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Das 18. Türchen.

DER FR-ADVENTSKALENDER

Beauty-Tipps völlig überflüssig

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Als Einstieg in das Hörbuch-Universum bietet sich „Der Fönig“ an: Die Geschichte eines leicht derangierten Königs.

Eines der großen Probleme eines Pendlers ist die Frage, wie man die Zeit im Zug am besten herumbekommt. Vor allem, wenn inzwischen eigentlich täglich Bahn-Bonus-Minuten anfallen, die sich leider nicht in Punkte umwandeln lassen. Als Angehöriger der Generation, die noch mit dem Radio großgeworden ist, liegt hier das gesprochene Wort in Form von Hörbüchern etwas näher als das Abspielen der neusten Videos mit Beauty-Tipps von Influencerinnen.

Mein Einstieg in dieses Medium waren „Die Känguru-Chroniken“ von Marc-Uwe Kling. Dabei machte ich auch gleich die Erfahrung, wie sich die Atmosphäre in einem vollbesetzten Pendelzug schlagartig verändert, wenn einer der Fahrgäste durch explosionsartiges Lachen in Erscheinung tritt. Der erste Gedanke ist wohl immer: psychische Probleme! Gefolgt von dem Verdacht auf Drogenmissbrauch, saisonal auch übermäßigem Glühweingenuss. Zugegeben, wer morgens um halb acht auf dem Weg zur Arbeit ist, hat normalerweise nicht unbedingt etwas zu lachen. Auch nicht mit Restalkohol.

Da ist es schon fast logisch, dass das Duo Walter Moers und Dirk Bach auf meine Playlist geraten musste. Zwei Typen mit schrägem Humor und im Fall von Dirk Bach mit bemerkenswertem Kleidergeschmack. Während mich das „Dschungel-Camp“ an sich eher nicht interessierte, war Dirk Bach mit Tropenhut ein Hingucker. Vor allem da seine Hawaiihemden so schrill waren wie seine Art. Zusammen mit Walter Moers, dessen Universum vom blauen Bären bis zum „Schrecksenmeister“ reicht, ein geniales Team und für mich die Gelegenheit, vom Känguru-Lachen zum Moers-Schmunzeln zu wechseln. Und damit nicht dauernd Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen.

Als Einstieg in dieses Universum bietet sich „Der Fönig“ an: Die Geschichte eines leicht derangierten Königs, in dessen Königreich alle „Ks“ gegen „Fs“ ersetzt werden und umgekehrt. Kompliziert wird die Lage, als ihm von den Franzosen der Krieg erklärt wird, weil diese seine Nationalhymne zu laut, die Flagge zu bunt und die Haare seiner Untertanen zu lang finden … Kein Wunder, der König hatte auch in der Nacht zuvor von „Fohlmeisen und zwitschernden Faninchen“ geträumt, was laut seines königlichen Traumdeuters ein untrügliches Zeichen für Krieg ist. Dabei wolle er eigentlich nur mal eben auf den „Klomarft“.

Richtig kompliziert wird die Angelegenheit, als die Königin auf die Erfüllung ehelicher Pflichten drängt und ein französischer Agent den König dazu bringt auch alle „Bs“ durch „Ps“, alle „Gs“ durch „Ks“ und alle „Ds“ durch „Ts“ zu ersetzen.

Wenn ich ehrlich bin schafft Dirk Bach den Buchstabentausch perfekt, während ich im Rücktausch regelmäßig nach drei Sätzen in Folge scheitere. Es ist herrlich abgedreht, und mit 21 Minuten so lang wie eine mittlere Verspätung der Bahn. Und ein Bonus ist für mich mein persönlicher „Pathos-Stopper“ den ich aus dieser Geschichte mitgenommen habe: Immer wenn ich Menschen sehe, die vor aufgeregten Menschenmengen laut in Mikrofone schreien, meldet sich in meinem Hinterkopf Dirk Bachs Stimme und sagt: „Es herrscht Frieg, Frieg mit den Kranzosen!“

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