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Barbies Welt ist so bunt wie das echte Leben.

Barbie wird 60

Pink wie eh und je

Barbie gehört seit nunmehr 60 Jahren in jedes vernünftig ausgestattete Mädchenzimmer - vorausgesetzt, Kind und Eltern sind Fans von gender-konformem Spielzeug. Dabei reicht der Einfluss der pink-perfekten Puppe weit über das Kinderzimmer hinaus.

Fast jeder hat eine Farbe, die er gerne trägt. Meistens ist das eine gedeckte Farbe wie Blau, manchmal sogar gar keine Farbe wie Schwarz. Und dann gibt es da noch Barbie, die in den vergangenen 60 Jahren wirklich alles in Pink angesammelt hat: Pinke Badeanzüge, pinke Tutus, pinke Reithosen und sogar pinke Astronautenanzüge. Frauenrechtlerinnen wie Stevie Schmiedel von der Organisation „Pinkstinks“ sehen so viel Monotonie im Kleiderschrank kritisch: „Mädchen wollen nicht genetisch bedingt mit pinkfarbenem Spielzeug spielen“, sagt sie.

Am 9. März wird Barbie 60 Jahre alt. Und fast genauso alt ist auch die Kritik an der unnatürlich dünnen Puppe mit ausgeprägter Oberweite inmitten ihrer Glitzer- und Konsumwelt, und zwar unabhängig von der Farbe ihrer Outfits. Barbies Geburtstag im Jahr 1959 fällt in eine Zeit, in der Frauen vor allem zart, kümmernd und hübsch sein sollten, sagt Schmiedel. „Allein, dass Barbie immer lächelt, verdeutlicht dieses Frauenbild.“ Von Frauen sei erwartet worden, sich zurückzuhalten, nicht zu viel Platz einzunehmen.

Das Barbie-Ideal setze sich bis in die heutige Zeit durch: Auch die sogenannten Influencerinnen in den sozialen Netzwerken seien häufig dünn und mimten „perfekte Frauen“ - ganz wie Barbie. Modezeitschriften wie die „Vogue“ oder „Harper‘s Bazaar“ machten im vergangenen Sommer sogar einen neuen „Barbie Feet“-Trend auf Instagram aus. Frauen hoben wie eine Barbie den Fuß an und stellten ihn auf die Spitzen - um auf ihren Bildern längere Beine zu haben und schlanker auszusehen. Models und Influencerinnen wie Kendall Jenner oder Bella Hadid sammelten mit solchen Posen Hunderttausende Likes.

Dass Frauen und Mädchen, die alten Stereotypen entsprechen, auf Instagram und YouTube am erfolgreichsten sind, bestätigt eine Studie der MaLisa Stiftung, die kürzlich von der Schauspielerin Maria Furtwängler und ihrer Tochter Elisabeth gegründet wurde. YouTuberinnen geben laut der Studie in ihren Videos hauptsächlich Schminktipps oder präsentieren Hobbies wie Basteln, Nähen oder Kochen. Ihre Kolleginnen auf Instagram seien in der Regel dünn, langhaarig und beschäftigen sich mit Themen wie Mode, Ernährung und Beauty.

Viele Menschen würden ein solches Frauenbild aber hinterfragen, sagt Schmiedel. Das hat anscheinend auch Barbies Mutterkonzern Mattel erkannt: „Du kannst alles sein“ verspricht die - überwiegend pinke - Barbie-Werbekampagne. Mädchen können Ärztinnen, Geheimagentinnen und Feuerwehrfrauen sein, heißt es - aber natürlich auch Prinzessinnen, Meerjungfrauen und „Fashionistas“.

Im Jahr 2016 hat Mattel auch Barbie-Puppen mit realistischeren Körperformen herausgebracht. Die Marke Barbie verändere sich ständig, sagt Mattel-Sprecherin Anne Polsak. Es sei wichtig, Stereotype aufzubrechen. Bereits vor einigen Jahren habe es einen Barbie-Werbespot mit einem Jungen gegeben. „Wir wollen nicht nur Mädchen ansprechen.“ Es sei dem Unternehmen außerdem wichtig, die Stärke von Mädchen zu zeigen. „Barbie war zum Beispiel schon im All, bevor der erste Mensch auf dem Mond war.“

„Eine Astronautenbarbie macht noch keinen Feminismus“, kritisiert Schmiedel. Die jüngsten Errungenschaften der Frauenbewegungen seien noch nicht im Kinderzimmer angekommen. Besonders kleine Mädchen spielten mit dem, was ihnen beigebracht werde zu mögen.

Schmiedels Organisation „Pinkstinks“ - übersetzt „Pink stinkt“ - protestiert nach eigenen Angaben gegen Sexismus und Homophobie. Menschen seien mehr als Pink und Blau, heißt es auf der Webseite der Organisation. Sie kritisiert insbesondere starre Geschlechtervorstellungen in Medien und Werbung. Verteufeln will sie Pink nicht: „Es ist nicht die Farbe, die stinkt, sondern die Tatsache, dass sie nur Mädchen zugeordnet wird.“

Denn Barbara Millicent Roberts, wie Barbie eigentlich heißt, ist natürlich nicht allein in den pink-rosa-lila Hälften der Spielzeugabteilungen. Geschlechterforscherin Schmiedel spricht von einem wenige Jahrzehnte altem Trend hin zu aggressivem Gender-Marketing. „Seit die Geburtenraten sinken, wird Spielzeug immer stärker nach rosafarbenem für Mädchen und blauem für Jungen aufgeteilt.“ Unternehmen hätten die Marktgruppe der Kinder für sich entdeckt.

Dass die Vorliebe von Mädchen für pinkes Spielzeug nicht natürlich ist, zeigten zwei Forscherinnen der Universität Hong Kong mit Hilfe eines Experiments. Zu Beginn stellten sie fest, dass die teilnehmenden Kinder die Farben Blau und Rosa eindeutig einem Geschlecht zuordneten. Danach gaben sie den Kindern geschlechtsneutrales grünes und gelbes Spielzeug und teilten sie in zwei Gruppen auf. Einer Gruppe erzählten sie, dass Gelb eine Mädchenfarbe sei - plötzlich mochten in dieser Gruppe die Mädchen gelbes Spielzeug lieber als grünes.

Sobald Kindern eine bestimmte Geschlechtsidentität beigebracht werde, passe sich ihr Verhalten an die Erwartungen an dieses Geschlecht an, erklärte Sui Ping Yeung, eine der Forscherinnen. Diese Erwartungen würden sie auch im weiteren Leben leiten, zum Beispiel wenn es um Aufgaben im Haushalt wie Kochen, Putzen oder Reparaturen gehe.

Wirtschaftlich kann der Hersteller mit Barbie zufrieden sein: Der Umsatz stieg nach Angaben von Mattel in den vergangenen fünf Quartalen konstant, allein zwischen Oktober und Dezember 2018 wurde ein zwölfprozentiges Plus verzeichnet. Ob sich der Konzern aber irgendwann vom pinken Marketing entfernt, ist fraglich. „Es ist schwierig, eine Farbe, die man mit einer Marke verbindet, plötzlich zu verändern“, sagt Sprecherin Polsak. Pink stünde zudem als „Farbe für Power“. Wie es scheint, wird Barbie wohl auch bei ihrem nächsten runden Geburtstag in einer pinken Packung vom Band laufen. (epd)

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