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Blick auf die Berliner Schlosspark-Klinik.

Berliner Schlossgartenklinik

Nach Angriff auf Fritz von Weizsäcker - zunehmende Gewalt an Kliniken beklagt

Fritz von Weizsäcker wird während eines Vortrags erstochen. Der Täter soll „wahnbedingt“ gehandelt haben. 

Update, 21. November, 8:10 Uhr: Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat sich erschüttert über den Messerangriff auf Chefarzt Fritz von Weizsäcker geäußert und eine zunehmende Gewalt an deutschen Kliniken beklagt. „Der tödliche Anschlag auf Herrn von Weizsäcker ist eine Extremsituation, die sich in einer offenen Gesellschaft niemals gänzlich ausschließen lässt“, sagte DKG-Präsident Gerald Gaß der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" (Donnerstag). 

Davon zu unterscheiden seien Fälle von Gewalt in den Kliniken im Bereich Pflege und Medizin, die „leider in den letzten Jahren zugenommen“ hätten. Körperliche und verbale Angriffe stellten ein Problem dar, für das es keine einfachen Lösungen gebe. „Es ist heutzutage keine Seltenheit mehr, dass beispielsweise Notaufnahmen Sicherheitsdienste beschäftigen“, erläuterte Gaß. Gewalttätige oder randalierende Patienten und Besucher könnten ein Hausverbot erhalten, das gegebenenfalls mit Unterstützung der Polizei durchgesetzt werde. Für psychiatrische Abteilungen gebe es zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen.

Update, 16:38 Uhr: Der mutmaßliche Täter, der am Dienstagabend den Mediziner Fritz von Weizäcker in der Schlosspark-Klinik erstochen hat, wird in ein psychiatrisches Krankenhaus eingeliefert. Das teilte die Staatsanwaltschaft Berlin mit. Demnach liege das Tatmotiv nicht im höchstpersönlichen Bereich, sondern wohl in einer wahnbedingten allgemeinen Abneigung gegen die Familie Weizäcker. 

Der 57-jährige Angreifer soll bei seiner Tatplanung im Internet recherchiert und dabei einen Hinweis auf den Vortrag von Fritz von Weizäcker entdeckt haben. Er habe sich noch in Rheinland-Pfalz ein Messer gekauft und sei dann mit der Bahn zu der Veranstaltung nach Berlin gefahren. Nach dpa-Informationen stammt er aus Andernach. 

Der mutmaßliche Täter sei nicht vorbestraft, berichtet die Staatsanwaltschaft weiter. Dem Angreifer werden Mord und versuchter Mord zur Last gelegt. Ein 33-jähriger Polizist, der privat bei dem Vortrag war und dazwischen ging, wurde schwer verletzt. Er musste in einer Klinik operiert werden und ist mittlerweile außer Lebensgefahr.  

Fritz von Weizsäcker: Keine Verbindung zum mutmaßlichen Täter bekannt

Update, 15:50 Uhr: Derzeit ist der Polizei nichts über eine Verbindung zwischen dem Angreifer und dem Internisten Fritz von Weizäcker bekannt. Der 57-jährige Täter sein nie Patient der Schlosspark-Klinik in Berlin gewesen. „Es gibt bisher keine Schnittmenge zwischen den beiden“, zitiert Spiegel Online eine Polizei-Sprecherin. 

Zu psychischen Erkrankungen des Täters habe man keine Erkenntnisse, das müssten nun Ärzte klären. Einen terroristischen Hintergrund der Tat schloss die Sprecherin demnach aus.     

Update, 14.10 Uhr: Die Berliner Polizei bestätigt Medienberichte, wonach der Tatverdächtige aus Rheinland-Pfalz kommt. Der 57-Jährige habe dort seinen festen Wohnsitz und keinen in Berlin, sagte ein Sprecher der Berliner Behörde am Mittwoch auf Anfrage. Mit einem richterlichen Beschluss und Unterstützung der Kollegen in Rheinland-Pfalz werde die Wohnung des Mannes durchsucht. Die Ermittlungen dauerten an. Den genauen Einsatzort nennt die Polizei nicht.

Unterdessen liefen die Vorbereitungen für die Vorführung des 57-Jährigen bei einem Ermittlungsrichter, sagte der Sprecher. Wann genau dies am Mittwoch passieren sollte, stehe nicht fest.

Fritz von Weizsäcker erstochen - Täter stammt aus Rheinland-Pfalz

Update, 13.20 Uhr: Ein Richter steht vor der Entscheidung, ob der Tatverdächtige in Untersuchungshaft kommt, oder in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen wird. Dies teilt die Staatsanwaltschaft mit. Wie die „Bild“ berichtet, soll der Mann aus Rheinland-Pfalz kommen, seine Wohnung sei bereits durchsucht worden. Die Polizei äußert sich aktuell nicht zu Details. 

Update, 10.40 Uhr: Nach Informationen von „Welt TV“ ist der Tatverdächtige ein deutscher Staatsangehöriger, der kein Klinikpatient gewesen sei, sondern lediglich zum Vortrag erschienen war. Damit erübrigen sich auch die Spekulationen rechter Social-Media-Nutzer, dass es sich beim Täter um einen Nicht-Deutschen gehandelt habe. 

