Libanon

Explosion in Beirut: Verbindung zwischen Hisbollah und Frachter „Rhosus“

  • Marvin Ziegele
    vonMarvin Ziegele
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    Tim Vincent Dicke
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Nach der Explosion in Beirut führt einem Medienbericht zufolge eine Spur von dem detonierten Ammoniumnitrat über einen Reeder zur schiitischen Hisbollah. 

  • Eine massive Explosion hat die libanesische Hauptstadt Beirut erschüttert
  • Zehntausende Kinder dürften durch die Explosion obdachlos geworden sein
  • Spur des Ammoniumnitrats könnte zur Hisbollah führen

Update vom Freitag, 21.08.2020, 17:08 Uhr: Nach der veheerenden Explosion in der libanesischen Hauptstadt Beirut, bei der mehr als 180 Menschen ums Leben gekommen waren, führt die Spur möglicherweise zur schiitischen Miliz Hisbollah. Da die Hisbollah politischen Einfluss im Libanon hat und den Hafen Beiruts und ihr wird vorgeworfen, den Hafen in Beirut zu kontrollieren. Unmittelbar nach der durch Ammoniumnitrat verursachten Explosion wurde die Hisbollah als möglicher Drahtzieher ins Gespräch gebracht, wies jedoch jegliche Vorwürfe zurück.

Doch jetzt berichtet das Magazin „Der Spiegel“ von Verbindungen des Schiffs, mit dem das Ammoniumnitrat nach Beirut kam, zur Hisbollah. Demnach habe der Frachter „Rhosus“ einem Unternehmer aus Zypern gehört und nicht wie angenommen einem russischen Geschäftsmann. Aus Gerichtsprotokollen gehe hervor, dass der Unternehmer aus Zypern einen Millionenkredit bei der tansanischen FBME-Bank aufgenommen hatte. Dem Bericht zufolge warfen US-Ermittler der FBME vor, für die libanesische Hisbollah als Geldwäscherin fungiert zu haben.

Weiter schreibt der „Spiegel“, nach Angaben eines Ermittlers sei die tansanische Bank berüchtigt dafür gewesen, säumige Schuldner zu Gefälligkeiten gegenüber Kunden wie der Hisbollah zu drängen. Der russische Geschäftsmann Igor Gretschuschkin, der bisher als Besitzer des Frachtschiffes galt, hatte die „Rhosus“ demnach nur geleast. Nach Darstellung von Gretschuschkin untersagten die Behörden des Landes im November 2013 die Weiterfahrt und beschlagnahmten die Ladung. 

Beirut: Polizist kommt bei Zusammenstößen ums Leben

+++21.53 Uhr: Bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten ist in der libanesischen Hauptstadt Beirut ein Polizist ums Leben gekommen. Er habe Menschen helfen wollen, die in einem Hotel im Zentrum Beiruts festgesessen hätten, meldete die staatliche Agentur NNA am Samstag unter Berufung auf die Sicherheitskräfte. Dabei hätten ihn „randalierende Mörder“ angegriffen. 

Libanon: Regierungschef Hassan Diab kündigt vorgezogene Neuwahlen an

Update von Samstag, 08.08.2020, 19.19 Uhr: Angesichts der regierungskritischen Proteste nach der Explosionskatastrophe von Beirut hat der libanesische Regierungschef Hassan Diab vorgezogene Neuwahlen angekündigt. Nur so könne die Krise in dem Land überwunden werden, sagte Diab am Samstagabend in einer Fernsehansprache. Er werde seinem Kabinett daher am Montag Neuwahlen vorschlagen.

Zuvor hatten wütende Demonstranten das Außenministerium in Beirut gestürmt und zum „Hauptquartier der Revolution“ ausgerufen. Tausende Menschen marschierten durch die libanesische Hauptstadt, Demonstranten lieferten sich Zusammenstöße mit Sicherheitskräften.

Viele Libanesen, die der politischen Elite schon seit langem Korruption und Unfähigkeit vorwerfen, machen die Regierung für die verheerenden Explosionen am Dienstag (04.08.2020) mit mehr als 150 Todesopfern verantwortlich.

Präsident vermutet Explosion durch „Fahrlässigkeit oder Eingreifen von außen“ – Hisbollah weist Vorwurf zurück

+++ 19:44 Uhr: Der libanesische Präsident Michel Aoun hat sich drei Tage nach der verheerenden Explosion in Beirut zum Unglückshergang geäußert. In einem Fernsehinterview sprach er am Freitag (07.08.2020) von „Nachlässigkeit oder einem Eingreifen von außen“ als Ursache. Es sei möglich, dass die Explosionen durch „Fahrlässigkeit oder durch äußere Einwirkung, mit einer Rakete oder einer Bombe“, ausgelöst wurden, sagte Aoun. Forderungen nach einer internationalen Untersuchung wies er zurück.

