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Bekommt man mit diesem Anzug eine Anzeige?

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Wer braucht da noch Litfasssäulen? Ein Model im Anzeigen-Anzug von Moschino bei den Mailänder Schauen.
Wer braucht da noch Litfasssäulen? Ein Model im Anzeigen-Anzug von Moschino bei den Mailänder Schauen. © AFP

Männer beklagen sich gerne über den immergleichen langweiligen dunklen Anzug. Dafür gibt es jetzt eine kunterbunte Alternative: Ein Ensemble von Moschino, das über und über mit demselben Waschmittel-Etikett bedruckt ist.

Von Carmen Böker

Dass Männer beim Blick nach unten, und zwar an ihrem eigenen Körper entlang, gern etwas zu lachen haben – das ist ein Faszinosum. Anders jedenfalls ist der nicht totzukriegende Einsatz lustiger Binder wohl kaum zu erklären, also von Krawatten mit mümmelnden Häschen, schlauen Füchsen, anderen possierlichen Waldbewohnern sowie Comicfiguren. Diese Fauna finden Frauen auch auf den Boxershorts des Mannes vor – aber dann ist auch wirklich Schluss mit lustig.

Andere Bekleidungsstücke werden mit heiligem Ernst und der Verwegenheit eines Versicherungsvertretens ausgewählt, die bevorzugte Farbpalette entspricht dabei deckungsgleich der jener Pullover-Hemd-Kombis, die Mehmet Scholl bei der EM-Berichterstattung dem Fernsehpublikum vorführte: Schwarz zu Oliv, Oliv zu Schlamm, Schlamm zu Schwarz. Bisschen Graubraun noch?

Logos von Biermarken für den Feierabend

Umso schöner, dass bei der Männermodewoche in Mailand auf den – latent ja vorhandenen – Wagemut des Mannes vertraut wurde. Zu bestaunen waren in dieser Woche zum Beispiel rosengeblümte, seidene Bundfaltenhosen, getupfte Bermudas in Pink, satt dottergelbe Sakkos (Frauen kann man mit der Farbe, die niemandem steht, schließlich nicht alleinlassen!), kurze Schulbuben-Anzüge à la AC/DC, kittelähnliche Hemdgewänder bis zum Knie und sagenhaft hässliche Sandaletten, die zeigten, dass mit der Adilette die Talsohle der Schuhmode noch längst nicht durchschritten war.

Männer klagen in ihrer unendlichen Koketterie ja gern einmal darüber, wie langweilig es doch im immergleichen dunklen Anzug sei. Bitteschön, auch dafür gibt es jetzt eine kunterbunte Alternative, bei Moschino, ebenfalls gesehen in Mailand. Das saubere Ensemble ist über und über mit demselben – umgearbeiteten – Waschmittel-Etikett bedruckt.

In diesem Aufzug wäre der Gatte im Supermarkt vor dem entsprechenden Regal zwar schwer zu sehen, aber die Möglichkeiten, die sich ergeben, sind nicht zu verachten. Man könnte ja auch andere Logos verwenden, die von Bäckereiketten für den Weg ins Büro, mittags Pizzaverpackungen und Biermarken dann für den Feierabend?

Auf diese Weise wird der Anzug geradezu vernünftig: Er dient der Refinanzierung seiner selbst. Im weiteren Sinne wird er von den meisten jedoch vermutlich sofort abgeschrieben.

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