Bergisch Gladbach

Anklage gegen Hauptverdächtigen im Missbrauchskomplex

Im Sommer könnte der Prozess gegen den Hauptverdächtigen im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach beginnen. Die Ermittlungen gegen ihn hatten den Fall ins Rollen gebracht.

Im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach ist Anklage gegen den 43 Jahre alten Hauptverdächtigen erhoben worden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Deutschen unter anderem vor, seine 2017 geborene Tochter immer wieder sexuell missbraucht zu haben. Den überwiegenden Teil habe er fotografiert und gefilmt und diese Aufnahmen an Chatpartner weitergeleitet.

Insgesamt werden dem Koch und Hotelfachmann 79 Straftaten zur Last gelegt, wie das Landgericht Köln am Mittwoch mitteilte. Der Prozess gegen den Mann könnte demnach im Sommer beginnen, sofern das Hauptverfahren eröffnet wird. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu 15 Jahre Freiheitsstrafe. Zudem steht die Anordnung einer Sicherungsverwahrung im Raum.

Den Angaben zufolge hat sich der Mann bisher nicht zu den Vorwürfen eingelassen. Allerdings soll er bei der Identifizierung seiner Chatpartner geholfen haben. Einen Teil der Taten soll er gemeinsam mit einem Chatpartner aus Kamp-Lintfort begangen haben. Dabei sollen der Sohn und die Tochter des Chatpartners sowie die Tochter des Angeklagten missbraucht worden sein. Zudem sollen sie sich zu einem schweren sexuellen Übergriff auf die drei Jahre alte Nichte des Chatpartners verabredet haben. Der Mann aus Kamp-Lintfort muss sich von Dienstag an in Moers verantworten.

Bei dem Angeklagten aus Bergisch Gladbach hatte es im Oktober 2019 die erste Durchsuchung gegeben, die den Fall ins Rollen brachte. Ermittler fanden riesige Mengen kinderpornografischen Materials, mit dessen Auswertung Dutzende Spezialisten der Kölner Polizei bis heute beschäftigt sind. Davon ausgehend kamen sie nach und nach immer mehr Verdächtigen auf die Spur. Diese sollen – größtenteils ihre eigenen - Kinder missbraucht und sich darüber ausgetauscht haben. Allein in NRW wird gegen mehr als 20 Personen ermittelt. Die Ermittlungen erstrecken sich aber mittlerweile über alle Länder der Bundesrepublik. 31 Opfer wurden bislang identifiziert. Die Zahlen können nach Angaben der Ermittler aber noch größer werden, denn es sind noch längst nicht alle Daten ausgewertet.

In der vergangenen Woche hatte der landesweit erste Prozess zu dem Komplex Bergisch Gladbach in Mönchengladbach begonnen. Zwei 39 Jahre alte Männer sind dort unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in 79 Fällen angeklagt. Zwischen 2015 und 2019 sollen die beiden Deutschen aus Krefeld und Viersen am Niederrhein immer wieder zwei Mädchen vergewaltigt haben – der eine seine Tochter, der andere seine Nichte. Der jahrelange Missbrauch habe zum Alltag der zur Tatzeit sechs bis elf Jahre alten Mädchen gehört. (dpa)

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