Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Naturkatastrophe

Tief „Bernd“: Deutschlands schlimmste Katastrophe der letzten 60 Jahre

  • VonMirko Schmid
    schließen

Die schweren Unwetter in NRW und Rheinlands-Pfalz fordern mindestens 43 Tote. Damit nähert sich die Zahl der Opfer allmählich dem Oder-Hochwasser von 1997.

Köln - Die Zahl der Unwettertoten steigt. Alleine in Nordrhein-Westfalen melden die Behörden inzwischen 24 Opfer der Regenfluten. Am stärksten betroffen ist Euskirchen. In der rund 60.000 Einwohner fassenden Stadt im Südwesten von NRW wurden bereits 15 Todesfälle infolge der Unwetter gezählt. Hinzu kommen zwei Unwetteropfer in Köln und drei in Rheinbach, einer Stadt mit rund 30.000 Einwohner:innen im Rhein-Sieg-Kreis, 16 Kilometer südwestlich der Bonner Innenstadt.

In Rheinland-Pfalz ist der Kreis Ahrweiler am stärksten betroffen. Hier kamen 19 Menschen infolge der extremen Regenfälle ums Leben. Insgesamt steigt die bisher offiziell vermeldete Zahl von Unwetteropfern in Deutschland somit auf 43. In vielen Städten wird evakuiert, der Bahnverkehr in beiden Bundesländern ist stark eingeschränkt.

Mit 43 Todesfällen nähert sich die Zahl der Unfallopfer allmählich dem Oderhochwassers von 1997, das 74 Menschenleben (andere Angaben nennen die Zahl 114) gefordert hatte, davon 20 in der Tschechischen Republik und 54 in Polen. Die meisten Menschen seit dem Zweiten Weltkrieg starben in Deutschland infolge einer Naturkatastrophe im Jahr 1962, als die Hamburger Sturmflut 315 Todesopfer forderte.

In den 1990er Jahren wüten „Daria“, „Vivian“ und „Wiebke“ in Deutschland

Eine ähnlich hohe Zahl von Todesfällen infolge von Naturkatastrophen gab es in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem durch Orkane. Der Orkan „Daria“ forderte im Januar 1990 acht Menschenleben in Deutschland, in ganz Europa 94. Nur einen Monat später fegte „Vivian“ übers Land und hinterließ 15 Unwetteropfer in Deutschland, europaweit 64. Wieder nur einen Monat später waren es 35 Menschenleben, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz dem Orkan „Wiebke“ zum Opfer fielen.

Land unter in Köln.

Eines der heftigsten Unwetter wurde im Jahr 1976 als Capella-Orkan bekannt. Seinen Namen erhielt der Orkan durch das Kentern des 1961 gebauten gleichnamigen Küstenmotorschiffs. All elf Besatzungsmitglieder kamen in den Gewässern nordwestlich von Borkum ums Leben. Insgesamt forderte der Orkan 82 Menschenleben, die meisten in Deutschland. Auch England war stark betroffen, hier verloren infolge des Unwetters 24 Menschen ihr Leben.

Orkan „Lothar“ fordert 1999 15 Menschenleben in Deutschland

15 Menschenleben in Deutschland, 88 in Frankreich und insgesamt etwa 110 forderte 1999 der Orkan „Lothar“, der von Frankreich aus mit einer Vorwärtsgeschwindigkeit von über 100 km/h nacheinander den Schwarzwald, die Schweiz, Liechtenstein und Österreich heimsuchte.

JahrUnwetterTote in EuropaTote in Deutschland
1962Hamburger Sturmflut315315
1990Orkan Daria948
1990Orkan Vivian6415
1990Orkan Lothar11015
1997Oderhochwasser74-
2002Donauhochwasser457
2002Orkan Jeanett4711
2007Orkan Kyrill4713
2013Hochwasser258
2015Orkan Christian146
2016Elvira, Friederike und Gisela2011
2020Orkan Sabine142

Nach der Jahrtausendwende waren es zunächst das Donauhochwasser und der Orkan „Jeanett“ , welche im Jahr 2020 auch in Deutschland zu Todesfällen führten. Dem Donauhochwasser fielen in Deutschland sieben Menschen zum Opfer, der Orkan „Jeanett“ forderte europaweit 47, davon in Deutschland 11 Menschenleben.

Das bisher schlimmste Hochwasser in Europa seit der Jahrtausendwende war das Alpenhochwasser im Jahr 2005. Die Überschwemmung forderte mindestens 30 Menschenleben, die meisten davon in Bulgarien (23), in Deutschland kam niemand zu Tode.

42 Tote durch „Bernd“ – zuvor lediglich rund 25 Unwetteropfer in Deutschland in den letzten 14 Jahren

Es schloss 2007 sich der Orkan „Kyrill“ ein, infolgedessen 47 Menschen starben, davon 13 in Deutschland. 2010 forderte der Orkan „Xynthia“ europaweit über 60 Menschenleben, die meisten davon in den westlichen Départements Frankreichs. Acht Menschenleben in Deutschland fielen 2013 einem Hochwasser in Mitteleuropa zum Opfer, insgesamt starben mindestens 25 Menschen. 2015 kamen im Zuge des Orkans „Christian“ offiziell mindestens 14 Menschen ums Leben, davon sechs in Deutschland.

Unwetter in ganz Europa forderten auch 2016 Menschenleben infolge der Tiefdruckgebiete „Elvira“, „Friederike“ und „Gisela“. In Deutschland starben mindestens elf Menschen, europaweit mindestens 20. Das letzte heftige Unwetter mit Todesfolge fand im Februar 2020 statt, als sich der Orkan „Sabine“ für 14 Tode verantwortlich zeigte, davon zwei in Deutschland. (Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © Marius Becker/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare