachella-Festival zieht im Frühjahr Tausende junge Hipster aus der ganzen Welt an, Fotoportale wie Instagram sind dann voll mit Schnappschüssen schöner Menschen vor traumhafter Wüstenkulisse. Und auch die Promis haben Palm Springs wiederentdeckt – nicht nur wegen der dort ansässigen berühmten Entzugsklinik, dem Betty Ford Center. Leonardo Di Caprio hat sich erst kürzlich für 5,2 Millionen US-Dollar ein Häuschen in der 432 Hermosa Street gekauft.

Der Clou damals wie heute ist: Schauspieler dürfen sich während eines Filmdrehs nicht zu weit vom Set entfernen. Früher stand in den Verträgen höchstens 120 Meilen, etwa 193 Kilometer. Und Palm Springs ist von Los Angeles, wo viele der Stars leben und arbeiten, nur rund 180 Kilometer entfernt. Somit noch im Radius. „Palm Springs wurde für viele zu einer Art zweiten Zuhause“, sagt Autor und Touristenführer Michael Stern. Er kennt sich wie kaum ein anderer mit der besonderen Architektur in Palm Springs aus. Die Stadt, vielmehr der Großraum Greater Palm Springs, ist die weltweit größte Siedlung für Häuser im angesagten Mid-Century Style. Der schweizer Architekt Albert Frey (1903–1998) begründete einst in Palm Springs seinen berühmten „desert modernism“: klare Formen, großflächige Fenster, Dächer, die sich an die Schrägen der Wüstenberge anlehnen und aufwendige Kaktusgärten. Die Villen an den Berghängen erinnern an das Zuhause von Fred und Wilma Feuerstein. Immer mehr Häuser werden dieser Tage in ihre Originalzustände zurückversetzt.

„Von allen Grundstücken hat man einen wunderbaren Blick auf die Berge“, erklärt Architektur-Kenner Stern. Weil alle Häuser so niedrig gebaut wurden und alle einen großen Garten haben, sieht man weder Nachbarn und Nachbarhäuser. Es ist in beinahe jedem Anwesen so, als wäre man ganz alleine in der Wüste.

Der Barkeeper der Stars

Palm Springs ist also gut zu erreichen, stylish, hip, ruhig und natürlich sonnig. Nur zwei Regentage pro Jahr sind vorgesehen, dafür wird es im Sommer schon mal bis zu 50 Grad warm. Das ist die Zeit in der Kathy Friedle den Sprühnebel einschaltet, der durch eine Leitung über den kompletten Garten des Monkey Tree Hotels verteilt wird. Im Februar hat sie das ehemalige Nudisten-Quartier mit ihrem Mann Gary neu eröffnet. Im alten Stil, dem der 60er Jahre: Minimalstische Architektur, klare Linien, klare Farben. Gelb und Blau wie damals. Nur 16, dafür sehr individuell eingerichtete Räume gibt es. Dafür haben die aus New York stammenden Neuhoteliers zahlreiche Flohmärkte nach alten Schätzen abgeklappert. Nierentische, Makramee, kleine Vasen. Ein Traum für jeden Vintage-Liebhaber.

Im Salzwasserpool treibt Floyd im lauen Wüstenwind, der pinke, aufblasbare Flamingo, der längst zum Markenzeichen des Hotels geworden ist. Die Palmen im Innenhof stehen dort schon so lange wie das Hotel, erzählt Kathy. Sie sind die einzigen Zeugen, die verraten können, was sich in der Suite des Monkey Tree Hotels vor über 50 Jahren wirklich zugetragen hat. Die Legende besagt nämlich, John F. Kennedy habe sich dort heimlich mit seiner Geliebten Marilyn Monroe getroffen. Über einen geheimen Eingang durch den Garten sei er von seiner Limousine auf dem Parkplatz direkt ins Zimmer gelangt, ohne das ihn die anderen Gäste hätten sehen können. Ziemlich raffiniert. Den Durchgang gibt es heute noch. Als sie das Hotel gekauft haben, waren alle Räume miteinander verbunden, sagt Kathy. „Keine Ahnung, was die Promis da gemacht haben...“ Eric Clapton jedenfalls soll immer den Jungle-Room gemietet haben, wen er da war. Kathy hat ihn wieder originalgetreu einrichten lassen, samt Leoparden-Tapete. Heute kommen vor allem viele Sportler. Wanderer, Radfahrer, Läufer, sie genießen den minimalistischen Luxus und lassen sich nachmittags im Liegestuhl von Swing-Musik berieseln.

