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Berliner Aquadom: Attraktion in Scherben

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Von: Anna Laura Müller

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In einem Berliner Hotel platzt ein riesiges Aquarium, Tausende Fische sterben. Auch zwei Menschen werden verletzt – doch eine Katastrophe bleibt aus.

Berlin – Freitagfrüh platzt in einem Berliner Hotel ein riesiges Aquarium. Tausende Fische verenden, der Schaden ist enorm. Wäre das ein paar Stunden später passiert – es hätte in einer Katastrophe enden können.

Ein lauter Knall und ein Rumpeln schallte in den frühen Morgenstunden durch die Hotelräume in Berlin-Mitte. So beschrieben es viele Gäste, die in dem Hotel übernachteten, in dessen Lobby am frühen Freitagmorgen ein Großaquarium zerborsten war. Während zunächst nur von austretendem Wasser aus dem Aquarium berichtet wurde, machten Bilder und Videos auf Sozialen Netzwerken schnell die Wucht der Wassermassen deutlich: Dort, wo zuvor etwa 1500 tropische Salzwasserfische in einer 16 Meter hohen Wassersäule schwammen, steht nach dem Vorfall nur noch das Metall-Gerüst. Vermutlich fast alle Fische, die kurz zuvor noch in dem riesigen Acryl-Zylinder geschwommen waren, verendeten.

Wenige Stunden nach dem Bersten des Aquariums: Trümmer vor dem Eingang des Radisson Hotels. Soeren Stache/dpa
Wenige Stunden nach dem Bersten des Aquariums: Trümmer vor dem Eingang des Radisson Hotels. © Soeren Stache/dpa

Aquadom in Berlin war zuvor eine Attraktion für Touristen

Der Aquadom war eine touristische Attraktion und Teil des „Cityquartiers DomAquarée Berlin“, nahe des Alexanderplatzes. Viele Zimmerfenster des umgebenden Hotels hatten Sicht auf das laut Betreiber „größte freistehende zylindrische Aquarium der Welt“. Besucher:innen konnten mit einem Glasaufzug durch die Mitte der Wassersäule fahren. Jetzt ist sowohl das Atrium, in dem das Aquarium stand, als auch das umliegende Gebäude stark beschädigt. Das Wasser floss bis auf die Karl-Liebknecht-Straße vor dem Gebäude und riss dabei Teile der Einrichtung, Scheiben und Türen mit sich. Zwei Menschen wurden nach Polizeiangaben verletzt und ins Krankenhaus gebracht.

Nachdem bei der Feuerwehr am Freitagmorgen um 5.43 Uhr der Alarm eines automatischen Feuermelders des Hotels einging, waren Polizei und Feuerwehr mit je etwa 100 Personen im Einsatz. Das Erdgeschoss des Gebäudes wurde mit Rettungshunden abgesucht. Dabei wurden keine verschütteten Personen entdeckt. Die knapp 300 Personen, die sich noch im Hotel befanden, mussten dieses verlassen.

Ursache noch unklar – wohl keine Straftat für zerstörtes Aquarium in Berlin verantwortlich

Die Ursache für das Platzen des Aquariums war laut Feuerwehr, Polizei und Eigentümerfirma noch unklar. Nach Angaben der Polizei gebe es zunächst keine Hinweise auf eine Straftat. Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) zufolge deutete vieles auf eine Materialermüdung hin, wie sie am Freitag der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

Laut der Eigentümerfirma des Aquadoms habe es 2019 und 2020 eine Generalüberholung der 2003 eröffneten Wassersäule gegeben. Nach Fertigstellung der Bauarbeiten und einer Coronapause wurde das Großaquarium erst 2022 wieder eröffnet. Man sei bestürzt über das Unglück, so ein Sprecher der Eigentümerfirma Union Investment. Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) sprach von „Glück im Unglück“, denn: „Wenn das Ganze nur eine Stunde später passiert wäre, dann müssten wir über furchtbare menschliche Schäden berichten“.

Eine Million Liter Wasser fasste der Aquadom. dpa
Eine Million Liter Wasser fasste der Aquadom. © dpa

Unterschiedliche Angaben zu überlebenden Fischen im Aquadom in Berlin

Während ein Sprecher der Feuerwehr im Laufe des Tages mitteilte, dass ein paar wenige Fische noch lebend im unteren Bereich des zerborstenen Großaquariums gefunden worden seien, sprach das Bezirksamt Berlin-Mitte, davon, dass keine der 1500 Fische aus dem Aquadom überlebt hätten. Es befanden sich aber noch etwa 400 bis 500 kleinere Fische in mehreren Aquarien im Keller unter der Lobby.

Markus Kamrad, Staatssekretär für Verbraucherschutz im Berliner Senat, der vor Ort war, berichtete auf Twitter davon, dass etwa „hunderte lebende seltene Fische aus Aquarien im Keller, wie der Schneckenbuntbarsch oder eine geschützte Tilapia-Art“ gerettet werden konnten. Der Berliner Zoo und das benachbarte „Sea Life“ hätten sich bereit erklärt, diese aufzunehmen.

In sozialen Netzwerken diskutierten Nutzer:innen unterdessen über den Sinn und Zweck eines derart riesigen Aquariums. Und auch die Tierschutzorganisation Peta Deutschland äußerte sich kritisch: „Diese menschengemachte Tragödie zeigt, dass Aquarien kein sicherer Ort für Fische und andere Meerestiere sind“, sagte Peter Höffken von Peta. Er forderte, den Aquadom nicht wieder aufzubauen: „Die Zeiten, in denen Fische aus ihrer natürlichen Umgebung entrissen werden, um sie zur Belustigung von Hotelgästen in einen Tank einzusperren, müssen ein für alle Mal enden.“ (Anna Laura Müller)

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