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Ballermann-Hit „Layla“: sexistisches Lied erntet Millionen Klicks

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Von: Andreas Sieler

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Beim Partypublikum am Ballermann kommt „Layla“ von DJ Robin und Schürze gut an.
Beim Partypublikum am Ballermann kommt „Layla“ von DJ Robin und Schürze gut an. © dpa

Der Ballermann-Hit „Layla“ von DJ Robin & Schürze strotzt vor Sexismus - und landet auf Platz Eins in den Charts. Unsere Kolumne „Was soll das?“

Ein Textauszug: Ich hab‘ ‚nen Puff und meine Puffmama heißt Layla. Sie ist schöner, jünger, geiler.“ Dieser lyrische Erguss ist der Beginn des Refrains eines neuen Ballermann-Hits. Was in manchen Kreisen verwundern dürfte: Das Lied steht seit Ende Juni auf Platz Eins der deutschen Single-Charts, die Macher – DJ Robin & Schürze – feiern Millionen Klicks auf Youtube, Spotify und Co.

Das Lied selbst folgt gängigen Regeln für Chart-Hits: einfache Beats und eine eingängige Melodie, die sich auch noch mitgrölen lässt, wenn man längst nicht mehr laufen kann. Aus der Ich-Perspektive wird der Sänger (eigentlich sind es zwei) von einem Mann in dessen „Puff“ verleitet, wo ihn das „Luder“ Layla, „Geile Figur, blondes Haar“, entzückt. Dass in dem dazugehörigen Musikvideo Layla von einem Mann gespielt wird, macht es nicht wirklich besser.

Ballermann-Hit „Layla“: Sexismus-Debatte beginnt

Doch während das Ballermann-Publikum im Bierkönig grölt, ist über das Lied an anderer Stelle wenig überraschend eine Sexismus-Debatte am Köcheln, wenn auch (noch) auf Sparflamme. Immerhin stören sich manche daran, dass Sexismus – im Sommer 2022 – offenbar plötzlich wieder salonfähig ist. #MeToo? #Me-was? War was?

Ins Zentrum der Sexismus-Vorwürfe gerieten zunächst öffentlich ausgerechnet ein paar Fans des Songs – zu finden beim CDU-Nachwuchs der Jungen Union (JU) Hessen. Deren Chef Sebastian Sommer ist in einem Videoclip auf dem Landestag im Juni zu sehen, wie er zum Takt des Liedes klatschend seine Schäfchen auf der Bühne versammelt. Zwar blickten einige offenbar peinlich berührt gen Boden, half aber nichts mehr. Sophie Frühwald, Landeschefin der hessischen Jusos, stellte das quälend lange Video auf Twitter und warf der JU vor „auf der Bühne blanken #Sexismus zur Schau zu stellen“, was von einigen Medien aufgegriffen wurde. Mit etwas Sarkasmus und viel gutem Willen könnte die Liedwahl der JU nach dem Eklat um den Wehrmachts-Hit „Westerwaldlied“ in einer Berliner Kneipe vor einigen Jahren allerdings auch als Fortschritt betrachtet werden.

Musikwissenschaftler: „Layla“ von DJ Robin & Schürze ist „hochgradig sexistisch“

Doch auch andere stören sich an dem Lied „Layla“: Es sei „hochgradig sexistisch“ und „toxische Männlichkeit in einen Prollo-Hit gegossen“, kritisierte der Musikwissenschaftler Markus Henrik dieser Tage gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Er vermutet darin auch eine unterbewusste Antwort auf die #MeToo-Debatte, frei raus: “‚Hier ist jetzt mal kurz alles egal‘“.

Die beiden Macher des Stücks, mit bürgerlichen Namen Robin Leutner und Michael Müller, würden rein optisch auch bei der Jungen Union nicht weiter auffallen. Falls der sexistische Text reines Kalkül für das Ballermann-Erfolgsrezept war, ging die Rechnung auf. Nach außen geben sie sich unbescholten: so spiele auch ein Mann die Layla, „weil wir ja gar nicht darauf aus sind, da Sexismus reinzubringen“, sagte Schürze in einem Interview. Logisch. Die Abwertung des anderen Geschlechts zum reinen Sexobjekt – was kann daran bloß sexistisch sein? Offener gab sich Produzent Dominik de Léon gegenüber dem „Spiegel“: der Song sei alles andere als politisch korrekt und mit einem Songthema müsse man sich wahlweise identifizieren oder das Thema müsse polarisieren. Letzteres könnte das Geheimnis sein. In den Kommentarspalten insbesondere auf Youtube wird der Song über die Maßen gefeiert, wobei die Kritiker:innen sich dort verständlicherweise nicht rumtreiben.

Ein Stück weit erinnert die aufkommende Debatte denn auch an die leidige Diskussion um das Donaulied. Nur dass dort anfangs selbst diejenigen in die Schussbahn geraten sind, die den Text, die Verherrlichung einer Vergewaltigung, angeprangert hatten. Der Erfolg von DJ Robin & Schürze lässt einem derweil mit dem unguten Gefühl zurück, dass Deutschland beim Thema Sexismus wieder einmal etwas Diskussionsbedarf hat. Denn Sexismus ist zwar allgegenwärtig, „mal kurz egal“ ist er aber nie.

Mehr Informationen finden Sie unter www.fr-online.de

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