1. Startseite
  2. Panorama

Balkanstaaten schlecht gerüstet

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Thomas Roser

Kommentare

Feuer in der Region Achaia bei Platanovrisi (Peloponnes): Allein in Griechenland wurden am Wochenende 119 Waldbrände gemeldet.
Feuer in der Region Achaia bei Platanovrisi (Peloponnes): Allein in Griechenland wurden am Wochenende 119 Waldbrände gemeldet. © Imago

Südosteuropa hat aus den letzten Waldbrandjahren kaum Lehren gezogen

Selbst Unwetter sorgen in den völlig ausgetrockneten Mittelmeer-Ländern für die Ausbreitung der Feuerbrunst. Bei regenlosen Gewittern lösten Blitzeinschläge am Wochenende in Kroatien neue Waldbrände unweit der dalmatinischen Gemeinde Dugopolje aus. „Es gibt viel mehr Brände als im Vorjahr“, berichtet besorgt der Chef von Kroatiens Feuerwehr, Slavko Tucakovic.

Noch wüten die Waldbrände im diesjährigen Hitzesommer vor allem in den westlichen Mittelmeerstaaten. Doch die anhaltende Hitzewelle hat auch im Südosten Europas die Böden und Wälder völlig austrocknen, Quellen und Wasserläufe versiegen lassen: In Istrien, Kroatiens beliebtester Touristenregion, ist seit Montag der Wasserverbrauch strikt reguliert.

Von Slowenien bis Bulgarien sind die Feuerwehrkräfte wegen der erhöhten Brandgefahr in Alarmbereitschaft: Allein in Griechenland wurden am Wochenende 119 Waldbrände gemeldet. Auf die absehbare Ausbreitung des sommerlichen Infernos ist der Südosten Europas aber erneut erstaunlich schlecht vorbereitet. „Die meisten Balkanstaaten haben aus den Waldbränden des letzten Jahres nichts gelernt“, konstatiert die Balkan-Agentur „BIRN“ in einer Analyse der Ausrüstung der Feuerwehr der Region: „Sie sind für die Bekämpfung der Brände schlecht vorbereitet.“

Unzugängliche Berggebiete und abgelegene Inseln: Wirksam lassen sich Waldbrände auf der Balkanhalbinsel nur aus der Luft bekämpfen. Doch es ist nicht nur der Mangel an Mitteln zum Kauf oder dem Leasen von Löschflugzeugen und Hubschraubern, sondern auch deren nachlässige Wartung, die für Probleme sorgen. Im Sommer wird über die mangelnde Ausrüstung der Feuerwehr gerne geklagt. Im Herbst ist das Problem meist schnell vergessen.

Griechenland ist vorbereitet

Nur Griechenland hat nach den katastrophalen Bränden 2021 die Luftflotte der Feuerwehr kräftig aufgerüstet. Statt zuvor 78 gibt es an der Ägäis jetzt 93 Löschflugzeuge, gleichzeitig hat Athen die Zahl von auch für Löscheinsätze geeigneten Helikoptern durch neue Leasingverträge erhöht.

Düster sieht es hingegen in den meisten anderen Staaten aus. Von den zwölf Löschflugzeugen der kroatischen Feuerwehr sind derzeit nur sieben einsatzfähig, weil der mit der Überholung beauftragte Staatsbetrieb ZTC in Zeitverzug geraten ist: Laut einem Bericht von „Jutarnji List“ will Kroatiens Feuerwehr diese künftig in Italien überholen lassen.

Auch in Montenegro fallen derzeit alle drei Löschflugzeuge wegen Reparaturarbeiten aus. Immerhin verfügt der Küstenstaat noch über vier Lösch-Helikopter. Flugunfähig sind derzeit auch die Löschflugzeuge in Nordmazedonien: Mehrmals musste Skopje in diesem Sommer bereits die fliegende Löschhilfe von Nachbarstaaten anfordern. Ähnlich trostlos ist es laut BIRN um die Ausstattung der Feuerwehr in Bulgarien, Bosnien und Herzegowina sowie im Kosovo bestellt: Der Staatenneuling verfügt über keinerlei Löschflugzeuge oder Hubschrauber.

Neben ihrer oft schlechten Ausrüstung macht den Brandbekämpfern auf dem Balkan auch die miese Bezahlung zu schaffen. Selbst beim EU-Mitglied Kroatien zahlt die Feuerwehr den angeheuerten Saisonkräften laut „index.hr“ nur 8000 Kuna (1064 Euro) brutto pro Monat für den lebensgefährlichen Job – und hat auf dem leer gefegten Arbeitsmarkt Probleme, genügend Einsatzkräfte zu finden. Die Abwanderung ist auch ein Grund, dass mehr Grundstücke verwildern – was wiederum die Ausbreitung von Waldbränden begünstigt.

Auch interessant

Kommentare