+++ 18.09 Uhr: Nach der schweren Explosion in Beirut hat die radikal-islamische Hisbollah die Verantwortung für den Vorfall von sich gewiesen. Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah betonte am Freitag in einer Fernsehansprache, dass seine Organisation keinerlei Lager im Hafen von Beirut gehabt habe: „Kein Waffenlager, keine Raketen, keine Gewehre, keine Bombe, keine Kugeln, kein Nitrat. Absolut nichts, weder jetzt, noch früher, noch in Zukunft.“ Auch stehe der Hafen nicht unter der Kontrolle der Iran-treuen Organisation.

Hisbollah ist wichtiger Machtfaktor im Libanon

Die Hisbollah hat als Partei und Miliz großen politischen Einfluss im Libanon. Ihr wird vorgeworfen, den Hafen von Beirut zu kontrollieren. Immer wieder gehen von der Organisation auch Angriffe auf Israel aus. In Deutschland ist die Vereinigung verboten. Dennoch soll die Hisbollah in Deutschland Ammoniumnitart gelagert haben.

Weiterhin ist unklar, wie es zu der Explosion im Hafen von Beirut gekommen ist. Bei dem Vorfall waren am Dienstag mehr als 150 Menschen getötet worden, bis zu 250.000 könnten obdachlos geworden sein. Fest steht bisher nur, dass Ammoniumnitrat explodiert ist, nachdem zuvor Feuerwerkskörper unkontrolliert in Brand geraten waren.

Mehrere zehntausend Kinder nach Explosion in Beirut obdachlos

+++ 14.06 Uhr: In Beirut sind infolge der verheerenden Explosion im Hafen nach UN-Angaben auch rund 80.000 Kinder obdachlos geworden. Die heftige Detonation habe deren Zuhause zerstört, sagte eine Sprecherin des UN-Kinderhilfswerks Unicef am Freitag (07.08.2020). Viele Haushalte hätten nur noch begrenzt Wasser und Strom. Zudem gebe es Berichte, dass mehr als 120 Schulen beschädigt worden seien. Beiruts Gouverneur hatte erklärt, durch die Explosion könnten in Libanons Hauptstadt bis zu 250.000 Menschen obdachlos geworden sein.

Die Zahl der Toten in Beirut stieg drei Tage nach der Explosion dem libanesischen Gesundheitsministerium zufolge auf 154. Wegen vieler Schwerverletzter auf Intensivstationen werde die Zahl wahrscheinlich weiter steigen. Rund 5000 Menschen waren bei der Detonation am Dienstag (04.08.2020) verletzt worden. Hilfsorganisationen warnen zudem, die Kliniken in Beirut seien völlig überfüllt und überlastet. Die häufigsten Verletzungen seien komplizierte Brüche, Verbrennungen und Wunden durch Glassplitter, erklärte die Organisation Handicap International. Oft seien Gliedmaßen verletzt und müssten amputiert werden.

Nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut sind zahlreiche Häuser zerstört. Hunderttausende werden obdachlos, darunter auch zehntausende Kinder.

Durch die Explosionen sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) Kliniken mit insgesamt rund 500 Betten beschädigt worden. Besondere Sorge bereite die Gefahr, dass sich das Coronavirus* unter den gegebenen Umständen nun besonders leicht ausbreiten könne. 17 Container der WHO mit wichtigem Material zur Corona-Bekämpfung wie Schutzausrüstung seien zerstört worden, sagte ein WHO-Sprecher.

Nach Explosion in Beirut: Proteste sorgen für Unruhen

Update vom Freitag, 07.08.2020, 10.00 Uhr: Nach der Explosion in Beirut mit mindestens 149 Toten ist es in der Nacht vereinzelt zu Protesten gekommen. Mehrere Menschen wurden bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften verletzt, wie die staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtete. Dutzende hätten versucht, die Absperrung zum Parlamentsgebäude in der libanesischen Hauptstadt zu durchbrechen. Die Demonstranten setzten dort Werbetafeln, Bretter und Müllhaufen in Brand und warfen mit Steinen auf Sicherheitskräfte. Diese setzten teilweise Tränengas ein.

Im Libanon war es bereits seit Oktober zu Massenprotesten gekommen, die auch zum Rücktritt von Ministerpräsident Saad Hariri führten. Sie richteten sich gegen die Führung des Landes, der die Demonstranten Korruption und Verschwendung von Staatsgeld vorwerfen. Das kleine Mittelmeerland ist hoch verschuldet und steckt in seiner schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Die Proteste hatten das öffentliche Leben in der Hauptstadt teilweise lahmgelegt.

Heiko Maas warnt nach den Explosionen in Beirut vor Destabilisierung des Libanon 

Unterdessen hat Außenminister Heiko Maas vor einer weiteren Destabilisierung des Libanon gewarnt. Der SPD-Politiker sagte der „Saarbrücker Zeitung“ (Freitag): „Wir wollen den Libanon stärken, denn diese Krise darf nicht genutzt werden, um ausländischem Einfluss in Libanon Tür und Tor zu öffnen.“ Es gebe in dem Land bereits nichtstaatliche, aus dem Ausland finanzierte Akteure wie Hisbollah, die ein entstehendes Vakuum nutzen könnten. „Die Katastrophe birgt das hohe Risiko, Libanon weiter zu destabilisieren.“

Erste Überlegungen für eine zeitnahe internationale Geberkonferenz seien daher sinnvoll, sagte Maas. Der Minister betonte: „Kein Land kann so eine Katastrophe alleine bewältigen.“ International und in der EU müsse daher überlegt werden, „wie wir unsere weitere Hilfe aufstellen: bei der Versorgung mit Nahrung und Notunterkünften und beim Wiederaufbau von Hafen und Stadt“.

Die Polizei setzte auch Tränengas ein.

Apokalypse in Beirut: 16 Hafen-Mitarbeiter vorläufig festgenommen

+++ 21.40 Uhr: Im Zuge der Ermittlungen zur verheerenden Explosion in der libanesischen Hauptstadt Beirut mit mehr als 130 Toten sind 16 Mitarbeiter des Hafens festgenommen worden. Das teilte der amtierende Militärrichter Fadi Akiki laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur NNA am Donnerstagabend mit.

+++ 15.19 Uhr: Noch immer wird nach der Explosion in Beirut nach Verschütteten und Verletzten gesucht. Am Mittwoch gingen Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks (THW) und der Hilfsorganisation ISAR am Flughafen Frankfurt an Bord eines Flugzeugs mit dem Ziel Beirut.

An Bord des Flugzeugs befanden sich rund 15 Tonnen Hilfsgüter und Spürhunde. Gegenüber dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ sprach der Einsatzleiter von ISAR, Timo Eilhardt, davon, dass am Anfang des Einsatzes die Suche nach Verschütteten stehe.

Erdbeben-Spezialisten des THW reisen vom Flughafen Frankfurt nach Beirut

Die Mitarbeiter des THW sind Teil der Schnell-Einsatz-Einheit Bergung Ausland (SEEBA). THW-Vizepräsidentin Sabine Lackner sagte am Flughafen Frankfurt: „Vor Ort werden unsere Einsatzkräfte unter anderem die Lage erkunden und beurteilen, Verschüttete lokalisieren und retten, Gebäudeschäden beurteilen und die Botschaft unterstützen.“ Sie wünschte dem Team viel Erfolg und eine gesunde Rückkehr.

Bei den SEEBA-Kräften des THW handelt es sich um Spezialisten für Rettung und Bergung in Katastrophengebieten. Oftmals kommen sie nach Erdbeben und ähnlichen Naturkatastrophen zum Einsatz. Laut Angaben des Technischen Hilfswerks sind sie bereits wenige Stunden, nachdem sie alarmiert wurden, für eine weltweite Verlegung bereit. Da die Ausrüstung ohne weiteres in Metallkisten verpackt werden kann, können die Spezialisten des THW auch mit normalen Verkehrsflugzeugen reisen, wie in diesem Fall vom Flughafen Frankfurt aus.

Augenzeuge berichtet von Blut und Chaos in Beirut

+++ 13.03 Uhr: Ein Augenzeugenbericht schildert die verheerende Katastrophe, die sich am Dienstag in Beirut ereignet hat. Der Stuttgarter Serkan Eren ist erst seit wenigen Tagen im Land. Der 36-Jährige ist Gründer der Hilfsorganisation „Stelp“ und war ins Land gereist, um Kontakte zu knüpfen.