Update, 9.25 Uhr:Wie die Polizeisprecherin am Mittwochmorgen mitteilt, geht es dem LKA-Beamten, der versuchte, den Angreifer aufzuhalten, „den Umständen entsprechend gut oder schlecht“. Er befindet sich aber nicht in Lebensgefahr.  

Fritz von Weizsäcker erstochen - Täter soll Mittwoch zum Haftrichter

Update, 8.40 Uhr: Die Polizei gibt Einzelheiten zu dem Täter bekannt. Der soll demnach 57 Jahre alt und bislang noch nicht polizeiauffällig gewesen sein. Er wird am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt.  

Update, 7.30 Uhr: Nach dem tödlichen Messerangriff auf den Arzt Fritz von Weizsäcker ermittelt die Polizei zu den Hintergründen. Bereits am Dienstagabend konnten die Beamten einen Tatverdächtigen festnehmen. Er soll noch in der Nacht verhört worden sein. Eine Mordkommission hat die Ermittlungen aufgenommen, gibt jedoch noch keine weiteren Einzelheiten bekannt. Wie eine Polizeisprecherin mitteilt, werde in alle Richtungen ermittelt.  

Fritz von Weizsäcker beim Preis für Verständigung und Toleranz 2015 im Jüdischen Museum. 

Ursprungsmeldung

Ein unauffälliges Plakat lockt zum Fachvortrag in der Schlosspark-Klinik. Um „Fettleber - (K)ein Grund zur Sorge?“ soll es gehen. Gut ein Dutzend Menschen finden an diesem kalten, nassen Novembertag zu dem Krankenhaus am Rande des Schlossgartens in Berlin-Charlottenburg. 

Beim „Forum 11/2019“ im Tagungsraum Haus H der Abteilung für Psychiatrie spricht Dozent Fritz von Weizsäcker. Der Sohn des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker ist Chefarzt an der Schlosspark-Klinik. Es geht um sein Fachgebiet, „die Fettleber, eine weitgehend unbekannte, aber zunehmende Volkskrankheit“.

Fritz von Weizsäcker während Fachvortrag erstochen

Nach ersten Ermittlungen der Polizei löst sich während des Vortrags plötzlich ein Mann aus der Reihe der Zuhörer. Der bewaffnete Unbekannte stürmt auf den Dozenten zu. Ein Polizist, der zufällig unter den Zuschauern sitzt, versucht noch, den Mann aufzuhalten. Der Beamte in seiner Freizeit wird dabei selbst schwer verletzt. Er wird später in ein anderes Krankenhaus gebracht.

Um 18.59 Uhr geht bei Feuerwehr und Polizei ein Notruf ein, Rettungssanitäter und ein Notarzt eilen zu Hilfe. Sie können dem schwer verletzten Spitzenmediziner nicht mehr helfen. Ein Wiederbelebungsversuch bleibt erfolglos. Der 59 Jahre alte Fritz von Weizsäcker ist tot.

Tödliche Attacke auf Weizsäcker-Sohn: Polizei ermittelt

Angriff auf Fritz von Weizsäcker: Polizist ebenfalls schwer verletzt

Mehrere Zuhörer aus dem Saal können den Angreifer überwältigen. So kann er kurz darauf der Polizei übergeben werden. Über den Angreifer wird zunächst nichts bekannt, auch Hinweise auf ein Motiv fehlt zu diesem Zeitpunkt.

Die Ermittlungen der Polizei laufen. Dabei soll auch die Familie von Weizsäckers befragt werden, ob es möglicherweise Hinweise auf eine Bedrohung des Internisten gab. Zudem sollte noch in der Nacht der Tatverdächtige verhört werden.

Am Tatort werden die Spuren gesichert. Gerichtsmediziner, Kriminaltechniker und Ermittler einer Mordkommission sichern am Tatort mögliche Spuren. Teile der privaten Klinik werden dafür abgesperrt.

Fritz von Weizsäcker stammte aus einer bekannten Familie

Vor dem modernen Gebäude der Klinik stehen überall blau-weiße Wagen von Polizei und Ermittlern. Die Klinikleitung will sich zunächst nicht äußern. Die meisten Fenster der Klinik bleiben an diesem Abend dunkel.

Das Opfer, der 1960 in Essen geborene Mediziner Fritz von Weizsäcker, stammte aus einer sehr bekannten Familie. Sein Vater Richard von Weizsäcker (1920-2015) war von 1984 bis 1994 Bundespräsident, zuvor 1981 bis 1984 für die CDU Regierender Bürgermeister von Berlin (West). Seine Mutter ist die frühere deutsche First Lady Marianne von Weizsäcker (87).

Seine Eltern hatten 1953 geheiratet. Richard von Weizsäcker arbeitete damals als Jurist bei Mannesmann. Bis 1962 wohnte die Familie in Essen und Düsseldorf, zog dann nach Ingelheim und 1967 nach Bonn. Fritz von Weizsäcker war das jüngste der vier Kinder. Sein Bruder Andreas starb 2008, es leben noch die Schwester Beatrice (61) und der älteste Robert Klaus (64).

Einer seiner Cousins ist der Umweltwissenschaftler und frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Ernst Ulrich von Weizsäcker (80). (FR/dpa)

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