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Mike Love (Mitte) beim Hong Kong Rugby Sevens tournament.

Mike Love

„Die Beach Boys sind eine akustische Oase“

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Mit ihrer Gute-Laune-Musik hat die US-Band bis heute viele Fans. Ein Gespräch mit Beach-Boys-Leadsänger Mike Love.

Herr Love, im Juni kommen Sie nach Deutschland, wo sie zuletzt 2017 auf Tour waren. Wie würden Sie den typischen deutschen Beach Boys Fan beschreiben?
Wir kommen seit den 60er Jahren immer wieder nach Deutschland. Natürlich sind die Fans von damals heute ein bisschen älter. Aber ich sehe auch ihre Kinder und sogar Enkel auf unseren Konzerten. Ganze Familien kommen zu den Beach Boys, denn unsere Musik ist etwas für jedes Alter. Wir sehen junge Teenager, die angezogen sind, als würden sie zum Strand gehen. Wir haben viel Spaß. Das was wir damals gemacht haben, das war Musik von vier jungen Männern für junge Menschen in einer Zeit, in der Rock ’n‘ Roll ziemlich angesagt war. In den 60ern sind die Beach Boys, die Beatles und die Rolling Stones entstanden, es war musikalisch eine wahnsinnig tolle Episode. Offensichtlich sind die Konzertbesucher heute etwas älter, aber sie lieben immer noch die Musik und die Beach Boys.

Wo Sie gerade die Beatles und die Rolling Stones ansprechen: Was haben die Beach Boys, was diese Bands nicht haben?
Ich denke es geht hauptsächlich um Harmonien. Viele unserer Lieder bestehen aus komplexen, anspruchsvollen Harmonien, wie „Good Vibrations“ oder „California Girls“. Das sind wunderschöne Lieder. Zudem geht es aber auch um die Bedeutung unserer Lieder und die ausgelassene Stimmung, etwa bei „California Girls“ und „Surfin U.S.A.“

Viele stufen sie als den profitorientierten Bösewicht der Beach Boys ein. Was für eine Band wären die Beach Boys ohne Sie geworden?
Ich bin mir nicht sicher, weil das für mich eine abstrakte Frage ist. Ich war schon immer Teil der Beach Boys und bin heute das älteste Mitglied. Ich habe mich um das Booking gekümmert und um Promotion und Sponsoring. Dann ist da noch das Touring- und Konzertgeschäft. Ich habe schon immer den geschäftlichen Teil der Musik übernommen. Das ist keine schlechte Sache. Da können die Leute sagen, was sie wollen.

Denken Sie, dass Beach Boys-typische „Gute-Laune-Sonnenschein-Musik“ immer noch Zeitgemäß ist?
Offensichtlich gibt es viele verschiedene Arten von Musik, die sich Menschen runterladen oder denen sie ausgesetzt sind, aber ich denke die Beach Boys sind eine Art akustische Oase. Es ist unser Stil, der auf Menschen jeden Alters sehr anziehend wirkt. Ich denke aber auch, dass viele Menschen die Beach Boys hören, weil sie sich für die Ursprünge von Rock ´n‘ Roll interessieren. Für uns sind das Leute wie Chuck Berry, aber für viele sind das eben die Beach Boys, die Beatles und die Rolling Stones. Heutzutage gibt es so viele verschiedene Arten von Musik. Schauen Sie sich Ariana Grande an: Sie ist sehr berühmt und erfolgreich und eine großartige Sängerin. Jede Generation hat ihre Favoriten und wir waren die Favoriten der 60er. Die Menschen heutzutage mögen uns als ein Resultat davon.

Ist die unpolitische Surfer Musik der Beach Boys in Zeiten von Donald Trump und weltweiten politischen Umbrüchen überhaupt noch relevant?
Wissen Sie, es hat immer Probleme und Politik gegeben. Denken Sie an die 60er, da gab es den Vietnamkrieg. Ich erinnere mich daran, wie wir einmal in Prag aufgetreten sind, sechs Monate nachdem die Russen in die Tschechoslowakei einmarschiert sind. Wir wurden wie Helden gefeiert. Die Leute lieben Rock ´n‘ Roll und sie lieben, dass wir aus den USA sind und Freiheit repräsentieren. Uns geht es darum, dass jeder sich gut fühlen kann und niemand davon ausgeschlossen oder verletzt wird. Ich versuche so positiv zu sein, wie möglich.

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