Die Explosion ereignete sich gerade, als sich Eren außerhalb von Beirut befand. „Wir sind sofort zurück in die Innenstadt gefahren“, schildert er den Vorfall gegenüber merkur.de. „Die Stadt war ein Trümmerfeld, überall Blut, Sirenen, Chaos. Das Militär ist angerückt. Die Menschen haben geschrien.“ Die ganze Nacht sei er von Haus zu Haus gelaufen, um Verletzten zu helfen. Seine Pension wurde völlig zerstört. „Ich habe mich durch die Trümmer gekämpft.“ Seinen Pass und seinen Rucksack konnte er retten. „Wenn ich auf die Straßen schaue, dann frage ich mich, was dieses Land noch alles aushalten muss.“

Deutsche Diplomatin bei Explosion in Beirut getötet

+++ 11.48 Uhr: Bei der verheerenden Explosion in der libanesischen Hauptstadt Beirut ist auch eine Mitarbeiterin der deutschen Botschaft getötet worden. Darüber unterrichtete das Auswärtige Amt am Donnerstag die Obleute des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr.

Außenminister Heiko Maas (SPD) erklärte am Donnerstag in Berlin: „Unsere schlimmste Befürchtung hat sich bestätigt. Eine Angehörige unserer Botschaft in Beirut ist durch die Folgen der Explosion in ihrer Wohnung ums Leben gekommen.“
Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Auswärtigen Amts seien in tiefer Trauer um die Kollegin. „Allen, die wie unsere verstorbene Kollegin jeden Tag auf der ganzen Welt im Dienst für unser Land große persönliche Risiken eingehen, gilt mein Dank.“

Am Dienstag war es auf dem Beiruter Hafengelände zu einer gewaltigen Detonation gekommen, deren zerstörerische Druckwelle über die gesamte Stadt fegte. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur NNA vom Donnerstagmorgen kamen mehr als 130 Menschen ums Leben, rund 5.000 wurden verletzt. Lokalen Medien zufolge waren 2.700 Tonnen Ammoniumnitrat explodiert, die seit sechs Jahren im Hafen lagerten.

Beirut: Macron reist in libanesische Hauptstadt

Update vom Donnerstag, 06.08.2020, 6.50 Uhr: Nach der verheerenden Explosion in Beirut mit mehr als 130 Toten und Tausenden Verletzten geht die Suche nach der Ursache der Detonation weiter. Eine Untersuchungskommission der Regierung soll dem Kabinett innerhalb von fünf Tagen einen ersten Bericht vorlegen. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron will an diesem Donnerstag (05.08.2020) bei einem kurzfristig angesetzten Besuch in Beirut mit führenden Politikern des Landes zusammenkommen. Unter ihnen sind laut Medien Staatspräsident Michel Aoun und Regierungschef Hassan Diab.

Die Katastrophe löste eine Welle der Hilfsbereitschaft aus - so schickten mehrere Länder Rettungsmannschaften mit Spürhunden und Experten für die Bergung von Verschütteten. Am Mittwochabend traf eine Maschine mit Hilfsgütern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) ein. Dem Land fehlen unter anderem medizinische Güter. Nach Angaben von Gesundheitsminister Hassan Hamad kamen am Dienstag mindestens 135 Menschen ums Leben, etwa 5000 weitere wurden verletzt. Unter den Trümmern werden weitere Vermisste vermutet.

Explosionen in Beirut: Zerstörter Hafen zentral für die Versorgung des Landes

Die heftige Detonation am Dienstag zerstörte große Teile des Hafens, der für die Versorgung des Landes zentral ist. Beobachter warnen, die Versorgungskrise in dem Land am Mittelmeer könnte sich weiter verschärfen, da es stark von Importen abhängig ist.

Macron, der bisher in Südfrankreich Ferien macht, hatte bereits unmittelbar nach der Katastrophe im Hafen von Beirut Unterstützung zugesagt. In Frankreich, das als frühere Mandatsmacht immer noch eng mit dem Libanon verbunden ist, löste die Katastrophe Trauer und Entsetzen aus. Macron will nun nach eigenen Angaben eine „Botschaft der Brüderlichkeit und der Solidarität der Franzosen“ überbringen.

„Apokalypse“ in Beirut: Opferzahl steigt erneut deutlich – Hafen-Mitarbeiter unter Hausarrest

+++ 18.50 Uhr: Die Zahl der Opfer nach der verheerenden Explosion in Beirut steigt immer weiter. Dabei seien in der libanesischen Hauptstadt mindestens 135 Menschen getötet und weitere 5000 verletzt worden, sagte Gesundheitsminister Hassan Hamad laut einem Bericht des Fernsehsenders MTV. Zuvor war nach offiziellen Angaben von mindestens 113 Toten und etwa 4000 Verletzten die Rede.

