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In Berlin hat es bereits mehrere illegale Autorennen gegeben, bei denen unbeteiligte tödlich verletzt wurden.

Urteil in Berlin

Lebenslange Haftstrafe für  Todesraser wegen Mordes

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Ein Raser hat in Berlin mit seinem Auto eine Fußgängerin erfasst und getötet. Für die Richter war das Mord. 

Das Berliner Landgericht hat einen Autoraser zu lebenslanger Haft verurteilt - wegen Mordes an einer Studentin. Der heute 28-Jährige habe bei seiner Flucht vor der Polizei den Tod der unbeteiligten jungen Frau billigend in Kauf genommen, urteilten die Richter. Der Angeklagte sei nach einem Diebstahl geflüchtet, um nicht erkannt zu werden.

Am Abend des 6. Juni 2018 hatte die Studentin ihr Fahrrad geschoben und wollte an einer Fußgängerampel bei Grün eine Straße in der Berliner City-West überqueren. Der Angeklagte raste zu diesem Zeitpunkt mit mehr als 80 Kilometern pro Stunde durch die Tempo-30-Zone. Er überfuhr eine rote Ampel, stieß mit zwei Autos zusammen und erfasste mit seinem Wagen die junge Frau.  Sie wurde durch die Luft geschleudert und starb noch am Unfallort.  

Auch der Beifahrer kommt ums Leben 

Der Angeklagte habe bei diesem hohen Tempo nicht darauf vertrauen können, dass nichts passiere, stellte der Richter fest. Der Fahrer habe einen „unbändigen Willen“ gezeigt, zu entkommen. Der 18-jährige Beifahrer des Angeklagten starb wenig später ebenfalls an den Unfallfolgen. Zudem wurden ein Polizist und zwei Autofahrerinnen bei der wilden Flucht verletzt. 

Der aus Serbien stammende Angeklagte sowie zwei Bekannte hatten zuvor Werkzeugkoffer aus einem Kleintransporter gestohlen. Zivilfahrzeuge der Polizei verfolgten die Diebe ohne Blaulicht und Sondersignal. Kurz vor dem Unfall hatte der 28-Jährige bereits eine Polizeiblockade durchbrochen und Gas gegeben. Der Angeklagte hatte im Prozess das Geschehen bedauert.

Das Gericht entsprach mit dem Urteil der Forderung der Familie des Opfers - Begründung: Heimtücke, Verdeckungsabsicht und gemeingefährliche Mittel, hinzu kamen der Mord an dem Beifahrer, versuchter Mord in drei Fällen sowie ein verbotenes Autorennen. Die Verteidigung kündigte Revision an. 

„Unser Leben hat sich komplett verändert“ 

Trotz des Urteils sehen die Hinterbliebenen keine Gerechtigkeit. „Mit dem Tod von Hanni hat sich unser Leben komplett verändert“, hatte die Mutter schon zuvor gesagt. Es sei ein Alptraum, der nicht ende. „Wir haben lebenslang Hanni nicht - bis an unser Lebensende.“ Gysi als Anwalt der Familie sagte im Prozess über die getötete 22-Jährige: „Sie hat sich für alle Benachteiligten egal welcher Nationalität eingesetzt.“ Die junge Frau studierte Soziale Arbeit, betreute Flüchtlinge und setzte sich für Waisenkinder in Afrika ein.

Erst im März hatte das Landgericht in der Hauptstadt zwei Raser wegen Mordes erneut zu lebenslanger Haft verurteilt. Das erste Urteil hatte der Bundesgerichtshof zuvor aufgehoben. Die Männer hatten bei einem illegalen Rennen auf dem Ku'damm den Jeep eines unbeteiligten Rentners gerammt. Der 69-jährige Arzt im Ruhestand starb. (mit dpa) 

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