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Hübsch, aber wehe, wenn es auf die Straße geht!

Autokorsos

Ein Hochzeitswagen kommt selten allein

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Hupen, blockieren, schießen: Mehrere Bundesländer wollen härter gegen Autokorsos vorgehen.

Ein freudiges Ereignis wächst sich derzeit in vielen Städten zum Problem aus: Autokorsos auf Hochzeitsfeiern. Längst wird von den Festgästen nicht nur gehupt, sondern auch der Straßenverkehr blockiert, werden andere Verkehrsteilnehmer genötigt oder es wird sogar mit Feuerwaffen geschossen – als Salutschüsse in die Luft. Nach dem Vorbild von Nordrhein-Westfalen planen deshalb mehrere Bundesländer, jetzt härter dagegen vorzugehen.

Das niedersächsische Innenministerium will den Umgang mit den Autokorsos „zeitnah in den Gremien der Polizei der Länder und des Bundes thematisieren“, sagt ein Sprecher auf Anfrage. Ziel sei, konsequenter gegen Straftäter und Verursacher vorgehen zu können. Inzwischen sei nämlich bundesweit festzustellen, dass die Fahrt zur Hochzeit „von bestimmten Gruppierungen dazu genutzt wird, Straftaten oder erhebliche Ordnungswidrigkeiten zu begehen“.

Erst vorvergangene Woche wurde bei einem Hochzeitskorso auf einer niedersächsischen Bundesstraße wieder aus einem Auto geschossen. Und in Nordrhein-Westfalen wurde die Polizei allein am Osterwochenende zu 38 Einsätzen mit Hochzeitkorsos gerufen. Bei Gladbeck sollen rund 50 Fahrzeuge die Autobahn A52 blockiert haben. Laut Zeugen zündeten Hochzeitsgäste dabei Pyrotechnik und beleidigten Fahrer, die wegen des Korsos im Stau standen. In Köln zählte die Polizei 50 Fahrzeuge, die bei einer Hochzeit in zweiter Reihe parkten.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte sich bereits vergangene Woche in die Debatte eingemischt und gewarnt: „Autobahnen und Innenstädte sind keine privaten Festsäle.“ Als Anlass nannte sein Ministerium vergangene Woche explizit „Feiernde mit Migrationshintergrund“. Reul sagte weiter: „Wenn Hochzeitsgesellschaften sich und andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr bringen, werden die Toleranzgrenzen unserer Gesellschaft klar überschritten.“

Berliner Polizei beschäftigt sich mit Hochzeitskorsos

Auch die Berliner Polizei beschäftigt sich schon seit einiger Zeit mit den Hochzeitkorsos, erklärte die Senatsverwaltung für Inneres dem RND. Allerdings seien Straftaten „wegen der Kurzfristigkeit der Aktionen“ oft nicht mehr feststellbar, wenn die Polizei eintrifft. Jetzt plane Berlin, Teilnehmer der Hochzeitskonvois im Fall von Belästigung „einer intensiven verkehrsrechtlichen Überprüfung zu unterziehen“, so ein Sprecher der Innenverwaltung.

In Bremen versucht die Polizei bereits seit zwei Jahren durch intensive Aufklärungsarbeit die Lage zu verbessern, sagte eine Sprecherin des Innenressorts auf Anfrage. So informiere die Polizei „mit zweisprachigen Flyern in Deutsch und Türkisch über das richtige Verhalten im Straßenverkehr“. Zum anderen schreite die Polizei bei Verstößen strikt ein.

Statistische Angaben über das Ausmaß des Problems liegen in den meisten Bundesländern noch nicht vor. In Baden-Württemberg gibt es aber genaue Zahlen über die Vorfälle in den letzten vier Jahren: Allein auf Autobahnen seien in dort den letzten vier Jahren fünf Blockade-Aktionen „durch Autokorsos von türkischen oder arabischen Personengruppen“ bekannt geworden, sagte ein Sprecher des Innenministeriums dem RND.

Auf anderen Straßen wurden in Baden-Württemberg seit 2015 insgesamt 86 Vorfälle polizeilich registriert. Das geht aus Antworten auf Anfragen der AfD-Fraktion im Landtag hervor. Insgesamt stellte die Polizei dabei 31 Straftaten fest. In den meisten Fällen – zwölf Mal – lagen Verstöße gegen das Waffengesetz vor. Zudem mussten sich Korso-Teilnehmer unter anderem wegen fahrlässiger Körperverletzung, Nötigung, Beleidigung, Fahren ohne Fahrererlaubnis und Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz verantworten. Einmal kam es zu einem Verkehrsunfall.

Allerdings sehen nicht alle Bundesländer die Hochzeitkorsos als wirklich großes Problem an. Dem bayerischen Innenministerium etwa seien keinerlei Probleme mit Autokorsos von Hochzeitsgesellschaften bekannt, erklärte ein Sprecher auf Anfrage. Und auch der Hamburger Behörde für Inneres „ist keine Problemlage bekannt“, sagt ein Sprecher: „Es ist in Hamburg wirklich kein Thema. Wir wollen es nicht überdramatisieren.“

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