1. Startseite
  2. Panorama

Berlin: Polizisten machen Liegestütze auf Holocaust-Mahnmal

Erstellt:

Von: Lukas Zigo

Kommentare

Eine Polizeidrohne landet am Holocaust-Mahnmal in Berlin.
Eine Polizeidrohne landet am Holocaust-Mahnmal in Berlin. © Christoph Soeder/dpa

Das Holocaust-Mahnmal in Berlin ist von Polizisten als Sportplatz missbraucht worden.

Berlin – Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin wurde von Polizisten für das Training von Liegestützen missbraucht. Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik entschuldigte sich und verurteilte die Aktion vom Pfingstwochenende, über die die Zeitung B.Z. am Montag (01.11.2021) berichtete. „Das Verhalten der Kollegen ist eine Missachtung dessen, wofür gerade dieses Mahnmal steht und entspricht nicht der Achtung, die ihm entgegengebracht werden muss und die ihm von der Polizei Berlin auch entgegengebracht wird“, teilte Slowik mit. „Es verletzt für mich zudem das Andenken an die Ermordeten.“

Am Pfingstwochenende waren die Polizisten wegen Demonstrationen im Regierungsviertel nahe dem Holocaust-Mahnmal im Einsatz. Ein Foto in der B.Z. zeigt uniformierte Polizisten, die an den Steinblöcken des Mahnmals Liegestütze machen. Dabei sollen sie sich gegenseitig mit ihren Handys gefilmt haben.

Berlin: Holocaust-Mahnmal ist „Ort der Erinnerung und des Gedenkens“

Das 2005 errichtete Mahnmal zum Gedenken an die sechs Millionen von den Nationalsozialisten ermordeten Juden besteht aus rund 2700 verschiedenen hohen, dunkelgrauen Betonblöcken. Dort ist laut Hausordnung Rennen, Lärmen, das Springen von Block zu Block, Rauchen und Alkoholkonsum verboten. Manche Touristen nutzen das Areal zum Sonnen, Picknicken und für Handy-Selfies.

Wie Slowik betonte, gehe es um „einen Ort der Erinnerung und des Gedenkens“ sowie einen Ort der „Mahnung für die Gegenwart, für die Zukunft“. Die Polizei werde diesen Kollegen „unmissverständlich verdeutlichen, das Fehlverhalten klar aufzeigen sowie den Sachverhalt dienstrechtlich aufarbeiten“. Mit Blick auf die sehr gute Zusammenarbeit mit der Jüdischen Gemeinde entschuldigte sich die Polizeipräsidentin sich ausdrücklich.

Polizeigewerkschaft: „Das Holocaust-Denkmal ist kein Abenteuerspielplatz“

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) teilte mit: „Das Verhalten der Kollegen ist an Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten. Das Holocaust-Denkmal ist kein Abenteuerspielplatz. Diese unerklärliche Aktion verhöhnt den Genozid an Millionen Menschen und tritt die Werte, für die unsere Berliner Polizei steht, mit Füßen.“ Selbst innerhalb der Polizei bestehe anscheinend noch großer Nachholbedarf im Bereich politische Bildung. Auch in Frankfurt kam es zuletzt zu Streitigkeiten bezüglich der Zweckentfremdung einer Holocaust-Gedenkstätte*. (Lukas Zig/dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare