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Jennifer Lopez zeigt Bein.

Grammys

Beinfreiheit bei den Grammys

Die Kleiderordnung sorgt dafür, dass die Musik bei der Preisverleihung fast zur Nebensache wird.

Die Kleiderordnung sorgt dafür, dass die Musik bei der Preisverleihung fast zur Nebensache wird.

Der Fernsehsender CBS war in großer Sorge vor der Verleihung der Grammys. Nur nicht wieder einen Skandal, nur nicht wieder Proteste, weil sich die Popstars nicht benehmen können. So wie vor ein paar Jahren, als Justin Timberlake in der Halbzeitshow des Super-Bowl-Endspiels die Brust seiner Kollegin Janet Jackson entblößte – vor mehr als hundert Millionen Fernsehzuschauern. Damals empörten sich viele Amerikaner. Diesmal hatte CBS US-Medienberichten zufolge die Agenten der Stars darum gebeten, dass „Gesäß und Brüste ausreichend bedeckt sind“. Auch sollten die Stars auf transparente Kleidung verzichten, die den Blick auf Brustwarzen erlauben könnte.

In Hotpants über die Bühne

Die Welt des Pop hält sich aber so gut wie nie an Grenzen, auch dann nicht, wenn es um die Kleiderordnung geht. Auffallen macht mehr Spaß. Jennifer Lopez trug ein langes schwarzes Kleid, dessen Beinschlitz ihren rechten Oberschenkel bis zum Hüftansatz unbedeckt ließ. „Sie haben nichts über Beine gesagt“, scherzte sie. Country-Star Taylor Swift hüpfte beim Eröffnungssong in weißen Hotpants über die Bühne und R&B-Sängerin Alicia Keys zeigte bei ihrem Cutout-Abendkleid Bauch und Dekolleté.

Justin Timberlake allerdings hatte in Los Angeles diesmal keine Lust auf Provokation. Nachdem er sich einige Jahre lang auf seine Schauspielkarriere konzentriert hatte, bot er diesmal Unterhaltung mit Bläsern, Streichern und Chor. Nach seinem Auftritt mit dem neuem Song wurde er gefeiert. Und bei der Kleidung setzte er auf Bewährtes: schwarzer Anzug, weißes Hemd und eine Fliege.

Die Preise gingen vor allem an alternative Neustarter wie Gotye, Frank Ocean und die Indie-Rockband Fun. Die drei New Yorker Rocker von Fun. wurden bei der Gala am Sonntagabend gleich in zwei Top-Kategorien ausgezeichnet: Als beste Newcomer und mit „We Are Young“ für den besten Song. „Ich weiß nicht, was ich mir gedacht habe, als ich dieses Lied geschrieben habe“, sagte Fun.-Sänger Nate Ruess bei seiner Dankesrede. „Wie ihr sehen könnt, sind wir doch gar nicht mehr jung und wir machen schon seit zwölf Jahren Musik. Aber anscheinend waren wir bisher ein gut gehütetes Geheimnis.“

Der belgisch-australische Sänger Gotye gewann insgesamt drei goldene Grammophone, unter anderem den begehrten Preis für die beste Aufnahme mit seinem Ohrwurm „Somebody That I Used To Know“. Die Auszeichnung für das beste Album ging an die britische Band Mumford & Sons für „Babel“.

Wenn es denn einen Abräumer gab, waren es die Black Keys. Der schnörkellose Bluesrock des Duos wurde dreifach prämiert („Bester Rock-Song“, „Beste Rock-Perfomance“, beide für „Lonely Boy“ sowie „El Camino“ als „Bestes Rock-Album“; außerdem ergatterte ihr Frontmann und Songschreiber Dan Auerbach den Preis als „Bester Produzent“).

Justin Biebers Technikpanne

Der Abend war geprägt von männlichen Gewinnern, bekannte weibliche Musikstars wie Kelly Clarkson, Beyoncé, Rihanna und die britische Sängerin Adele gewannen jeweils nur einen der begehrten Preise und das auch nur in vergleichsweise unwichtigen Kategorien. Adele hatte die Gala im vergangenen Jahr noch mit sechs Trophäen dominiert.

Als Conférencier machte LL Cool J einen aalglatten Job. Ein selbstironischer Blick auf die Branche, wie ihn Ricky Gervais als Gastgeber in den vergangenen Jahren gewagt hatte? Fehlanzeige. Der Rapper und Schauspieler überbot sich mit immer neuen Superlativen. Mal war’s die „biggest music night“, dann kündigte er einen „special Grammy moment“ an, bevor er einen „wonderful Grammy moment“ oder gar ein „big easy Grammy moment“ versprach. Für die Deutschen war es sowieso eher ein Abend der Enttäuschungen. Sie gingen alle leer aus: Weder der Filmkomponist und Oscar-Preisträger Hans Zimmer noch die Sängerin Ute Lemper noch der Organist Hansjörg Albrecht konnten ihre Kategorien gewinnen.

Und dann war da noch Teenie-Star Justin Bieber. Erstmals seit vielen Jahren war der 18-Jährige nicht nominiert worden, deshalb organisierte er eine Online-Gegenveranstaltung. Doch es gab technische Schwierigkeiten, der Sänger konnte nicht live zu seinen Fans sprechen und zeigte sich frustriert. „Nichts funktioniert und ich bin total sauer“, twitterte er. Zur Versöhnung lud er einen unveröffentlichten Song und eine Video-Botschaft hoch, in der er mit nacktem Oberkörper zu sehen war. (BLZ)

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