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Balkanroute: Erwachsene schlagen und missbrauchen flüchtende Kinder sexuell

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Von: Moritz Serif

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Im Jahr 2018 überlegte sich die bosnische Regierung neue Maßnahmen gegen Hunderte Migranten auf dem Weg nach Westeuropa an der Grenze Bosniens zu Kroatien. In Maljevac in Bosnien-Herzegowina versucht ein bosnischer Polizist, Kinder, die Plakate in den Händen halten, zu überzeugen, von der Straße zu gehen.
Im Jahr 2018 überlegt sich die bosnische Regierung neue Maßnahmen gegen Hunderte Migranten, die auf dem Weg nach Westeuropa an der Grenze Bosniens zu Kroatien landen.  © Amel Emric/dpa

Kinder müssten im Freien übernachten oder mit fremden Erwachsenen in heruntergekommenen Gebäuden hausen. Es droht ständig die Gefahr, missbraucht zu werden.

Brüssel – Kinder, die über die Balkanroute in Richtung EU flüchten, werden von Erwachsenen geschlagen und sexuell missbraucht. Laut Bericht der Organisation Save the Children gebe es ein „enormes Ausmaß von Gewalt und einen eklatanten Mangel an Schutzvorkehrungen für minderjährige Geflüchtete in Europa“.

Auf ihrer Reise seien Kinder immer wieder Polizisten, Menschenschmugglern und anderen fremden Personen schutzlos ausgeliefert, erklärte die Hilfsorganisation am Dienstag (13. September) in Berlin. Sie fühlten sich hilflos und alleingelassen, teils mit Folgen, die die Entwicklung dauerhaft beeinträchtigten. Es käme häufig zu Gewalt.

Balkanroute: Kinder flüchten in die EU und sind Gewalt ausgesetzt

Grundlage des Reports sind ausführliche Interviews mit 48 Kindern im Alter von 13 bis 19 Jahren in den Nicht-EU-Ländern Serbien und Bosnien-Herzegowina. Sie seien im Schnitt bereits seit vier Jahren auf der Flucht gewesen. Save the Children macht dafür vor allem die Europäische Union verantwortlich.

„Weil sich Europa auf die Abschreckung von Ankommenden konzentriert, sind Kinder schockierender Gewalt durch Polizei und Grenzschutz ausgesetzt - Gewalt, die ungestraft bleibt“, sagte Direktorin Ylva Sperling. Die EU und die Regierungen müssten unverzüglich handeln. „Sie sollten Kindern auf der Flucht den Zugang zu sicheren, geregelten und legalen Migrationsrouten ermöglichen.“

Balkanroute: Viele Fälle von Selbstverletzungen

Vor allem unbegleitete Kinder auf der Flucht seien gefährdet, Opfer von Gewalt zu werden, hieß es. Viele müssten im Freien übernachten oder „mit fremden Erwachsenen in heruntergekommenen Gebäuden hausen - unter der ständigen Gefahr, geschlagen oder sexuell misshandelt zu werden“. Meist handele es sich bei den Tätern um Erwachsene in Machtpositionen, wie etwa Grenzpolizisten und Schleuser. Kinder würden außerdem teils in gefängnisähnlichen Unterkünften untergebracht und nicht über ihre Rechte aufgeklärt.

Insbesondere alleinreisende Jungen, die deutlich häufiger ohne Begleitung unterwegs sind als Mädchen, seien einem erheblichen Risiko ausgesetzt, Opfer sexueller Gewalt zu werden. Viele Kinder und Jugendliche kompensierten das Erlebte mit Alkohol und Drogen. Zudem gebe es viele Fälle von Selbstverletzungen bis zu versuchten Selbsttötungen.

Save the Children fordert EU zum Handeln auf

Die Europäische Union und die Regierungen müssten unverzüglich handeln, forderte Sperling. „Sie sollten Kindern auf der Flucht den Zugang zu sicheren, geregelten und legalen Migrationsrouten ermöglichen, damit sie nicht länger den in diesem Bericht dokumentierten Torturen ausgesetzt sind.“ (mse/dpa/epd)

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