Die Regierung will Verantwortliche des Hafens in Beirut unter Hausarrest stellen. Dabei handele es sich um Personen, die in den vergangenen Jahren für die Lagerung und Bewachung von 2750 Tonnen Ammoniumnitrat zuständig gewesen seien, erklärte Informationsministerin Manal Abdel Samad, wie die staatliche Nachrichtenagentur NNA meldete. Unklar war zunächst, wie viele Personen davon betroffen sind. Die Regierung beschloss der Ministerin zufolge zudem einen zweiwöchigen Notstand für Beirut. Eine Untersuchungskommission solle dem Kabinett innerhalb von fünf Tagen einen ersten Bericht zu den Umständen der Detonation vorlegen.

Bewohner schildern Explosionen in Beirut: „Apokalypse“ – Kliniken überfordert

+++ 17.14 Uhr: Einen Tag nach den Explosionen in Beirut liegt der Geruch von Blut über der Stadt, schreibt die Deutsche-Presse-Agentur. Menschen fegen die Scherben zusammen, die überall auf den Straßen liegen. Manche sprechen von einer „Apokalypse“. „Wir haben einen Bürgerkrieg erlebt, wir haben schon früher Bomben gehört“, sagt der Ingenieur Sam Saidan in der Nähe des Hafens. „Aber nichts war wie das hier.“ Auch Mohammed al-Hadsch, Besitzer eines kleinen Ladens, klagt: „Wir erleben ohnehin schlimme Zeiten. Und das kommt jetzt auch noch obendrauf.“

In Beiruts Kliniken spielen sich nach den Explosionen Szenen der Verzweiflung ab

Schon vor der Explosionskatastrophe in Beirut war die Wut der Menschen auf die libanesische Machtelite groß. Jetzt ist sie noch weiter gewachsen. Eine Frau, die auf ihrem beschädigten Balkon steht, weint und brüllt: „Präsident, Regierung und Parlament sollten sofort zurücktreten.“

In Beiruts Kliniken spielten sich nach den gewaltigen Explosionen Szenen der Verzweiflung ab. Das ohnehin geschwächte Gesundheitssystem des Landes ist mit der Versorgung einer so großen Zahl von Opfern überfordert. Ein älterer Mann saß am Dienstagabend (04.08.2020) vor dem Krankenhaus der Amerikanischen Universität und wartete auf eine Behandlung, der Körper mit Blut bedeckt. „Ich war in der Küche am Kochen, als ich plötzlich in Richtung des Wohnzimmers geschleudert wurde“, erzählt er. „Erst dachte ich an ein Erdbeben. Meine Wand stürzte ein, Glassplitter fielen auf mich herab.“

+++ 14.49 Uhr: Nach der folgenschweren Explosion in Beirut hat ein Krankenhaus im Norden Israels Hilfe bei der Versorgung von Verletzten angeboten. Der Direktor des Galiläa-Krankenhauses in der nördlichen Stadt Naharija, Massad Brahum, sagte am Mittwochmorgen (05.08.2020) auf Arabisch: „Wir wollen nur eine helfende Hand reichen.“ Jeder werde behandelt und das Krankenhaus gesund verlassen.

Israel bietet Kriegsgegner Libanon Hilfe nach der massiven Explosion in Beirut an

Zuvor hatte die israelische Regierung ein Hilfsangebot über internationale Kanäle unterbreitet. Präsident Reuven Rivlin drückte via Twitter dem Libanon sein Mitgefühl aus. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wies den Vorsitzenden des Nationalen Sicherheitsrates, Meir Ben-Schabat, an, mit dem UN-Nahostbeauftragten Nikolaj Mladenow weitere Möglichkeiten der Unterstützung auszuloten.

Offiziell befindet sich Israel mit Libanon im Kriegszustand, die Länder haben keine diplomatischen Beziehungen. Von libanesischer Seite wurden die Hilfsangebote aus Israel zurückgewiesen. Ein Regierungsvertreter sagte: „Wir nehmen keine Hilfe von einem feindlichen Staat an.“ An der Grenze kommt es immer wieder zu Spannungen zwischen der israelischen Armee und der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah.

