Konflikt am Kaukasus

Bergkarabach: Drohnen-Wettrüsten im Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan

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Der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan in Bergkarabach wird auch mit Drohnen geführt. Die Waffen erweisen sich als besonders effizient.

  • Im Krieg um Bergkarabach setzt vor allem Aserbaidschan bei Angriffen auf Armenien auf Drohnen.
  • Die unbemannten Fluggeräte sind günstig, aber deshalb nicht weniger tödlich.
  • Die Zivilbevölkerung leidet besonders unter dem Einsatz dieser Kriegswaffen.

Stepanakert – Sie können bis zu 30 Stunden in der Luft bleiben, fliegen rund neun Kilometer hoch und kosten verhältnismäßig wenig: Drohnen verändern die Kriegsführung. Das zeigt auch der aktuelle Konflikt um Bergkarabach zwischen Aserbaidschan und Armenien.

Drohnen für den Krieg um Bergkarabach sind günstig und einfach zu bedienen

Eine türkische Drohne vom Typ Bayraktar TB2, wie sie im Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan zum Einsatz kommen soll, kostet nach Schätzungen rund 5,2 Millionen Euro. Sie eignet sich zur Aufklärung und kann Waffen mit einer Reichweite von bis zu 14 Kilometern tragen. Zum Vergleich: Ein aktueller US-Kampfjet kostet je nach Typ zwischen 25 und 50 Millionen Euro. Hinzu kommen Pilotenausbildung, Ersatzteile und sonstige Infrastruktur.

Drohnen sind dagegen äußerst attraktiv für den Einsatz auch kleinerer und finanziell weniger gut ausgestatteter Länder. Das Training der Piloten ist dabei ebenfalls weniger aufwändig, auch günstige Drohnen übernehmen die kritische Phase jedes Fluges, Start und Landung, autonom. Das Steuern der Kameras und Abfeuern von Waffen erfolgt per Joystick aus der Ferne, das Töten ist letztlich kaum schwieriger als ein Computerspiel.

Auf der Suche nach Schutz.

Folgenreicher Drohneneinsatz im Krieg von Aserbaidschan und Armenien

Wie folgenreich diese Einsätze ablaufen, zeigt der Konflikt um Bergkarabach ebenfalls. Laut einer Auswertung des Magazins „Forbes“ wurden seit Beginn des Krieges am 27. September bereits 200 Panzer und gepanzerte Fahrzeuge sowie rund 300 ungepanzerte Fahrzeuge, Radarsysteme und Raketen-Startsysteme zerstört. Oftmals wissen die Soldaten nicht, was sie getroffen hat und wo es herkam. Und wenn doch, haben sie keine Chance, sich zu wehren. „Wir sehen sie auf unserem Radar, aber die (türkischen Drohnen) fliegen zu hoch für uns, um sie abzuschießen“, sagt der Militräanalyst Vladimir Vartanyan zum Onlineportal „Daily Beast“.

Für das aserbaidschanische Militär erweist sich der Einsatz der Drohnen derweil nicht nur als militärischer Erfolg. Da die Drohnen mit Kameras ausgestattet sind, sind sie auch ein Mittel im Krieg der Bilder. Mit orchstraler Musik unterlegt, präsentiert das Militär auf YouTube Bilder von den Einsätzen und der Zerstörung armenischen Geräts.

„Selbstmord-Dronen“ sind kaum zu entdecken

Eine andere Waffe, die im Krieg zwischen Aserbaidschan und Armenien zum Einsatz kommen soll, sind sogenannte „Loitering Weapons“, zu Deutsch etwa „herumtreibende Waffen“, auch „Selbstmord-Drohnen“ genannt. Diese Waffen können über einem Zielgebiet in der Luft bleiben, bis gegnerische Soldaten oder Fahrzeuge eintreffen. Ein Beispiel sind israelische Drohnen vom Typ Harop, wie sie auch die Bundeswehr beschafft.

Am Kaukasus sollen Drohnen vom Typ Orbiter im Einsatz sein. Diese Drohnen werden in Aserbaidschan in Zusammenarbeit mit einem israelischen Unternehmen vor Ort gefertigt. Sie können je nach Typ rund sieben Stunden in der Luft verweilen und haben ein Startgewicht von lediglich 30 Kilogramm. Der gesamte Vertrag zwischen Aserbaidschan und dem israelischen Hersteller der Drohnen hatte einen Wert von rund 8,5 Millionen Euro. Die Orbiter sollen durch die geringe Größe und niedrigen Geräuschpegel kaum zu entdecken sein.

Zivilbevölkerung in Bergkarabach leidet besonders unter Drohnen

Doch nicht nur auf dem Schlachtfeld, auch für die Zivilbevölkerung bedeuten die Drohnen eine besondere Bedrohung. Während Kampfjets und Bomber oder Artilleriestellungen meist früh genug entdeckt werden, um einen Alarm auszulösen, passiert das bei Drohnen nicht. Die Zerstörung von Stepanakert, der Hauptstadt der international nicht anerkannten Republik Arzach, soll zu erheblichen Teilen auch auf „Kamikaze-Drohnen“ zurückzuführen sein.

Dronen-Wettrüsten zwischen Armenien und Aserbaidschan

In dem Krieg um Bergkarabach zeigt sich damit auch, wie neueste Technik – unterstützt von Großmächten – für kleine Staaten zur günstigen Alternative in der Kriegsführung wird und welche Folgen diese neuste Technik hat. Armenien kann den Drohnen aus der Türkei und israelisch-aserbaidschanischer Produktion wenig entgegenhalten. „Meiner Ansicht nach müssen wir russische Systeme kaufen, dort hat man Erfahrung mit dem Abschuss von Drohnen aus Syrien“, so Vartanyan gegenüber „Daily Beast“. Sie sollen es der aserbaidschanischen Armee ermöglichen, den Drohnen entgegenzutreten. Erneut wird deutlich, dass der Konflikt auch ein Stellvertreterkrieg zwischen der Türkei und Russland ist. Ob das angestrebte Kräftegleichgewicht den Krieg verkürzt oder eventuell sogar verschärft, bleibt offen. (Marcel Richters)

Rubriklistenbild: © afp/ARIS MESSINIS

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