Mittelmeer: Das Rettungsschiff Louise Michel, das von dem renommierten Künstler Banksy finanziert wird, fährt über das Mittelmeer.
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Das Rettungsschiff „Louise Michel“ kann sich mit mehr als 200 Migranten an Bord nicht länger sicher fortbewegen.

Seenotrettung

Mehr als 200 Geflüchtete an Bord: Rettungsschiff „Louise Michel“ bittet um Hilfe

  • Christian Stör
    vonChristian Stör
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Das vom britischen Künstler Banksy gestiftete Rettungsschiff „Louise Michel“ rettet binnen zwei Tagen mehr als 200 Geflüchtete aus dem Mittelmeer. Nun fordert Sea-Watch Hilfe an.

  • Streetart-Künstler Banksy unterstützt ein Rettungsschiff von Sea-Watch
  • Die deutsche Aktivistin Pia Klemp ist die Kapitänin der MV Louise Michel
  • Banksy ist bekannt für seine gesellschaftskritischen Werke

+++ 13.40 Uhr: Während das Sea-Watch-Rettungsschiff „Louise Michel“ weiter mit 219 Geflüchteten an Bord im Mittelmeer mehr oder weniger bewegungsunfähig im Mittelmeer liegt, hat sich nun auch erstmals der britische Street-Art-Künstler Banksy zu Wort gemeldet. Der Künstler, von dem nur bekannt ist, dass er aus Bristol im Südwesten Englands stammt und Ende der 90er Jahre nach London kam, hat nun auf auf seinem Instagram-Account ein kurzes Video veröffentlicht und mit Untertiteln versehen: „Wie die meisten Menschen, die es in der Kunstwelt zu etwas gebracht haben, habe ich mir eine Jacht zugelegt, um damit im Mittelmeer eine Kreuzfahrt zu machen. Es ist ein französisches Marineschiff, das wir zu einem Rettungsboot umgebaut haben. Denn die EU-Behörden pflegen ja Notrufe von Nicht-Europäern geflissentlich zu ignorieren.“

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. . mvlouisemichel.org

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+++ 12.00 Uhr: Die Situation auf dem Sea-Watch-Rettungsschiff „Louise Michel“ bleibt unverändert kritisch. Noch immer appelliert die Crew an die EU, die italienische Küstenwache und das maltesische Militär, bitte umgehend zu handeln. „Das sind die Überlebenden, denen Sie den Rücken kehren“, hieß es in einem Tweet, der mit einem Video-Clip versehen war. „Nachdem sie unbeschreiblichem Entsetzen und Unmenschlichkeit entkommen sind, brauchen sie einen Ort der Sicherheit. Sie müssen nun sofort handeln.“ Doch noch immer wartet die „Louise Michel" auf Reaktionen.

Banksy-Rettungsschiff „Louise Michel" fordert Hilfe an

Update vom Samstag, 29.08.2020, 10.05 Uhr: Gerade erst wurde bekannt, dass die „Louise Michel“ der deutschen Organisation Sea-Watch vom britischem Street-Art-Künstler Banksy gestiftet worden ist. Doch die Kapazitäten des Rettungsschiffs sind begrenzt. Nach einer zweiten Rettungsaktion im Mittelmeer hat die „Louise Michel“ nun die italienische Küstenwache und das maltesische Militär per Twitter um Hilfe gebeten.

Nach einer ersten Rettungsaktion am Donnerstag, bei der 89 Menschen gerettet worden waren, habe das Schiff am Freitag 130 weitere Migranten von einem sinkenden Schlauchboot gerettet, darunter viele Frauen und Kinde. Außer der zehnköpfigen Crew seien nun 219 Geflüchtete an Bord der „Louise Michel“, das Deck sei völlig überladen.

„Wir brauchen sofort Hilfe.“ Es gehe nicht an, dass die Migranten in einem Seenotrettungsgebiet der Europäischen Union im Stich gelassen würden. An Bord befinde sich bereits ein Toter, andere seien verletzt. Sea-Watch International bat ebenfalls bei Twitter um Hilfe.

33 Menschen müssten noch in einem am Schiff befestigten Rettungsboot ausharren. Aus beiden Gründen sei die „Louise Michel“ nun „bewegungsunfähig“. Die Menschen seien tagelang auf See gewesen und benötigten dringend Hilfe. Die Behörden in Italien und Malta reagierten nach Angaben der Crew zunächst nicht auf den Notruf.

Laut der Website Marinetraffic lag die unter deutscher Flagge fahrende „Louise Michel“ am Samstagmorgen rund 90 Kilometer südöstlich der italienischen Insel Lampedusa.

Street-Art-Künstler Banksy hilft deutscher Rettungsorganisation Sea-Watch

Erstmeldung vom 28.08.2020: London – Banksy hat es wieder getan. Der gesellschaftskritische Streetart-Künstler unterstützt ein Schiff zur Rettung von Geflüchteten im Mittelmeer. Und mehr noch: Banksy hat die MV Louise Michel der deutschen Rettungsorganisation Sea-Watch selbstverständlich gleich auch noch bemalt – und zwar mit einem Mädchen, die eine Schwimmweste trägt und einen herzförmigen Rettungsring in der Hand hält.