Explosion in Beirut: Auch Merkel und Macron sagen Hilfe zu

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte dem Libanon schnelle Hilfe zu. „Mit großer Bestürzung habe ich von der schweren Explosion in Beirut erfahren, die zahlreiche Opfer gefordert hat“, hieß es in einem Kondolenzschreiben Merkels an den libanesischen Regierungschef Hassan Diab. Den Opfern sprach die Kanzlerin ihr Mitgefühl aus. „In dieser schweren Zeit können Sie auf die Hilfe und Unterstützung der Bundesregierung zählen“, betonte Merkel.

Zudem will der französische Staatschef Emmanuel Macron am Donnerstag (06.08.2020) Beirut besuchen. Macron sagte unmittelbar nach der Explosion in Beirut Unterstützung zu. Frankreich schickt nach eigenen Angaben zwei Militärflugzeuge mit 55 Angehörigen des Zivilschutzes in das Land.

Bis zu 300.000 Bewohner Beiruts sind nach der gewaltigen Explosion obdachlos

+++ 12.00 Uhr: Die Schäden durch die verheerenden Explosionen in Beirut betreffen nach Angaben der Behörden fast die halbe Stadt. Bis zu 300.000 Bewohner der libanesischen Hauptstadt seien durch die Zerstörungen obdachlos geworden, sagte Gouverneur Marwan Abud der Nachrichtenagentur AFP. Die Höhe der Schäden schätzte er auf insgesamt drei bis fünf Milliarden Dollar.

LandLibanon (Beirut ist Hauptstadt)
Bevölkerung2,3 Millionen
BürgermeisterJamal Itani
ReligionenChristen, Muslime, Drusen
Früheste Erwähnung der StadtZweites Jahrtausend v. Chr.

Die zweite der beiden Explosionen war besonders gewaltig. Sie sandte einen riesigen orangefarbenen Feuerball in den Himmel. Darauf folgte eine Schockwelle von der Wucht eines Tornados, die Gebäude im Hafen niederriss, Autos umkippte und Fensterscheiben in der ganzen Stadt bersten ließ. Die Detonationen waren im gesamten Land zu hören - und auch im 240 Kilometer entfernten Nikosia auf der Mittelmeerinsel Zypern.

Die ohnehin schon durch die Corona-Pandemie überlasteten Krankenhäuser der Stadt waren durch die Einlieferungen der zahlreichen Verletzten komplett überfordert. „Es ist eine Katastrophe im wahrsten Sinne des Wortes“, sagte Gesundheitsminister Hamad Hassan beim Besuch eines Hospitals. Der Oberste Verteidigungsrat des Landes erklärte die Stadt zur „Katastrophenzone“.

Beirut: Bilder einer Katastrophe

Der Hafen von Beirut wurde von schweren Explosionen erschüttert.
Der Hafen von Beirut wurde von schweren Explosionen erschüttert. © MOUAFAC HARB
Der Hafen von Beirut wurde von schweren Explosionen erschüttert.
Der Hafen von Beirut wurde von schweren Explosionen erschüttert. © MOUAFAC HARB
Der Hafen von Beirut wurde von schweren Explosionen erschüttert.
Der Hafen von Beirut wurde von schweren Explosionen erschüttert. © MOUAFAC HARB
Der Hafen von Beirut wurde von schweren Explosionen erschüttert.
Der Hafen von Beirut wurde von schweren Explosionen erschüttert. © MOUAFAC HARB
Der Hafen von Beirut wurde von schweren Explosionen erschüttert.
Der Hafen von Beirut wurde von schweren Explosionen erschüttert. © MOUAFAC HARB
Der Hafen von Beirut wurde von schweren Explosionen erschüttert.
Der Hafen von Beirut wurde von schweren Explosionen erschüttert. © MOUAFAC HARB
Der Hafen von Beirut wurde von schweren Explosionen erschüttert.
Der Hafen von Beirut wurde von schweren Explosionen erschüttert. © MOUAFAC HARB
Der Hafen von Beirut wurde von schweren Explosionen erschüttert.
Der Hafen von Beirut wurde von schweren Explosionen erschüttert. © MOUAFAC HARB
Der Hafen von Beirut wurde von schweren Explosionen erschüttert.
Der Hafen von Beirut wurde von schweren Explosionen erschüttert. © MOUAFAC HARB
Der Hafen von Beirut wurde von schweren Explosionen erschüttert.
Der Hafen von Beirut wurde von schweren Explosionen erschüttert. © MOUAFAC HARB

Beirut: Mindestens 100 Tote nach massiver Explosion - 2750 Tonnen Ammoniumnitrat detoniert

+++ 9.05 Uhr: Nach den schweren Explosionen im Hafen von Beirut hat das libanesische Rote Kreuz die Zahl der Toten mit mindestens 100 angegeben. Mehr als 4000 weitere Menschen seien verletzt worden, teilte die Organisation mit. „Unsere Teams setzen die Such- und Rettungsaktivitäten in den umliegenden Gegenden fort.“ Das Gesundheitsministerium hatte die Zahl der Todesopfer zuletzt mit 78 angegeben und von knapp 4000 Verletzten gesprochen.

