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Da hat jemand viel vor.

Aphrodisierende Lebensmittel

Reich’ mir mal die Ananas

Ein besseres Liebesleben durch den richtigen Speiseplan? Eine Autorin glaubt fest an die aphrodisierende Wirkung einiger Lebensmittel. Wissenschaftler sehen das eher skeptisch.

Es klingt doch zu verlockend: Verführung durch Obst und Gemüse? Naschen im Kräutergarten kurbelt die körperliche Voraussetzung für den Akt der Liebe an? Wirken manche Lebensmittel wirklich aphrodisierend? Ja, sagt Elvira Grudzielski. Sie ist kräuterkundig und hat das Buch „Sinnliche Rezepte für schöne Stunden“ zusammengestellt. Ihr zufolge ist Ananas die Spitzenreiterin der Liebesküche. Sie sorge für gute Laune und rege an zu lustvollen Aktionen.

Das gilt auch für lieblich süße Weintrauben, deren Zucker direkt ins Blut geht und Energie verleiht. Oder für Fenchel, dem einst schon Plinius der Ältere entsprechende Eigenschaften zuwies. Der römische Beamte und Verfasser der Enzyklopädie „Naturalis historia“ behauptete: „Fenchel in Essig eingelegt und verspeist, führt zu vermehrter Samenbildung. Er wirkt sich besonders günstig aus auf die Geschlechtsorgane.“

Von Aphrodite – in der griechischen Mythologie die göttliche Expertin für Liebe, Schönheit und sinnliche Begierde – ist das Wort „Aphrodisiakum“ abgeleitet. Kräutern, Gewürzen oder Speisen wird erotisierende Wirkung zugeschrieben. „Es sind natürliche Potenzmittel“, sagt Elvira Grudzielski. Ihr wurde die Liebe zu heimischen Pflanzen und den Schätzen der Natur in die Wiege gelegt. Schon ihr Urgroßvater Otto Liebmann war Kräuterexperte. Er reiste als eine Art Medizinmann bis nach Österreich, getrocknete Kräuter, Pflanzen und Heilmittel aus dem Thüringer Wald im Gepäck.

Elvira Grudzielski führt die Tradition der Familie aus Saalfeld fort: „Der Griff ins Kräuterregal kann genauso viel bewirken wie die kleinen blauen Pillen.“ Sie hat sich mit antiken Vorbildern, heimischen Bräuchen und Volksglauben beschäftigt. Schon der Volksmund meint, „Muskatnuss im Wein und du bist mein“, sagt sie. Oder auch davon, dass die Liebesgöttin Aphrodite vor einem Gastmahl die Tische mit frischer Minze habe einreiben lassen, um ein entspanntes, beschwingtes Miteinander zu fördern.

Demnach darf man sich Aphrodisiaka als wahre Alleskönner vorstellen. Multitalente, die ermüdete Männlichkeit aus dem Schlaf wecken und für beide Geschlechter sinnliches Vergnügen fördern. Ihre Aufgabe soll sein, Begehren zu wecken und zum Liebesgenuss zu verführen. In sehr vielen Kulturen waren es vor allem Pflanzen, die solche Versprechen erfüllen sollten.

„Weltweit gibt es sicher mehrere Hundert Gewächse, denen eine aphrodisierende Wirkung nachgesagt wird“, sagt Johannes G. Mayer, Leiter der Forschungsgruppe Klostermedizin an der Universität Würzburg. In Deutschland sind es verhältnismäßig wenige im Vergleich zu China oder Südamerika. Ginseng und Chili, vermutet Mayer, dürften international die Hitliste der bekanntesten Aphrodisiaka anführen. Aber: Das alles spielt im Bereich der Spekulation, des Glaubens und überlieferten Volkswissens. Der wissenschaftliche Beweis für die Wirkung ist bislang nicht erbracht, sagt der Experte.

Auch Ernährungswissenschaftler Uwe Knop, der sich als Buchautor gerne Mythen rund um die Ernährung vorknöpft, verweist darauf, dass der Teller ein Schmelztiegel der Emotionen sei. „Ohne Essen können wir nicht existieren. Ohne Sex können wir vielleicht existieren, aber dann ist das Leben sicher weniger schön“, meint der Forscher. Essen und Sex seien auch in Kombination wunderbar und sollten genossen werden. Allerdings gibt es für Knop keine Gewissheit, dass Essen den Menschen gesund, energetisch oder sexuell attraktiv macht. Knop fasst zusammen: Manchmal ist der Partner das eigentliche Aphrodisiakum.

Allein der Glaube an die Kraft des Krauts vermag Wirkung zeigen, vor allem wenn seelische Blockaden das Liebesleben hemmen. Medizinhistoriker Mayer sagt, dass Männer und Frauen schon im Mittelalter an die Klosterpforte klopften, um nach entsprechender Stärkung aus dem Garten zu fragen. „Die Texte aus der Klostermedizin sind weniger prüde, als man denkt“, so Mayer.

Das „Macer floridus“, ein Lehrgedicht aus dem 11. Jahrhundert, galt in Mitteleuropa als Standardwerk der Kräuterheilkunde. Bereits dort wird die Brennnessel – in Anlehnung an die Antike – als luststeigernd beschrieben: „Der Samen mit Wein genossen erregt die Liebeskraft, noch mehr sogar, wenn du die Pflanze reibst, mit Honig und Pfeffer vermischst und dann mit Wein trinkst.“

Unter den Autoren der Klostermedizin warnt nur Hildegard von Bingen vor dem „Liebeszauber, den einige Pflanzen bewirken können, etwa bei Arnika und Benediktenkraut“. Bei manchen Gewächsen wiederum glaubten Kräuterkundige, aus der Gestalt der Pflanze oder Blüte auf eine luststeigernde Wirkung schließen zu können, wie etwa bei der Stinkmorchel oder den Aronstabgewächsen.

„Dahinter steckt eine Idee, die großen Einfluss auf die Volksmedizin hatte: die Lehre von den Signaturen“, sagt Johannes Mayer. „Nach dieser hat der Schöpfergott den Pflanzen ihre Eigenschaften gleichsam eingeschrieben.“ Spargel, Karotte und Meerrettich schienen allein durch ihre Wurzelform für den erotischen Bereich geschaffen. Wieder lässt sich der Effekt nicht belegen. (dpa)

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