Greta-Effekt

Begriffe aus Klimadebatte prägen schwedische Sprache 2019

Sprache folgt Themen: In Greta Thunbergs Heimatland Schweden prägen Begriffe aus der Klimadebatte die Sprachentwicklung.

Klimastreik, pflanzenbasiertes Fleisch, der Greta-Effekt: In Greta Thunbergs Heimatland Schweden haben Begriffe aus der Klimadebatte die Entwicklung der Sprache 2019 geprägt. Der schwedische Sprachrat Språkrådet nahm gleich mehrere Wörter und Ausdrücke rund ums Klima in seine jährliche Liste zeitgenössischer Neuschaffungen auf, darunter die schwedischen Begriffe für Klimanotlage, Klimadiktatur und Artensterben.

Einige andere Begrifflichkeiten könnten in Zukunft auch stärker in den deutschen Sprachgebrauch Einzug halten, etwa das Verb „tågskryta“, was so viel wie „zugprahlen“ bedeutet und verwendet wird, wenn man der Umwelt zuliebe mit dem Zug statt mit dem Flugzeug reist. Der Hashtag #zugstolz ist in Deutschland bereits vereinzelt in den sozialen Medien zu lesen gewesen in diesem Jahr.

Basierend auf dem aufsehenerregendsten Begriff des Vorjahres - „flygskam“ (Flugscham) – sei eine Diskussion um neue Ausdrücke entstanden, die sich alle um die Klimafrage drehten, teilte das schwedische Sprachinstitut ISOF bei der Veröffentlichung der Liste am Freitag mit. ISOF-Sprachexperte Ola Karlsson schrieb dazu, 2019 sei das Jahr gewesen, in dem „die Debatte über den Klimanotstand der Erde wirklich explodiert ist“.

Herausgekommen ist dabei unter anderem „smygflyga“. Das Verb umschreibt, dass man zwar fliegt, die Wahl des Transportmittels aber aus Angst vor Flugscham verheimlicht. Apropos Flugscham: Dieser Begriff habe sich 2019 auch in anderen Sprachen einen Platz geschaffen und sei unter anderem ins Englische, Deutsche, Spanische, Französische und Niederländische exportiert worden, so Karlsson.

Auch andere Aufregerthemen und technologische Entwicklungen finden sich auf der Liste der Schweden wieder. Unter den 35 Ausdrücken sind auch „antivaxxare“, was einen Impfgegner umschreibt, sowie „deepfake“ und „hybridkrig“ (Hybridkrieg). Ein besonderes Schmankerl ist „popcornhjärna“, was übersetzt „Popcorn-Hirn“ heißt: Damit ist ein Zustand gemeint, in dem das Gehirn etwa beim Gebrauch des Smartphones mit verschiedenen Sinneseindrücken gleichzeitig fertigwerden muss.

Mit der Neuwortliste macht der Sprachrat auf Begriffe aufmerksam, die im abgelaufenen Jahr entweder neu geschaffen oder deutlich häufiger verwendet wurden. Nicht alle von ihnen sind komplett neu. Sie sollen vielmehr etwas über das vergangene Jahr und sprachliche Trends aussagen. Angelehnt an Schwedens Fußballstar Zlatan Ibrahimovic stand 2012 etwa das Verb „zlatanera“ auf der Liste – als Umschreibung für den Zustand, wenn man einen Gegner in besonderem Maße dominiert. (dpa)

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