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Mel Gibson hat in Hollywood verspielt.

Hollywood-Rituale

Auszeit für Mad Mel

Frauenfeind, Trunkenbold, Rassist: Diese Rollen spielt Hollywoodstar Gibson privat. Auf der Leinwand wird er die Chance so bald nicht wieder bekommen.

Von Nina Rehfeld

Frauenfeind, Trunkenbold, Rassist: Diese Rollen spielt Hollywoodstar Gibson privat. Auf der Leinwand wird er die Chance so bald nicht wieder bekommen.

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die die größten Kreise ziehen. Nachdem in der vergangenen Woche Mel Gibsons geplanter Auftritt in der Fortsetzung der Kater-Komödie „The Hangover“ platzte, gilt vielen in Hollywood die Karriere des 54-Jährigen als offiziell beendet. Es war nur ein kleiner Filmpart: Gibson sollte einen Tätowierer mimen, dessen Arbeit eine zentrale Rolle bei einer weiteren durchzechten Nacht der Figuren in Thailand spielt. Doch mehrere Beteiligte des Films – darunter offenbar der heimliche „Hangover“-Star Zach Galifianakis – hatten sich der Zusammenarbeit mit Gibson verweigert. Regisseur Todd Phillips gab schließlich bekannt, er habe sich dem Willen des Teams gebeugt.

Derartiges geschieht nicht zum ersten Mal hinter Hollywoods Studiotoren. Doch die Meuterei gegen einen zweifachen Oscarpreisträger per Presseerklärung zu verbreiten, ist eine nie dagewesene Schmach.

Längst gehört die öffentliche Abbitte zum PR-Ritual des amerikanischen Entertainment, wo eine ganze Branche vom Aufbau, der Pflege und der Reparatur von Images lebt. Isiah Washington musste sich für schwulenfreindliche Bemerkungen gegen seinen Kollegen T.R. Knight auf dem Set von „Grey´s Anatomy“ entschuldigen. Tom Cruise musste Abbitte für harsche Worte gegen Brooke Shields leisten. Auch Gibson bat, nach seinem antisemitischen Ausfall gegenüber Verkehrspolizisten 2006, um Vergebung. Damals hatte ihn Schauspiel-Kollegin Whoopi Goldberg öffentlich in Schutz genommen, mit der zugegeben zweischneidigen Aussage: Gibson sei zwar ein Dummkopf, aber kein Rassist oder Antisemit. Inzwischen finden sich kaum noch Fürsprecher.

Voll „dunkler, tiefer Wut“

Das Hollywoodleben ist schon für Menschen mit stabiler Psyche eine Prüfung: Die haltlose Verehrung der Fans, gepaart mit den genüsslichen Erniedrigungen durch die Klatschpresse, sind eine Tour de Force fürs Selbstvertrauen. Und die Hätschelei durch Manager und Gefolge verschieben die Grenzen der Realität ins Absurde.

Das gefährliche Lodern im Blick ist zum Markenzeichen von Gibsons Filmfiguren geworden – beim Rächer in „Mad Max“, dem selbstmörderischen Polizisten in „Lethal Weapon“, dem Aufständische William Wallace in „Braveheart“. Und der immense öffentliche Druck, endlich seine inneren Dämonen zu bändigen, scheint die „dunkle, tiefe Wut“, zu der Gibson sich 2006 bekannte, bloß verschärft zu haben.

Gibsons Leben ist von Extremen gezeichnet. Sein Vater, ein strenggläubiger Katholik, verpflanzte die Familie von New York nach Australien, als Mel zwölf war. Die frühen Jahre seiner Karriere verbrachte er abwechselnd mit besinnungsloser Arbeit und monatelangen Rückzügen. Nach 29-jähriger Ehe mit Robyn Moore, aus der sieben Kinder hervorgingen, bekam Gibson Ende 2009 mit Oksana Grigorieva ein achtes Kind – wenige Monate, bevor Grigorieva Gibson wegen gewalttätiger Übergriffe anzeigte.

Morddrohung gegen die Ex

Die Wut brach sich erneut Bahn. Im Februar nannte Gibson einen Reporter vor noch laufender Kamera ein „Arschloch“, im April wurden die hässlichen Streitereien zwischen Gibson und Grigorieva öffentlich. Bald darauf zirkulierten Tonaufnahmen im Internet, auf denen ein angetrunkener Mann, angeblich Gibson, zugibt, Grigorieva einen Zahn ausgeschlagen zu haben: „Weißt du was?, ist da zu hören, „du hattest es verdammt noch mal verdient.“ Schließlich droht die Stimme sogar mit Mord und Vergewaltigung. Die guten Bürger von Hollywood wandten sich angewidert ab; die Polizei nahm Ermittlungen auf. Im Juli kündigte Gibsons Agentur William Morris die Zusammenarbeit auf, ein bereits fertiger Film mit Jodie Foster wurde auf unbestimmt verschoben. Und nun der Rauswurf am Set.

Der Auftritt in der Trunkenheitskomödie wäre vielleicht Gibsons Chance zur Erlösung gewesen. Tom Cruise hatte 2008 die Gnade von Fans und Kollegen mit einer hinreißenden Selbstpersiflage erlangt: als cholerischer Kontrollfreak in „Tropic Thunder“. Gibson bleibt zurzeit wohl nur eines: eine Weile abzutauchen.

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