Im Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut ist es zu einer verheerenden Explosion gekommen.
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Im Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut ist es zu einer verheerenden Explosion gekommen.

Tausende Verletzte

Zahl der Toten nach Explosion in Beirut steigt weiter

Mindestens 100 Menschen sterben bei Explosionen in Libanons Hauptstadt Beirut, knapp 4000 Verletzte werden verletzt. Die Ursache der gewaltigen Detonationen im Hafen sind weiterhin unklar.

Nach den schweren Explosionen im Hafen von Beirut hat das libanesische Rote Kreuz die Zahl der Toten mit mindestens 100 angegeben. Mehr als 4000 weitere Menschen seien verletzt worden, teilte die Organisation mit. „Unsere Teams setzen die Such- und Rettungsaktivitäten in den umliegenden Gegenden fort.“ Das Gesundheitsministerium hatte die Zahl der Todesopfer zuletzt mit 78 angegeben und von knapp 4000 Verletzten gesprochen.

Brennende Schiffe und Lagerhallen, verwüstete Gebäude und Straßen: Die beiden gewaltigen Explosionen im Hafen von Beirut haben immense Zerstörungen angerichtet. Unter den Verletzten waren auch Mitarbeiter der deutschen Botschaft. Die Ursache der Explosionen war weiterhin unklar.

Laut Ministerpräsident Hasan Diab waren 2750 Tonnen Ammoniumnitrat detoniert. Das Material sei seit sechs Jahren ohne Vorsichtsmaßnahmen in einem Lagerhaus untergebracht gewesen. Der Sicherheitschef der Regierung, Abbas Ibrahim, sagte, das Ammoniumnitrat sei seinerzeit beschlagnahmt worden. Diab kündigte an, die Verantwortlichen würden „zur Rechenschaft“ gezogen. Weshalb das Ammoniumnitrat explodierte, war jedoch völlig unklar. Die Substanz kann zur Herstellung von Sprengstoff verwendet werden.

Eine massive Druckwelle hat Beirut erschüttert.

US-Präsident Donald Trump sprach von einem „furchtbaren Angriff“ mit einer „Art von Bombe“. Er berief sich dabei auf Angaben von US-Generälen. Weder vom Pentagon noch den libanesischen Behörden kamen jedoch irgendwelche öffentlichen Hinweise darauf, dass es sich um einen Anschlag gehandelt haben könnte.

Die zweite der beiden Explosionen war besonders gewaltig. Sie sandte einen riesigen orangenen Feuerball in den Himmel. Darauf folgte eine Schockwelle von der Wucht eines Tornados, die Gebäude im Hafen niederriss, Autos umkippte und Fensterscheiben in der ganzen Stadt bersten ließ. Die Detonationen waren im gesamten Land zu hören – und auch im 240 Kilometer entfernten Nikosia auf der Mittelmeerinsel Zypern.

Große Teile des Hafens und der umliegenden Stadtgebiete wurden verwüstet. Auf Bildern waren unter Trümmern eingeklemmte Menschen zu sehen. Blutüberströmte Menschen torkelten durch die Straßen.

Die ohnehin schon durch die Corona-Pandemie überlasteten Krankenhäuser der Stadt waren durch die Einlieferungen der zahlreichen Verletzten komplett überfordert. „Es ist eine Katastrophe im wahrsten Sinne des Wortes“, sagte Gesundheitsminister Hamad Hassan beim Besuch eines Hospitals. Der Oberste Verteidigungsrat des Landes erklärte die Stadt zur „Katastrophenzone“.

Auch das Gebäude, in dem sich die deutsche Botschaft befindet, wurde nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin beschädigt. Angesichts der starken Schäden im Stadtgebiet schloss das Ministerium nicht aus, dass weitere deutsche Staatsangehörige unter den Todesopfern und Verletzten sein könnten. Beschädigt wurde zudem ein Schiff der Vereinten Nationen: Blauhelmsoldaten der UN-Mission im Libanon (Unifil) seien verletzt worden, einige von ihnen schwer, hieß es in einer UN-Erklärung.

Der Hafen von Beirut gleicht einem Trümmerfeld

Im Hafen waren Container verbogen wie Konservendosen, ihr Inhalt auf dem Boden zerstreut. Schiffe standen in Flammen, zahlreiche Autos brannten aus. In den umliegenden Straßenzügen wurden Fensterscheiben und Schaufenster zertrümmert. Über der gesamten Hafengegend lag eine riesige Rauchwolke.

Noch Stunden nach den Explosionen kreisten Hubschrauber über der Gegend, um gegen die Flammen anzukämpfen. Rettungskräfte durchkämmten die ganze Nacht hindurch die Trümmer auf der Suche nach Toten und Verletzten.

„Es war wie eine Atombombe“

„Es war wie eine Atombombe“, berichtete Makruhie Jerganian, die seit Jahrzehnten nahe des Hafens wohnt. „Ich habe vieles erlebt, aber so etwas noch nie“, sagte die pensionierte Lehrerin, die auch den Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 in dem arabischen Land miterlebte.

Staatschef Michel Aoun rief eine dreitägige Staatstrauer aus. Regierungschef Diab bat in einer Fernsehansprache alle befreundeten Staaten um Hilfe. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte dem Libanon Unterstützung zu. Hilfszusagen kamen bereits aus aller Welt, darunter auch von Israel und dem Iran. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte die Lieferung von „mehreren Tonnen“ medizinischen Hilfsmaterials an. (afp)

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