Kriminalität

Vandalismus in Berlin: Kunstwerke auf der Museumsinsel beschädigt

Über 60 Kunstobjekte sind auf der Berliner Museumsinsel mit einer Flüssigkeit besprüht worden. Die Sachbeschädigung liegt schon einige Tage zurück.

  • Vandalismus auf der Museumsinsel in Berlin.
  • Mehrere Kunstwerke sind beschädigt.
  • Die Polizei ermittelt in alle Richtungen.

Berlin - Kostbarer Schmuck, uralte Papyrus-Sammlungen und große Skulpturen. Die Berliner Museumsinsel hat einiges zu bieten. Mehrere Millionen Menschen besuchen jedes Jahr die Ausstellungen und staunen über die zahlreichen Kunstwerke. Am heutigen Mittwoch, 21. Oktober, sorgt die Museumsinsel allerdings für negative Schlagzeilen. Wie erst jetzt bekannt wurde, wurden bereits am 3. Oktober 63 Kunstobjekte in verschiedenen Einrichtungen mit einer Flüssigkeit besprüht und dadurch beschädigt. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur.

Museumsinsel in Berlin: Sarkophag von Nehi beschädigt

Es handelt sich um den wohl bisher umfangreichsten Schaden für die Häuser der Berliner Museumsinsel. Wie hoch der Gesamtschaden aber letztlich ausfallen wird, könne erst nach dem Ende der Restaurationsarbeiten benannt werden, sagte Christina Haak, stellvertretende Generaldirektorin Museen. Von den Attacken auf die Kunstwerke betroffen sind das Neue Museum, das Pergamonmuseum und die Alte Nationalgalerie. Unter anderem wurde der Sarkophag von Nehi und der Sarkophag des Propheten Ahmose beschädigt.

Die Alte Nationalgalerie auf der Berliner Museumsinsel.

Zu der Flüssigkeit, die auf den Ausstellungsstücken landete und sie beschädigte, soll es aus ermittlungstaktischen Gründen keine näheren Angaben geben. Die Flüssigkeit war demnach farblos, nicht ätzend und ölig. Wie sie aufgebracht wurde, ist auch noch unklar. Auf den beschädigten Objekten waren kleine Flecken zu erkennen.

Berliner Polizei sucht Zeugen und ermittelt in alle Richtungen

Die Polizei in Berlin sucht nach Zeugen. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, so Kriminaldirektor Carsten Pfohl mit Blick auf Berichte, die einen Zusammenhang zu einem bekannten Verschwörungstheoretiker herstellen. Die Museumsinsel war im Sommer ein Schauplatz von Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen. Nach Auswertung der Videokameras gibt es keine Hinweise auf Täter. Das bisher befragte Personal der Museen in Berlin hat demnach keine Beobachtungen machen können. Unklar ist auch, ob es sich um mehrere Beteiligte handelt.

Ob der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober absichtlich als Tatzeit ausgewählt wurde, ist bisher nicht geklärt. Laut Vize-Generaldirektorin Haak gab es im vergangenen Sommer Fälle von Vandalismus im Kolonnadenhof des Neuen Museums. Drohungen hätten die Berliner Museen nicht erhalten. Gemälde wurden nicht beschädigt, allerdings Rahmen in der Alten Nationalgalerie.

Kulturstaatsministerin Grütters verurteilt die Sachbeschädigung auf der Berliner Museumsinsel

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) verurteilte die absichtliche Beschädigung der Kunstobjekte aufs Schärfste. Neben der reinen Sachbeschädigung zeige sich bei solchen Angriffen immer auch eine tiefe Verachtung gegenüber Kunstwerken und kulturellen Leistungen insgesamt. Grütters betonte, die Staatlichen Museen in Berlin müssten sich erneut Fragen nach ihren Sicherheitsvorkehrungen stellen lassen. „Ich habe daher den Präsidenten umgehend gebeten, dem Stiftungsrat dazu einen umfassenden Bericht vorzulegen. Es ist zu klären, wie diese vielen Beschädigungen unbemerkt vonstatten gehen konnten und wie solche Angriffe in Zukunft verhindert werden sollen“, so die Kulturstaatsministerin.

Auf der Berliner Museumsinsel wurden zahlreiche Kunstwerke mit einer Flüssigkeit besprüht.

Der zuständiger Referatsleiter für die Sicherheit der Museen, Hans-Jürgen Harras, sagte, die Sicherheitsmaßnahmen und Kontrollgänge seien verschärft worden. Vize-Generaldirektorin Haak betonte: „Wir haben logischerweise ein Sicherheitskonzept.“ Dieses werde immer entlang von Gefahrenlagen weiterentwickelt. „Hundertprozentige Sicherheit für die Objekte heißt, dass wir sie der Öffentlichkeit entziehen.“

Bekannt wurde der Fall durch Berichte der „Zeit“ und des Deutschlandfunks. Grütters wurde nach eigenen Angaben am 6. Oktober vom Stiftungspräsidenten Hermann Parzinger über die Vorfälle informiert. Aus ermittlungstaktischen Gründen und in Abstimmung mit der Polizei habe die Stiftung jedoch zunächst von einer Information der Öffentlichkeit abgesehen.

Museumsinsel in Berlin: Goldmünze im Wert von 3,75 Millionen Euro gestohlen

Die Beschädigung der Kunstwerke ist nicht der erste Kriminalfall auf der Museumsinsel in Berlin. Am 27. März 2017 wurde die Goldmünze „Big Maple Leaf“ aus einer Vitrine entwendet und mit Schubkarre und Rollbrett abtransportiert. Die Diebe waren durch ein Fenster eingestiegen. Das Objekt mit einem Wert von 3,75 Millionen Euro ist bis heute nicht wieder aufgetaucht. (Tobias Ketter)

Rubriklistenbild: © Christoph Soeder

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare