Weniger Ölsardinen wünschen sich die Einheimischen.
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Weniger Ölsardinen wünschen sich die Einheimischen.

Mallorca

Benimmregeln für Mallorca-Touristen

  • Martin Dahms
    vonMartin Dahms
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Mallorca und seine Unlust auf grölende Touristen: Die mallorquinische Regierung schickt mehr Polizisten an den Strand. Erste Schlagerstars kündigen ihren Abschied an.

Giovanni di Lorenzo staunte. Da sagte Jürgen Drews doch neulich im Gespräch bei „3 nach neun“: „Ich habe den Ballermann nie gemocht.“ Kaum zu glauben. Was ihn dort störe, fragte der Chefredakteur der „Zeit“. „Das Gegröle und Gesaufe“, antwortete der Schlagerstar.

So schön und knapp hat vielleicht noch niemand Glanz und Elend der Playa de Palma auf den Punkt gebracht. Glanz: weil ja gerade deswegen so viele Deutsche gerne ihren Urlaub am Ballermann-Strand verbringen; weil sie hier unter ihresgleichen grölen und saufen dürfen bis zum Umfallen. Elend: weil sie die Mallorquiner nerven. Auf der Netzplattform change.org unterzeichneten diesen Sommer 15 000 Leute einen Aufruf an die Behörden: „Wir Anwohner können nicht weiter mit dieser Art von Tourismus des Alles-ist-erlaubt zusammenleben.“

Einer, der sie hörte, war Palmas Bürgermeister Antoni Noguera. „Der Dreck, den sie hierher schicken, ist nicht angenehm“, sagte er Anfang Juli zur Lokalzeitung „Diario de Mallorca“. „Er ist ein kleiner Teil des Tourismus, aber wir bitten die Entsendeländer um ein wenig Mitverantwortung.“

Überwachungskameras an der Playa de Palma

Kurz darauf traf er sich dann auch zum Gespräch mit der deutschen Konsulin auf Mallorca und erklärte hinterher, es gehe um eine „Minderheit, die die Nachbarn stört und ein sehr negatives und stereotypes Bild von den Deutschen schafft“. Man wolle nun mit „Benimmkampagnen“ alle Touristen daran erinnern, dass sie auf Mallorca zu Gast sind und sich bitte entsprechend zu verhalten haben. Solche Kampagnen hat es diesen Sommer dann doch nicht gegeben, berichtet ein Sprecher des Rathauses von Palma, stattdessen sei man in ständigem Kontakt mit den Reiseveranstaltern, damit diese ihren Kunden ein paar wesentliche Benimmregeln mit auf den Weg geben. Hinter den Worten des Sprechers spürt man das Bestreben, Mallorca nicht als touristenfeindliche Insel darstellen zu wollen. Es seien ja schließlich „Einzelfälle“, die Schlagzeilen machten, und es sei dieses Jahr auch nicht schlimmer gewesen als in anderen Jahren.

In Wirklichkeit wissen aber alle, dass es doch ein Problem gibt. Deswegen sind an der Playa de Palma Überwachungskameras installiert, deswegen werden im Sommer mehr Polizisten an den Strand geschickt, deswegen ist dort seit einiger Zeit der Alkoholkonsum auf der Straße verboten. Dass es immer noch Exzesse gibt, liegt nach Ansicht des mallorquinischen Einzelhändlerverbandes Pimeco an Reiseveranstaltern, deren Alles-inklusive-Urlaubspakete schließlich auch den unbegrenzten Konsum alkoholischer Getränke enthalten.

Die Balearenregierung hat sich vorgenommen, in einer künftigen Reform des regionalen Tourismusgesetzes solche Angebote mindestens zu beschränken, wahrscheinlich sogar zu verbieten. Vielen Hoteliers kommt das entgegen: Sie haben in den vergangenen Jahren in ihre Häuser investiert, um ein zahlungskräftigeres – und hoffentlich zivilisierteres – Publikum anzuziehen. Langfristig ist das wahrscheinlich die erfolgversprechendste Strategie, um rund um den Ballermann etwas mehr Ruhe einkehren zu lassen.

Es gibt erste Anzeichen, dass die Politik der Lokal- und Regionalregierung Erfolg haben könnte. Ikke Hüftgold, Star des „Bierkönigs“ am Ballermann, kündigte seinen Weggang aus Mallorca an. Er wolle künftig in Bulgarien auftreten. „Am Goldstrand sind die Gesetze liberaler. In den nächsten zehn Jahren wird es da so abgehen wie früher an der Playa. Für mich gibt es keinen Weg zurück auf die Insel“, schrieb er auf Facebook. Die Mallorquiner werden es gerne hören.

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