Dschungelcamp in Australien

Kritik am Dschungelcamp: Politiker fordern Aussetzen der Sendung aus Australien

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Das Dschungelcamp beginnt in Australien. Das Trash-Format wirft angesichts der Buschbrände in Australien mehr als sonst ethische Fragen auf.

  • „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus“ wird in Australien gedreht
  • Für das Dschungelcamp gelten verschärfte Sicherheitsvorkehrungen wegen der Dürre und Brände in Australien
  • Es gibt Forderungen, das Dschungelcamp wegen der Situation in Australien abzusagen.

Update vom 09.01.2020, 14.50 Uhr:

Die Medienexpertin der Union im Bundestag fordert

RTL

auf, das

Dschungelcamp

wegen der heftigen Buschbrände in Australien auszusetzen. „In Australien brennen die Wälder, ein ganzer Kontinent leidet unter dem Feuer. Menschen und Tiere sterben, viele verlieren ihre Häuser. Die Umwelt wird großflächig zerstört. Dies ist nicht die geeignete Szenerie für eine leichte Unterhaltungssendung wie das „Dschungelcamp““, teilte die medienpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion, die Bremer Bundestagsabgeordnete Elisabeth Motschmann, mit.

„Die breit geführte, emotionale Debatte bei uns zeigt, dass viele Menschen es als hochgradig geschmacklos empfänden, wenn RTL das Dschungelcamp dennoch aus Australien ausstrahlen würde.“ Sie empfehle dem Sender daher, „das Dschungelcamp dieses Jahr nicht in Australien durchzuführen“. Die Entscheidung müsse der Sender als privates Medienunternehmen aber selbst treffen. Auch der SPD-Politiker Karl Lauterbach hatte bereits eine Absage des Dschungelcamps gefordert.

Erstmeldung vom 09.01.2020: Obwohl er selbst gar nicht da war, hat der Schauspieler Russell Crowe in der Nacht zum Montag für einen emphatischen Augenblick bei der Verleihung der Filmpreise Golden Globes gesorgt. Von seiner brennenden Heimat Australien aus sandte er einen Appell für mehr Klimaschutz nach Hollywood, der von seiner Kollegin Jennifer Aniston verlesen wurde. „Machen Sie sich nichts vor, die Tragödie, die sich in Australien abspielt, hat mit dem Klimawandel zu tun.“

Dschungelcamp in Australien: Zuschauer werden mit örtlichen Gegebenheiten konfrontiert

Der neuseeländische Schauspieler, der in Australien lebt, sei in seiner Heimat geblieben, um „seine Familie vor den zerstörerischen Buschfeuern zu schützen“, teilte Aniston dem Galapublikum mit. In seiner Botschaft hatte Crowe dazu aufgefordert, auf „der Basis der Wissenschaft“ zu handeln und „unseren Planeten zu respektieren“.

Die Frage nach dem Respekt wird derzeit auf ganz andere Weise von einer Fernsehproduktion im Bundesstaat New South Wales aufgeworfen. Von Freitag an soll einmal mehr das RTL-Reality-Format „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ live und in täglichen Zusammenfassungen gesendet werden. Das sogenannte Dschungelcamp findet bereits zum 14. Mal statt, aber nie zuvor sind die Zuschauer derart konkret mit den örtlichen Gegebenheiten des Drehortes im australischen Dschungel konfrontiert worden, der etwa 200 Kilometer von der Küstenmetropole Sydney entfernt ist.

Dschungelcamp in Australien: Kein Lagerfeuer, strenge Campregeln

Anstelle der boulevardesken Begleiterscheinungen, unter denen jeweils vor Sendungsstart die Kandidaten vorgestellt werden, die in trashigen Dschungelprüfungen hart bis an die Grenze des Erträglichen geführt werden und das allgemeine Ekelempfinden herausfordern sollen, geht es diesmal um umweltpolitische Erklärungen und ethische Beschwichtigung.

Die Show finde unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen statt, ließ RTL Anfang der Woche mitteilen. Man verfüge über ein Alarmsystem, außerdem würden alle Campbewohner darüber informiert, wie sie sich zu verhalten hätten, um einen Brand zu verhindern. Das Rauchen von Zigaretten soll nur unter Einhaltung strenger Campregeln möglich sein, und anstelle eines gemütlichen Lagerfeuers sollen eigens bereitgestellte Gaskocher unkontrollierten Funkenschlag gar nicht erst aufkommen lassen.

Dschungelcamp in Australien: Für Dr. Bob ist die Absage keine Alternative

Die Macher des RTL-Dschungelcamps geben sich also problembewusst und führen über die Kunstfigur des Camparztes Dr. Bob, der in der Serie von Beginn an als eine Art neutraler Spielleiter fungiert, die Betroffenenperspektive ein. Der 69-jährige Bob McCarron, der eigentlich Spezialeffektkünstler, Maskenbildner und ausgebildeter Sanitäter ist, lebt selbst im Brandgebiet und hat in Interviews beklagt, angesichts der dramatischen Brandentwicklung um den Verlust seines Privathauses fürchten zu müssen. Eine Absage der Sendung sei für ihn jedoch keine Alternative. Neben ihm würden auch noch viele australische Kollegen ihren Job verlieren.

Erstmals also ziehen existenzielle Sorgen und kaum zu vertreibende Gewissensbisse mit in das Camp ein, wo bislang mehr oder weniger prominente Kandidaten bis zur Selbstaufgabe in performative Kämpfe einer Kunstwelt jenseits der Zivilisation geschickt wurden. Diesmal sind unter anderen die Schauspielerin Sonja Kirchberger, der frühere Box-Weltmeister Sven Ottke und Ex-Bundesverkehrsminister Günther Krause mit von der Partie, die sich nun nicht nur die Frage gefallen lassen müssen, warum um Himmels willen sie sich das alles antun.

Dschungelcamp in Australien: Nicht weit entfernt sterben Menschen und Tiere

Im Raum steht auch der Gedanke, ob es opportun ist, ein lustvoll-gefährliches Dschungelleben jenseits der Regeln des guten Geschmacks zu simulieren, während nicht weit entfernt in den Flammen der Buschfeuer Menschen sterben und erhebliche Teile der Tierpopulation, von der einzelne Exemplare in der Show als Gefahrenquelle und Nahrung dienen, jämmerlich verrecken (mehr zur aktuellen Situation in Australien).

Bei RTL wird man sich gewiss einiges einfallen lassen, um das Spektakel umsichtig und womöglich mit entsprechenden solidarischen Aktionen zu begleiten. Aber schon der Titel der Sendung bleibt angesichts der Lage im australischen Busch bar jedes ironischen Augenzwinkerns.

Kritik an Dschungelcamp in Australien

Der SPD-Politiker Karl Lauterbach hat angesichts der Buschfeuer in Australien an den Fernsehsender RTL appelliert, das Dschungelcamp in diesem Jahr abzublasen. „Ich finde es angemessen, während dieser Brände die Sendung ‚Dschungelcamp‘, die ich persönlich aber auch grundsätzlich entbehren könnte, dort nicht weiter zu drehen“, sagte der Gesundheitsexperte der „Bild“-Zeitung. „Das Ganze erinnert an den Tanz auf dem Vulkan.“

Die Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ geht am Freitag, 10. Januar, in eine neue Runde.

Australiens Premier Morrison räumt erstmals ein, dass der Klimawandel für heißere Sommer verantwortlich ist. Schärfere CO2-Ziele schließt er zumindest nicht mehr aus.

Rubriklistenbild: © Marius Becker/dpa

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