1. Startseite
  2. Panorama

Zoo Berlin: Peta drängt auf Ende der Eisbär-Haltung

Erstellt:

Von: Nadja Austel

Kommentare

Drei Peta-Aktivisten in Gefängmniskleidung mit Eisbärmasken vor dem Gesicht halten Schilder mit den Aufschriften: „Eisbären raus aus Zoos“ und Eisbären im Zoo = Tierquälerei“. Um ihre Hände sind Ketten gewickelt, im Hintergrund ist die Silhouette eines Eisbären zu sehen.
Die Tierschutzorganisation Peta fordert den Berliner Zoo auf, zukünftig keine Eisbären mehr zu halten. (Symbolbild) © dpa/Ingo Wagner

Am Heiligabend wird die älteste Eisbärin Europas im Zoo Berlin leblos aufgefunden. Der Tierschutz fordert nun ein Ende der Eisbär-Haltung.

Berlin – Die Eisbärin Katjuschka wurde 1984 in Karlsruhe geboren und kam im Alter von circa einem Jahr in den Zoo Berlin. In einer Pressemitteilung nahm dieser am Montag (27.12.2021) öffentlich Abschied von der 37-jährigen Bärin: „Lebe wohl Eisbär-Seniorin!“ Der Zoo teilte darin mit, dass die Eisbär-Dame am Heiligabend leblos auf ihrer Außenanlage von Tierpfleger:innen gefunden wurde. Sie sei seit einigen Jahren herzkrank und deshalb schon länger in tierärztlicher Behandlung gewesen. Sie sei die älteste Eisbärin Europas gewesen.

Die Tierschutzorganisation Peta forderte daraufhin Zoodirektor Andreas Knieriem in einem öffentlichen Brief auf, die Haltung der weltweit größten Landraubtiere vollständig aufzugeben. Eisbären würden in Gefangenschaft regelmäßig Verhaltensstörungen entwickeln. Wie unter anderem eine Peta-Studie von 2008/2010 belegen würden, hätten die große Mehrheit aller Eisbären in Zoos Verhaltensstörungen. Die Tierrechtsorganisation habe mehrfach Videomaterial veröffentlicht, das schwere Zwangsstörungen bei den Tieren zeige. Auch der berühmte gewordene Eisbär Knut habe unter Stereotypien gelitten.

Zoo Berlin: Tierschutz sieht Chance für „großartigen Schritt“

Zudem könnten die Ansprüche an ihren Lebensraum in Gefangenschaft niemals erfüllt werden, begründete Peta den Vorstoß. Peta schrieb weiter, wenn sich der Berliner Zoo zu einem Ende der Eisbärenhaltung bekennen würde, wäre dies „ein großartiger Schritt mit Signalwirkung für alle anderen Zoos, in denen Eisbären verhaltensgestört im Kreis laufen“, so Peter Höffken, Fachreferent der Peta.

Die Zahl der Eisbären in Gefangenschaft sei rückläufig und habe sich in Deutschland seit 2008 von 13 Zoos auf 11 Zoos verringert. An der „tierschutzwidrigen Zurschaustellung von Eisbären“ hielten jedoch noch einige deutsche Städte fest: Bremerhaven, Gelsenkirchen, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, München, Neumünster, Nürnberg und Rostock, sowie andere zoologische Einrichtungen in Berlin, so die Mitteilung der Peta.

Berlin: Zoo-Direktor Knieriem sieht positive Aspekte der Eisbär-Haltung

Der Berliner Zoo wies hingegen darauf hin, dass Katjuscha „ein außerordentlich hohes Alter erreicht“ habe. In ihrem natürlichen Lebensraum würden Eisbären maximal 25 bis 30 Jahre alt, wobei die wenigsten Tiere überhaupt das 20. Lebensjahr erreichen würden. Schon vor über sechs Jahren seien altersbedingte organische Veränderungen bei der Eisbärin festgestellt worden. Durch unterstützende Medikamente und optimale tierärztliche Betreuung habe sie ein solch stattliches Eisbären-Alter erreichen können.

Wie es mit der Eisbär-Haltung im Zoo Berlin weitergehe, müsse in den kommenden Wochen entschieden werden. Seit 2015 werde der Eisbär in der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) als „gefährdet“ geführt, der Bestand sei auf etwa 26.000 Tiere geschätzt worden. „Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um nochmal zu betonen, dass wir es nicht nur als unsere Aufgabe ansehen, unsere Gäste mit den Tieren zu begeistern, sondern sie auch für deren Schutz zu sensibilisieren“, ergänzte Knieriem.

Peta-Fachreferent Höffken sieht das anders: „Mit Artenschutz hat die Haltung (…) nichts zu tun, da im Zoo geborene Eisbären nicht ausgewildert werden können. Die Tiere als reine Besucherattraktion zu halten, muss ein Ende haben.“

Zoo Berlin: Tierschutz führt Expertenmeinungen an

Die Tierschützer der Peta verweisen auf die Meinungen von Experten: Laut namhaften Wissenschaftlern wie Prof. Dr. Hanno Würbel von der Universität Bern, Verhaltensbiologe Dr. Karsten Brensing sowie dem ehemaligen Zoodirektor Prof. Dr. Manfred Niekisch sei es nicht möglich, Eisbären in Gefangenschaft artgerecht zu halten. Die Unterschiede zwischen ihrem natürlichen Lebensraum und denen im Zoo seien dafür zu groß.

In freier Natur wandern Eisbären pro Jahr Hunderte bis Tausende Kilometer. Können sie sich nicht artgemäß bewegen, entwickeln sie auffällige Verhaltensstereotypien, erkennbar an sich ständig wiederholenden Bewegungsabläufen, so die Peta in ihrer Mitteilung. Nachzuchten in Gefangenschaft gingen außerdem mit einer hohen Jungtiersterblichkeit einher. Und auch die häufigen Transporte zu Zuchtzwecken zwischen den Zoos seien ein Stressfaktor für die Tiere.

Zoos – Laut Tierschutz eine Form von „Speziezismus“

Ein Grundanliegen der Peta lautet, dass Tiere nicht dazu da sind, dass sie den Menschen unterhalten oder sie in irgendeiner anderen Form von ihm ausgebeutet werden. Die Organisation setzt sich damit gegen den sogenannten Speziesismus ein – also gegen eine Weltanschauung, die den Menschen allen anderen Lebewesen gegenüber als überlegen einstuft.

In diesem Winter geht es den Eisbären in freier Wildbahn vergleichsweise gut: Weil die Raubtiere übers gefrorene Polarmeer nach Norden ziehen können, brauchen sie dieses Jahr wohl nicht in Mülltonnen zu wühlen. Die Tierschutz-Organisation WWF erwartet in diesem Winter weniger unterernährte Eisbären auf der Futtersuche in russischen Dörfern am Nordpolarmeer.

Der Tierschutz hatte in diesem Jahr aber auch einen Erfolg zu verzeichnen: Das Reiten wird nach den Olympischen Spielen 2024 in Paris nicht mehr Teil des Modernen Fünfkampfs sein. Welche Disziplin dafür neu dazukommt, soll noch entschieden werden. Auslöser der Debatte war das Drama um Annika Schleu bei Olympia 2021. (na/epd)

Auch interessant

Kommentare