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Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft? Söder mit einem Ariane-Modell im Juli in Taufkirchen. AFP
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Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft? Söder mit einem Ariane-Modell im Juli in Taufkirchen.

Weltraum

Söders Raumfahrtprogramm „Bavaria One“ – Etikettenschwindel oder Innovation?

  • VonPatrick Guyton
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Nein, Markus Söder wird nicht ins All fliegen. Aber er will den Freistaat mit einem ambitionierten Förderprogramm zum Zentrum deutscher Raumfahrttechnologie machen. Manche halten das für eine Luftnummer.

München – Am Anfang war der Spott: Markus Söder startet ins All. Söder greift nach den Sternen. So oder ähnlich wurde häufig gewitzelt, als der bayerische CSU-Ministerpräsident 2018 ein eigenes bayerisches Raumfahrtprogramm ankündigte mit dem Namen „Bavaria One“. Eine Luftnummer im Wortsinn? Sein Vize Hubert Aiwanger (Freie Wähler), der es eher bodenständig mag, sprach von „Größenwahn“. Und mit den Worten des großen bayerischen Kabarettisten Gerhard Polt fragten viele: „Braucht’s des wirklich?“

Markus Söder (CSU): „Bayern soll das Space Valley in Deutschland werden“

Im Juli nun weihte die Technische Universität München (TUM) ihr neues Fakultätsgebäude für Luft- und Raumfahrtforschung ein – in Ottobrunn östlich der Stadt auf einem großen Areal. Söder kam natürlich auch und meinte: „Heute lächelt keiner mehr darüber.“ Und: „Bayern soll das Space Valley in Deutschland werden.“

Mirko Hornung steht an der Spitze der neu geschaffenen eigenen Fakultät, die über „Luftfahrt, Raumfahrt und Geodäsie“ forscht. Letztere kümmert sich um die Ausmessung und Abbildung der Erdoberfläche. Hornung ist Professor und Dekan der Fakultät, die nun am Standort in Ottobrunn mehr und mehr ausgeweitet wird. Also, was meint er: Braucht’s des?

Der Professor blickt im Gespräch erst einmal zurück: „München ist industriell sehr gut aufgestellt“, sagt er. Früher allerdings „mit einer Schwachstelle“ – der Wissenschaft. Einst gab es an der TUM lediglich zwei Professuren, die sich mit Raumfahrt befasst hatten, angesiedelt bei den Maschinenbauern. „Das ist natürlich viel zu wenig, um vorne mitzuspielen.“ Es sei eine „industriepolitische Frage“, ob man das vorantreibe oder nicht. Mirko Hornung meint: „Es ist gut, dass die Staatsregierung das will.“

„Hightech Agenda Bayern“: Markus Söders (CSU) Raumfahrtprogramm „Bavaria One“

Markus Söder hatte die Raumfahrt Ende 2019 als Teil der neuen „Hightech Agenda Bayern“ ausgerufen und als „größte Weltraum-Fakultät Europas“. Aus den zwei Professuren sind in der neuen Fakultät nun schon 23 geworden, bis 2030 sollen 55 besetzt sein. Man rechnet mit 4000 Studierenden auf dem Campus Ottobrunn, der Freistaat lässt sich sein Raumfahrtprogramm insgesamt 700 Millionen Euro kosten. „Es geht um neue Flugzeugantriebe, Trägersysteme, neue Technologien im Raumfahrtsektor“, sagt Hornung.

Er will vor allem ein Missverständnis ausräumen, dem viele Menschen erliegen, denen die Materie eher fremd ist: „Die Systeme werden immer kleiner, immer flexibler.“ Im komfortablen Raumschiff Enterprise von Galaxie zu Galaxie fliegen – diese Fantasie hat immer weniger mit der Entwicklung in der Raumfahrt zu tun. „Wir haben kleinere Systeme, die oftmals nah an der Erde fliegen“, sagt Hornung.

Bayern: Raumfahrttechnik soll voran getrieben werden

Es gibt einige Beispiele für die sinnvolle Anwendung von Raumfahrttechnik. Wichtig für den Klimaschutz könnte etwa sein, wenn Satelliten die Veränderungen der Meereshöhen präzise messen. Auch kann simuliert werden, welche Folgen Geländeveränderungen für die Verläufe von Flüssen haben. Und mit der Drohne „Horyzon“ lassen sich lebensrettende Defibrillatoren zu Menschen bringen, die in entlegenem Gelände einen Herzstillstand erleiden.

Im Campus Ottobrunn soll ein „Cluster“ entstehen, in dem Wissenschaft und Industrie eng miteinander verbunden sind. Einige Unternehmen wie Airbus und die Ariane-Group sind in der Nähe angesiedelt. Mirko Hornung setzt aber vor allem auf neue Start-Ups. Da die Fluggeräte kleiner und damit nicht mehr so teuer sind, seien weniger Investitionen nötig.

Als Paradebeispiel wird die Firma „Isar Aerospace“ genannt, einst von drei TUM-Studenten gegründet. Sie erhielten schon Gründer-Preise und stellen kleine, günstige Raketen her, mit den wiederum viele kleine Satelliten ins All geschossen werden. Diese sind etwa wichtig für die Datenübermittlung auf die Erde. Man spricht bei dieser Entwicklung schon von der „Miniaturisierung“ der Raumfahrt. Kürzlich wurde bekannt gegeben, dass sich Porsche an Isar Aerospace beteiligt – die Autobauer haben offenkundig erkannt, dass PS-starke Boliden künftig nicht mehr das große Geld bringen werden.

Klimaschutz: Ist Raumfahrt umweltschädlich wegen des Kraftstoffverbrauchs und der Materialien?

Ist Raumfahrt umweltschädlich wegen des Kraftstoffverbrauchs und der Materialien? Der Nutzen durch Erkenntnisse etwa zum Klimawandel sei viel größer als der Schaden, meint Hornung. Anders etwa als bei aufwändigen Mars-Missionen – „aber die machen wir auch nicht jeden Tag“. Und was ist mit den Milliardären Bezos, Branson und Musk, die den Trip ins All vor allem für ihr Ego brauchen, wie viele monieren? „Ach ja“, schnauft Hornung ein wenig. Solche Privatflüge seien eine „interessante Nische“, immerhin würden sie das Thema an die Öffentlichkeit bringen.

Mirko Hornung leitet die neu gegründete Fakultät in Ottobrunn. Er hofft auf Erkenntnisse für einen besseren Klimaschutz. Fabian Vogl

Die bayerischen Weltraum-Umtriebe werden aber auch kritisch gesehen. Von „falscher Schwerpunktsetzung und Etikettenschwindel“ spricht die Grünen-Landtagsabgeordnete und Wissenschafts-Sprecherin Verena Osgyan. Es gebe beim Klimaschutz in Bayern „keine großen Erkenntnisdefizite mehr, allerdings ein Umsetzungsproblem“. Statt in den Weltraum sollte man lieber „in Forschung zur angewandten Klimaanpassung“ investieren. Die Gründung eines neuen Zentrums dafür habe die Staatsregierung aber erst zu Jahresbeginn abgelehnt. (Patrick Guyton)

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