Ministerpräsident Hasan Diab kündigte unterdessen an, die Verantwortlichen würden „zur Rechenschaft“ gezogen. Weshalb das Ammoniumnitrat explodierte, war jedoch nach wie vor völlig unklar.

Explosionen im Hafen von Beirut: Ammoniumnitrat explodiert

Update vom Mittwoch, 05.08.2020, 6.00 Uhr: Dutzende Tote und tausende Verletzte, brennende Schiffe und Lagerhallen, verwüstete Gebäude und Straßen: Zwei gewaltige Explosionen im Hafen von Beirut haben immense Zerstörungen angerichtet. Die vorläufige Zahl der Opfer in der libanesischen Hauptstadt gaben die Behörden in der Nacht mit 78 an. Mindestens 4000 weitere Menschen wurden verletzt, unter ihnen auch Mitarbeiter der deutschen Botschaft. Die Ursache der Explosionen war noch unklar.

Laut Ministerpräsident Hasan Diab waren 2750 Tonnen Ammoniumnitrat detoniert. Das Material sei seit sechs Jahren ohne Vorsichtsmaßnahmen in einem Lagerhaus untergebracht gewesen. Weshalb es explodierte, war ungewiss. Ammoniumnitrat kann zur Herstellung von Sprengstoff verwendet werden.

Explosionen in Beirut: Donald Trump spricht von einem Angriff mit einer „Art von Bombe“

US-Präsident Donald Trump sprach von einem „furchtbaren Angriff“ mit einer „Art von Bombe“. Er berief sich dabei auf Angaben von US-Generälen. Diese „schienen das Gefühl zu haben“, dass es sich um einen „Angriff“ gehandelt habe. Konkrete Indizien dafür präsentierte der US-Präsident allerdings nicht. Weder vom Pentagon noch den libanesischen Behörden kamen jedoch irgendwelche öffentlichen Hinweise darauf, dass es sich möglicherweise um einen Anschlag gehandelt haben könnte.

Große Teile des Hafens und der umliegenden Stadtgebiete wurden verwüstet. Auf Bildern waren unter Trümmern eingeklemmte Menschen zu sehen, viele von ihnen blutüberströmt. Die Krankenhäuser seien mit den vielen Verletzten komplett überlastet, sagte Gesundheitsminister Hamad Hassan beim Besuch eines Hospitals. „Es ist eine Katastrophe im wahrsten Sinne des Wortes.“ Der Oberste Verteidigungsrat des Landes erklärte die Stadt zur „Katastrophenzone“.

Explosionen in Beirut: Israel bietet Libanon Hilfe an

Auch das Gebäude, in dem sich die deutsche Botschaft befindet, wurde nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin beschädigt. Angesichts der starken Schäden im Stadtgebiet schloss das Ministerium nicht aus, dass weitere deutsche Staatsangehörige unter den Todesopfern und Verletzten sein könnten.

Kanzlerin Angela Merkel sagte dem Libanon Unterstützung zu. Hilfszusagen kamen aus aller Welt, darunter auch von Israel und dem Iran. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte die Lieferung „mehrerer Tonnen“ medizinischem Hilfsmaterials an.

Beirut wurde von einer riesigen Explosion erschüttert.

Schwere Explosion in Beirut: Zahl der Toten steigt weiter

+++22.03 Uhr: Bei der verheerenden Explosion in der libanesischen Hauptstadt Beirut sind nach aktuellen Angaben mindestens 50 Menschen getötet worden. Auch die Zahl der Verletzten stieg nach Angaben des Gesundheitsministeriums auf rund 2750. Dabei handele es sich jedoch nur um eine vorläufige Bilanz, sagte ein Behördenvertreter der Nachrichtenagentur AFP. Die Ursache der Detonationen ist nach wie vor unklar. Sicherheitsbehörden vermuten veraltetes explosives Material als Auslöser.