Banksy unterstützt Sea-Watch.

„Ein von #Banksy gesponsertes und bemaltes Schiff“, twitterte die Rettungsorganisation am späten Donnerstagabend (27.08.2020). „Wir freuen uns über die pinke Verstärkung!“ Das Schiff ist am 18. August in Valencia ausgelaufen und befindet sich nun im Mittelmeer. Nun wird ein sicherer Hafen gesucht, um die Passagiere von Bord zu bringen.

Wie aber ist es dazu gekommen, dass Banksy der Rettungsorganisation Sea-Watch unter die Arme greift? Laut der britischen Tageszeitung „Guardian“ geht Banksys Beteiligung an der Rettungsaktion auf eine E-Mail zurück, die er im September 2019 an die deutsche „Sea-Watch“-Kapitänin Pia Klemp geschickt hatte.  „Hallo Pia, ich habe über deine Geschichte in der Zeitung gelesen. Du klingst wie ein knallharter Typ“, zitiert die Zeitung aus der Nachricht, die Klemp zunächst für einen Scherz hielt. 

Banksy habe weiter geschrieben, dass er ein Künstler aus Großbritannien sei und einige Arbeiten über die Migrationskrise gemacht habe. „Natürlich kann ich das Geld nicht behalten. Könntest Du es verwenden, um ein neues Boot oder so etwas zu kaufen? Bitte lass es mich wissen. Gut gemacht. Banksy.“

Banksy unterstützt Sea-Watch: Die deutsche Aktivistin Pia Klemp ist die Kapitänin der MV Louise Michel

Pia Klemp glaubt mittlerweile, Banksy habe sie wegen ihrer politischen Einstellung ausgewählt. „Ich sehe die Seenotrettung nicht als eine humanitäre Aktion, sondern als Teil eines antifaschistischen Kampfes“, sagte sie dem „Guardian“. Die Crew des Schiffes, das nach de französischen Anarchistin Louise Michel benannt ist, besteht laut Sea-Watch aus erfahrenen Seenotrettern aus ganz Europa. Banksy selbst ist nicht an Bord, seine Beteiligung an den Operationen von Sea-Watch beschränkt sich auf die finanzielle Unterstützung. „Banksy wird nicht so tun, als wüsste er besser als wir, wie man ein Schiff führt“, sagte Pia Klemp. „Und wir werden nicht so tun, als seien wir Künstler.“

Die 31 Meter lange Motorjacht ist zwar kleiner als die anderen Schiffe der Sea-Watch-Flotte, aber wesentlich schneller als andere NGO-Rettungsschiffe. Die „Louise Michel“ könne „hoffentlich die sogenannte libysche Küstenwache überholen“, bevor diese Boote mit Geflüchteten und Migranten erreiche und sie in die Internierungslager in Libyen zurückbringe, so Klemp.

Banksy ist bekannt für gesellschaftskritische Werke

Banksy machte sich mit gesellschaftskritischen Motiven einen Namen. Erst vor kurzem ehrte er die Krankenschwestern in Großbritannien als Corona-Heldinnen. Im Oktober 2019 traf sein Schimpansen-Gemälde mit dem Titel „Devolved Parliament“ („Dezentralisiertes Parlament“) den Nerv der Brexit-Zeit – und wurde für die stolze Summe von 9,8 Millionen Pfund (11,06 Millionen Euro) im Londoner Auktionshaus Sotheby’s versteigert. 

Banksy war davon allerdings überhaupt nicht begeistert. „Eine Schande, dass es nicht mehr mir gehörte“, schrieb er damals auf Instagram und postete dazu ein Zitat des Kunstkritikers Robert Hughes. Darin heißt es, Kunstwerke seien zum „speziellen Eigentum von jemandem geworden, der es sich leisten kann“, anstatt „das gemeinschaftliche Eigentum der Menschheit zu sein“, wie es bei Büchern der Fall sei. „Angenommen jedes lohnenswerte Buch würde eine Million Dollar kosten - stellen Sie sich vor, welch katastrophale Auswirkung das auf die Kultur hätte.“

Banksy schreddert eigenes Bild 

Schon vorher hatte Banksy bei einer anderen Sotheby’s-Versteigerung für Schlagzeilen gesorgt, als er sein vielleicht berühmtestes Gemälde „Girl with a Balloon“ (Mädchen mit Ballon) zerstörte. Kaum war der Hammer bei einem Preis von 1,04 Millionen Pfund gefallen, ertönte ein Warnsignal, ehe vor aller Augen die Hälfte des Blattes in einem Schredder verschwand, der im unteren Rand des Goldrahmens verborgen war. Übrig blieb nur der obere Teil, der Rest hing in Streifen herunter. (Christian Stör)

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