Eine Schulklasse sitzt im Unterricht. (Symbolbild)
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Eine Berliner Lehrerin hat schlechte Schüler mit Buhrufen der Klasse bestraft. Das sorgte für heftige Kritik.

Kreuzberger Schule

Fragwürdige Methode: Lehrerin lässt schlechte Schüler ausbuhen

  • Zülal Acar
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Eine frisch gebackene Lehrerin wendet ein ungewöhnliches Feedback-Konzept an: Schlechte Schüler werden ausgebuht, wohingegen gute Schüler Applaus ernten. Das stößt auf heftige Kritik.

Berlin - Erst bekamen sie die schwarze Krone aufgesetzt, dann folgten die Buhrufe: Drittklässler einer Berliner Grundschule mussten das in den vergangenen Wochen über sich ergehen lassen. Ihre Lehrerin (*FR berichtete) rief erst nacheinander die besten Schüler auf, setzte ihnen zur Belohnung eine Krone auf und ließ die Klasse für sie applaudieren.

Anschließend bat sie die schlechtesten Schüler nach vorne - die bekamen aber eine schwarze Krone aufgesetzt und wurden von der Klasse ausgebuht. Während derzeit viele Schulen, wie etwa in Darmstadt, mit dem Coronavirus zu kämpfen haben*, machte diese Kreuzberger Schule mit einem Eklat auf sich aufmerksam.

„Fragwürdige Pädagogik“: Schüler kamen selbst auf das Kronen-Konzept

Nach Angaben vom Tagesspiegel war unter den ausgebuhten Schülern auch ein jüdisches Kind. Die verärgerten Eltern der Grundschüler hätten sich an die Schulleitung gewandt. Laut Martin Klesmann, Sprechers der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, handele es sich hierbei um einen „einmaligen Vorfall“. Doch die Behörde betitelt ihn als „fragwürdige Pädagogik“. Die Lehrerin der Kreuzberger Adolf-Glaßbrenner-Grundschule sei wohl Berufseinsteigerin, hieß es weiter.

Zudem seien die Schüler selbst auf das Kronen-Konzept gekommen, denn in der Klasse gebe es noch keine klassische Notenvergabe. Das sei durch das Berliner Schulgesetz möglich: In der dritten und vierten Klasse sind Noten optional und hängen von den Eltern ab, die darüber abstimmen. Auch an einer Frankfurter Schule können Schüler mitbestimmen.*

Berliner Grundschule: Vorfall soll an einem Elternabend nochmal besprochen werden

Der Vorfall hätte kein weiteres Vorgehen erfordert, da die Schulleitung unmittelbar eingegriffen habe. „Das entspricht dem Berliner Konzept der eigenverantwortlichen Schulen“, so Klesmann. Außerdem sei der Vorfall nicht antisemitisch einzustufen, da nicht nur das jüdische Kind eine schwarze Krone aufgesetzt bekommen habe, hieß es weiter. Laut Tagesspiegel soll der Fall an einem Elternabend nochmal genauer besprochen werden. Die Schulleitung erwarte allerdings keine Konflikte. *FR ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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