Buschbrände

Das Inferno in Australien wird teuer - auch die Kohleindustrie soll sich an den Kosten beteiligen

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Australien brennt, Menschen und Tiere leiden. Ein Thinktank fordert nun, auch die Kohleindustrie an den Kosten für den Wiederaufbau zu beteiligen.

  • In Australien wüten weiter Buschbrände und Feuer
  • Der nötige Wiederaufbau dürfte teuer werden - und könnte eine Wirtschaftsrezession auslösen
  • Australiens Regierung will die betroffenen Bundesstaaten unterstützen

Ein Ende der Brände in Australien ist, auch ein Vierteljahr nach ihrem Beginn, noch nicht in Sicht. Inzwischen wird immer klarer: Die Feuer kommen das Land finanziell teuer zu stehen – durch den nötigen Wiederaufbau und möglicherweise die erste Wirtschaftsrezession seit über einem Vierteljahrhundert. Die Entschädigungen für die rund 10 000 Feuerwehrleute, die in den Brandregionen zumeist freiwillig Dienst tun, ist dabei noch der kleinste Posten. Sie sollen pro Kopf 6000 Australische Dollar bekommen, umgerechnet rund 3700 Euro.

Der Regierung in Canberra ist inzwischen klar geworden, dass sie die betroffenen Bundesstaaten unterstützen muss. Sie hat in dieser Woche eine „Nationale Agentur zum Wiederaufbau nach den Buschbränden“ gegründet, die in den nächsten beiden Jahren zwei Milliarden Dollar – umgerechnet rund 1,2 Milliarden Euro – ausgeben kann. „Ich möchte dem australischen Volk in diesen Krisentagen garantieren, dass wir alle Kosten übernehmen“, versprach der wegen seines schlechten Krisenmanagements unter Druck stehende konservative Premier Scott Morrison den Bürgern.

Australien: Reicht das Geld, um die zerstörte Infrastruktur wiederherzustellen?

Immense Schäden in Australien – hier in Batlow, New South Wales.

Ob das Geld reichen wird, um die Schäden aufzufangen, die durch zerstörte Infrastruktur entstanden sind, steht auf einem anderen Blatt. Morrison hat versprochen, nötigenfalls mehr Mittel zur Verfügung zu stellen. Häuser, Straßen, Brücken und Telekommunikationseinrichtungen müssen wiederhergestellt werden. Geld soll aber auch in psychologische Betreuung, Hilfen für geschädigte Viehzüchter und die Wiederherstellung von Umwelt und Natur fließen. Derzeit wüten landesweit noch immer rund 300 Buschfeuer (mehr zur aktuellen Situation in Australien), und ausgiebiger Regen, der die Wende bringen könnte, wird frühestens Ende Januar erwartet. Inzwischen sind rund 8,5 Millionen Hektar verbrannt, was in etwa der Größe Österreichs entspricht.

Feuer könnten das Wirtschaftswachstum in Australien spürbar beeinträchtigen

Wirtschaftsexperten machen aber noch eine ganz andere Rechnung auf: So erwartet der Chefökonom von Australiens größtem Lebensversicherer und Vermögensverwalter AMP Capital, Shane Oliver, dass die Feuer das Wirtschaftswachstum des Landes insgesamt spürbar beeinträchtigen werden. Es könne um 0,25 bis ein Prozent niedriger ausfallen, im Extremfall entspräche das 13 Milliarden Australischen Dollar. Tritt das ein, würde Australien zum ersten Mal seit 29 Jahren mit einer schrumpfenden Wirtschaft konfrontiert.

Australien: Thinktank will Kohle- und Erdgasindustrie am Wiederaufbau beteiligen

Unterdessen hat allerdings eine Debatte darüber begonnen, ob der Steuerzahler alleine für die immensen Schäden aufkommen soll. Der Thinktank „The Australia Institute“ plädiert dafür, auch die Kohle- und Erdgas-Industrie durch eine besondere Abgabe daran zu beteiligen.

Der Durchschnittsaustralier solle nicht gezwungen werden zu zahlen, während die Produzenten fossiler Brennstoffe ungeschoren davonkommen, sagte die Vizechefin des Instituts, Ebony Benett. Denn: „Diese heizen die Klimakrise an.“ Mit der vorgeschlagenen „moderaten Abgabe“ kämen jährlich 1,5 Milliarden Australische Dollar, umgerechnet rund 0,93 Milliarden Euro, zusammen. Australiens Stromversorgung hängt zum Großteil von der Kohle ab, und das Land ist der weltgrößte Kohleexporteur.

Schäden an Australiens Flora und Fauna sind kaum in Geld zu fassen

Kaum abzuschätzen und kaum in Geld zu fassen sind derweil die Schäden an Australiens Flora und Fauna. Die Umweltstiftung WWF schätzt, dass dort bereits mehr Land verbrannt sei als bei den Feuern im vorigen Jahr am Amazonas in Brasilien und in Kalifornien zusammen. Inzwischen seien rund 1,25 Milliarden Tiere durch die Brände getötet worden. Getroffen habe es neben Tausenden von Koalas auch Arten wie Kängurus, Wallabys und Kakadus. Viele Wälder würden Jahrzehnte brauchen, bis sie sich erholen.

2019 war das wärmste und trockenste Jahr in Australien seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Der Kontinent Australien leidet schon lange unter dem Klimawandel. Australiens Premier Morrison räumt erstmals ein, dass der Klimawandel für heißere Sommer verantwortlich ist. Schärfere CO2-Ziele schließt er zumindest nicht mehr aus.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Dean Lewins/AAP/dpa

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