+++ 21.14 Uhr: Nach der schweren Explosion in der libanesischen Hauptstadt Beirut ist die Zahl der Toten auf mindestens 30 gestiegen, weitere 2500 wurden verletzt. Das sagte Gesundheitsminister Hassan Hamad zu Reportern vor einem Krankenhaus. Der Generalsekretär des libanesischen Roten Kreuzes, Georges Kettaneh, berichtete der Deutschen Presse-Agentur ebenfalls von mehr als 2000 Verletzten. Die Ursache ist weiterhin nicht geklärt.

Explosion in Beirut: „Meiden Sie die betroffen Bereiche“

„Wir haben keine Informationen darüber, was genau passiert ist und was der Auslöser war, ob es ein Unfall oder ein herbeigeführter Akt war“, sagte ein UN-Sprecher kurz nach der Explosion. „Zu diesem Zeitpunkt sind unsere Gedanken bei den Menschen im Libanon. Was auch immer passiert ist: Wir hoffen, dass der Schaden begrenzt ist und dass die Sicherheit des libanesischen Volkes garantiert ist.“

+++ 19.15 Uhr: Bei der Explosion in Beirut hat es nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters mindestens zehn Tote gegeben. Es wird jedoch erwartet, dass die Todeszahl in den nächsten Stunden ansteigen wird. Das Ausmaß der Zerstörung ist groß, weiterhin gibt es massive Brände am Hafen.

Das Krisenreaktionszentrum der deutschen Bundesregierung schrieb auf Twitter: „Wenn Sie sich im Land aufhalten, melden Sie sich bei Ihrer Familie und Freunden. Meiden Sie die betroffen Bereiche.“

Explosion in Beirut: Massive Schäden in der libanesischen Hauptstadt

Erstmeldung vom Dienstag, 04.08.2020, 18.45 Uhr: Beirut – Eine schwere Explosion hat die libanesische Hauptstadt Beirut am Dienstag (04.08.2020) erschüttert. Eine Reporterin der Deutschen Presse-Agentur berichtete von einer starken Erschütterung im Stadtzentrum und von großen Schäden. Durch die Wucht der Explosion, die sich am Hafen der Küstenstadt ereignete, gingen zahlreiche Fenster zu Bruch. Der Nachrichtensender „Al Jazeera“ berichtet, dass durch die Detonation Häuser schwer beschädigt wurden, die teilweise Kilometer entfernt sind.

Eine massive Druckwelle hat Beirut erschüttert.

Explosion in Beirut: Reporterin spricht von „chaotischen Zuständen“

Nach der schweren Explosion stieg eine große Rauchwolke auf. Teils gab es Berichte über zwei aufeinanderfolgende Explosionen. Eine Reporterin von „Al Jazeera“ spricht von „chaotischen Zuständen“, die in der Stadt herrschen.

Über die Zahl der Opfer und das Ausmaß der Schäden herrschte zunächst Unklarheit. Das libanesische Rote Kreuz erklärte, Dutzende Menschen seien verletzt worden. Laut dem Gesundheitsminister soll die Zahl der Verletzten sehr hoch sein. Berichte über Todesopfer wurden noch nicht bestätigt. Augenzeugen verbreiteten im Internet Fotos von zerstörten Fenstern an Wohnhäusern und Trümmern auf den Straßen. Auch die Schnellstraße auf dem Weg zum Hafen war mit Glasscherben übersäht.

Beirut: Videos zeigen gewaltige Wolke nach der Explosion

Zudem zeigten mehrere Aufnahmen eine massive, pilzförmige Druckwelle nach der Explosion in Beirut. Dutzende Autos wurden beschädigt. Die libanesische Armee half dabei, die Verletzten in Krankenhäuser zu bringen.

Die Hintergründe blieben zunächst unklar. Die staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtete, am Hafen sei in einem Lagerhaus in Nähe mehrerer Getreidespeicher ein Feuer ausgebrochen. „Starke Explosionen“ seien in Beirut und Vororten zu spüren gewesen. Einsatzkräfte der Feuerwehr kämpften gegen die Flammen. Der Hafen liegt nur wenige Kilometer von der Innenstadt Beiruts entfernt. (tvd)

Jetzt muss sich der Libanon neu aufbauen - mit Hilfe statt Bevormundung. Ein Kommentar.

  • Quellen:
  • Agenturen: dpa/afp
  • Soziale Medien: Twitter/Facebook
  • Andere Medien: Al Jazeera

Rubriklistenbild: © picture alliance/Thibault Camus/AP/dpa

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