Berufsverkehr

Zahl der Pendler steigt an – Städte stehen vor Herausforderung

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Die Zahl der Pendlerinnen und Pendler steigt. Das belastet nicht nur Betroffene, sondern stellt auch Städte vor neue Herausforderungen.

  • Die Zahl der Pendler in Deutschland steigt.  
  • Tägliches Pendeln kann die Gesundheit der Pendler belasten. 
  • Die Städte stehen vor großen Herausforderungen. 

Steht man selbst täglich in vollen Zügen und oder auf verstopften Autobahnen, fällt es nicht schwer zu glauben, dass die Anzahl der Pendlerinnen und Pendlern im Berufsverkehr in den vergangenen Jahren stetig gestiegen ist.

Doch die tägliche Fahrt zur Arbeit kann vor allem bei Fernpendlern zur gesundheitlichen Belastung werden. Dabei handelt es sich um Personen, die täglich mindestens 120 Minuten - also für Hin- und Rückweg jeweils eine Stunde - brauchen. Diese seien insbesondere von Schlafstörungen, Müdigkeit und allgemeiner Erschöpfung betroffen, berichtet Anne Marit Wöhrmann von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Bahn (DB): Stressgefühl der Pendler wird durch unterschiedliche Faktoren beeinflusst 

Diese Symptome entstünden zum einen durch das frühe Aufstehen, zum anderen auch durch den erhöhten Konzentrationsaufwand, den Autofahrer aufbringen müssen. Gerade Schlafprobleme seien häufig mit Stress verwandt, ergänzt die Psychologin. Insbesondere unvorhersehbare Ereignisse, seien es Stau oder verspätete Züge, würden zum Stressgefühl der Pendler beitragen.

Auch die Konsequenzen von Verspätungen, zum Beispiel die Frage, ob man nach der Arbeit das Kind rechtzeitig von der Kita abholen könne, erhöhten den Druck. Eine dauerhafte Stressbelastung könne wiederum weitere Probleme mit sich bringen, zum Beispiel auch die Verdauung beeinflussen.

Generell habe das Pendeln große Auswirkungen auf das Gleichgewicht zwischen Beruf und Privatleben, erklärt Wöhrmann. Entlastung könne eine Veränderung des Umfeldes schaffen. Falls möglich, könne man den Arbeitgeber um eine Anpassung der Arbeitszeiten bitten, etwa in Form von Gleitzeit, um der Rushhour ausweichen zu können. Eine andere Empfehlung: Öfter mal von zu Hause arbeiten und sich die Pendelei sparen. Da dies allerdings nicht in allen Berufen eine Option ist, empfiehlt Wöhrmann, den Arbeitsweg so gut es gehe für sich zu nutzen. „Das ist je nach Mensch unterschiedlich, aber man kann zum Beispiel ein Hörbuch hören, telefonieren oder sich in einer Fahrgemeinschaft mit anderen unterhalten.“ Prinzipiell gehe es darum, auf dem Weg abzuschalten, um so abends besser entspannen zu können.

Bahn (DB): Effizientes Pendeln kann Lebensqualität verbessern 

Mehr noch als den individuellen Stress zu reduzieren, könne die Steuerung über Pendlerströme aber auch allgemein die Lebensqualität von Menschen in Ballungsräumen steigern. Denn mit effizienteren Arbeitswegen seien massiv CO2-Emissionen einzusparen. „Wenn man das als Gesellschaft schaffen würde, wäre das schon ein großer Schritt“, betont Stefanie Bremer von der Universität Kassel. Die Professorin leitet dort den Forschungsbereich Integrierte Verkehrsplanung und Mobilitätsentwicklung. Derzeit arbeitet Bremer an einem europäischen Forschungprojekt zu dem Pendler-Korridor zwischen Hamburg und Pinneberg.

Um Probleme wie Stau und Überlastung der öffentlichen Verkehrsmittel zu lösen, gebe es keine einfache Lösung, die für alle Kommunen geeignet sei, weiß die Forscherin. „Man muss passgenaue Pakete schnüren und genau auf die Städte schauen.“ Auch mit den Pendlerinnen und Pendlern selbst müsse man darüber sprechen.

Bahn (DB):  „Es gibt viele kleinteilige Realitäten bei den Pendlern“

Erst wenn man deren Bedürfnisse ermittelt habe, könne man verschiedene Konzepte entwickeln. In Gebieten außerhalb der Stadt böte sich neben den klassischen Bussen und Bahnen an, mehr auf kleinere Fahrgemeinschaften zu setzen. „Es gibt viele kleinteilige Realitäten bei den Pendlern“, sagt Bremer und warnt vor voreiligen Maßnahmen. Für eine Fehlplanung, sagt sie, müssten im Nachhinein nämlich alle zahlen.

Angesichts der vielen Facetten des Pendlerverkehrs braucht es laut Bremer eine ganzheitliche Herangehensweise. „Wir sind alle gefragt“, mahnt sie. Man könne nicht einfach nur Unternehmen oder Städten den schwarzen Peter zuschieben.

Auch die Wohnungspolitik könne die Situation für Pendlerinnen und Pendler verbessern. Wohnungsknappheit sowie teurere Mieten in den Städten seien mit schuld am überlasteten Berufsverkehr. Man müsse schon auf städtebaulicher Ebene versuchen, kürzere Wege zu schaffen.

Rund 3,4 Millionen Beschäftigte hatten im vergangenen Jahr ihren Arbeitsort nicht in dem Bundesland, in dem sie wohnen, das meldet die Bundesagentur für Arbeit.

Das war keine gute Woche für den Bahnverkehr in Deutschland. Fünf Unfälle oder Beinahe-Unfälle innerhalb von vier Tagen - die zwar glimpflich ausgingen. Aber alle Ereignisse hätten deutlich schlimmer enden können.*

Bahn (DB): Langer Weg zur Arbeit

Knapp 19 Millionen Arbeitnehmer verließen 2018 für die Arbeit ihre Gemeinde, rund 13 Millionen den Stadt- oder Landkreis, so das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung.

16,9 Kilometer betrug demnach der durchschnittliche Arbeitsweg in 2018. Besonders in Teilen der neuen Bundesländer legten Beschäftigte im Schnitt mehr als 30 Kilometer zurück.

Von Ost nach West pendelten rund 415.000 Beschäftigte, umgekehrt rund 178 000 von West nach Ost. Dass mehr Menschen von Ost nach West pendeln, sei auch Ausdruck der Niedriglöhne in den neuen Ländern, so die Experten.

Bei den Städten gibt es in München mit 390 000 die meisten Pendler, dicht gefolgt von Frankfurt mit 374 000, Hamburg mit 350 000 und Berlin mit 315.000 Beschäftigten. (dpa)

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Rubriklistenbild: © Andreas Arnold

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