„Wenn Du in deinen 20ern und großartig bist“, sagt Michael Stern, „feierst Du im Ace Hotel.“ Aber wenn Du berühmt bist, dann feierst Du im Avalon Hotel. Immer mit dabei Harrison Gerhardt. Der 31-jährige Barkeeper mit Wurzeln in Gelsenkirchen kennt sie alle: Sarah Jessica Parker, Samuel L. Jackson, Paris Hilton, Daniel Craig, Robert Downey Jr., Dita von Teese, Kanye West ... Für sie alle hat er schon Cocktails und Longdrinks gemixt. Um die 100 Stars will er in zehn Jahren schon bei der Arbeit getroffen haben. Als Lindsey Lohan es auf der Veranda ein bisschen mit dem Alkohol übertrieb, half er ihr hoch. Und mit den coolen Jungs der Red Hot Chilli Peppers liegt er sich regelmäßig in den Armen. „Irgendwie werden sie auch ein Stück weit zu meinen Freunden.“ Von manchen Gästen führt er auch regelmäßig die Hunde aus. „Kirsten Stewart und Robert Pattinson waren wirklich nett“, sagt Harrison. „Und als Matthew McConaughey hier war und am Pool sein Shirt ausgezogen hat...“ Harrison wedelt mit der Hand und macht einen spitzen Mund. „Alle Frauen so Yeahhh!“

Der Ruf als Hollywood-Gateway

Das weitläufige Hotelgelände mit seinen 67 Zimmern, drei Pools, unzähligen Grapefruitbäumen und Brunnen ist äußerst verwinkelt, kleine, verschlungene Pfade führen zu den Bungalows, die schwer einsehbar sind. Ein Ort, wie geschaffen für Paparrazzi-müde Promis. Denn wenn im Hotelrestaurant Chi Chi schon öfter gefeiert wird, die Stars kommen vor allem zur Erholung, sagt Harrison. Aber warum gerade im Avalon? „Wenn Du die Tür öffnest, bist Du in einer Zeitmaschine. Erinnerst Dich an bessere, leichtere Zeiten, in denen Prominente nicht so verfolgt wurden“, sagt der Barkeeper. Teddy Roosevelt und Clark Gable waren früher Stammgäste. Harrison ist sich sicher, die gute Luft, der blaue Himmel und die Ruhe ziehen die Stars an. „Palm Springs ist eine Oase, in der die Promis ihre Batterien wieder aufladen können. Und das Avalon ist ein Ort, an dem Du tun und lassen kannst, was Du willst.“ Viele mieteten sich unter falschem Namen ein und kämen nur mit ihrem Partner oder der Familie, um ein bisschen zu relaxen. Ohne viel Tam Tam.

Plüschteppiche, hängende Korbstühle, viel samt, goldene Palmen-Lampe – im Parker Palm Springs ist alles etwas quietschender. Von der Einrichtung bis zum Rezeptionist mit dem pinkfarbenen Sakko. Die Stars scheinen’s zu lieben. Angelina Jolie, Brad Pitt, Jessica Simpson, Leonardo DiCaprio und Julia Roberts sind Stammgäste in dem exklusiven Hotel. Noch mehr name dropping gefälligst? Beyoncé, Jay Z, Roger Federer, Frank Sinatra, Zsa Zsa Gabor und Gene Wilder waren auch schon dort. In so einem Laden kann man auch mal George Clooney in Badehose am Limonaden-Stand treffen. Oder im Pool. Denn selbst wenn die A-Liste der Hollywood-Schauspieler im Haus ist, kriegen die keine Extra-Wurst, sagt Alex Falcen (26), die seit sieben Jahren im Parker arbeitet. „Der Pool und alles andere ist für alle Gäste da.“ Das gilt auch für den weitläufigen Spa-Bereich und das Fitnessstudio, in dem man auch nachts um drei noch Gewichte stemmen kann.

Hanteln sucht man im Willows Historic Inn vergebens, genauso wie eine Lobby. Das exklusive Anwesen hat nur acht Räume, ein Kaminzimmer und einen Pool. Alles ist mit feinstem Eichenparkett ausgelegt, an den Decken hängen schmiedeeiserne Leuchter, gefrühstückt wird neben einem künstlichen Wasserfall und tropischen Pflanzen. Robert de Niro hat einmal das ganze Haus gemietet – für 35 000 Euro pro Nacht. Die Kristallkaraffen voll mit goldgelbem Alkohol auf der Anrichte neben dem Kamin erinnern an vergangene Tage. Es läuft Swing Musik. Albert Einstein soll einmal vier Monate im Willows verbracht haben.

Palm Springs will seinen Ruf vom Hollywood-Gateway nicht aufgeben. An Promis mangelt es nicht, auch wenn die wenigsten sich dort heute noch eigene Häuser leisten. Gefeiert wird dafür in den coolen Hotels der Stadt. Beim Hinauswanken müssen sie nur aufpassen, nicht von einem Golfauto angerempelt zu werden.

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