Klimaschutz

Buschfeuer in Australien: Premier Scott Morrison zeigt erstmals Einsicht

  • schließen

Australiens Premier Morrison räumt erstmals ein, dass der Klimawandel für heißere Sommer verantwortlich ist. Schärfere CO2-Ziele schließt er zumindest nicht mehr aus.

  • Buschfeuer in Australien: Morrison zeigt Einsicht
  • Premier steht unter Druck
  • Brandsaison kann noch mehrere Monate dauern

Australiens Premier Scott Morrison hat erstmals nicht mehr ausgeschlossen, dass seine Regierung ihre Klimapolitik verschärft. In einem Interview mit dem Sender ABC sagte er am Wochenende, seine Regierung könne ihre Politik „weiterentwickeln“, einschließlich der CO2-Reduktionsziele für 2030. „In den kommenden Jahren werden wir unsere Politik in diesem Bereich weiterentwickeln, um die Emissionen noch weiter zu reduzieren“, sagte er. Als ersten Schritt denke er an die Einsetzung einer Untersuchungskommission zu den Bränden.

Morrison ist wegen seines Umgang mit der Brandkatastrophe im Land politisch gewaltig unter Druck, besonders, seitdem er im Dezember einen Hawaii-Urlaub machte, als die Krise auf ihren ersten Höhepunkt zusteuerte. Bisher hatte er eine Schärfung der Klimaziele ausgeschlossen – eine Linie, die sich angesichts der wachsenden Proteste im Land offenbar nicht mehr durchhalten lässt.

Am Freitag hatten mehrere Zehntausend Bürgerinnen und Bürger in den Großstädten Sydney, Melbourne, Canberra, Adelaide und Brisbane für eine entschlossenere Klimapolitik, einen Rücktritt Morrisons und mehr Geld für die Feuerwehrleute demonstriert, die gegen die Brände kämpfen. Die Proteste waren von den Gruppen Uni Students for Climate Justice und Extinction Rebellion organisiert worden.

Australien hat sich dazu verpflichtet, den Treibhausgas-Ausstoß zu senken

Australien hat sich im Rahmen des Paris-Klimaabkommens dazu verpflichtet, seinen Treibhausgas-Ausstoß bis 2030 um 26 bis 28 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2005 zu senken. Um dieses Ziel zu erreichen, will die konservative Morrison-Regierung allerdings auch Emissionsgutschriften aus der Erfüllung früherer Kyoto-Ziele nutzen und nicht nur wirkliche CO2-Reduzierung umsetzen.

Kritikerinnen und Kritiker halten das CO2-Ziel ohnehin für zu schwach, um das Paris-Limit von maximal 1,5 bis zwei Grad globaler Erwärmung einzuhalten, und sprechen mit Blick auf die Kyoto-Anrechnung von einem „Buchhalter-Trick. Australiens Treibhausgas-Emissionen steigen seit 2015 wieder.

Eine der Ursachen: Die konservative Regierung in Canberra schaffte 2014 ein von der sozialdemokratischen Vorgängerregierung eingeführtes CO2-Handelssystem wieder ab. Zentrales Element der Klimapolitik ist heute ein Fonds, aus dem große CO2-Verursacher wie Bergbau- und Industrieunternehmen für von ihnen erreichte Emissionsreduzierungen entschädigt werden.

Auch im aktuellen Interview betont Morrison, seinen industrienahen Kurs fortsetzen zu wollen. „Wir werden unsere Emissionen weiter senken, ohne eine CO2-Steuer zu erheben, ohne die Strompreise zu erhöhen und ohne die traditionellen Industrien zu schließen, von denen die Australier in den Regionen abhängen.“ Australien ist der größte Exporteur von Kohle und produziert rund 70 Prozent seines Stroms damit.

Australien: Durch die Brände wurden bisher 349 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt

Morrison räumte ein, er sehe inzwischen ein, dass der Klimawandel für längere, heißere und trockenere Sommer verantwortlich sei. Das Ausmaß der Brände nannte er „beispiellos“. „Es ist eine Tatsache, dass wir in den nächsten zehn Jahren und darüber hinaus in einem ganz anderen Klima leben werden und unsere Widerstandsfähigkeit dafür verbessern müssen“, sagte er. Morrison entschuldigte sich erneut für seinen Hawaii-Urlaub und sagte, er hätte auch vor Ort besser mit der Krise umgehen sollen. Der Premier war bei Besuchen im Brandgebiet ausgebuht worden.

Bei den verheerenden Buschbränden sind bisher mehr als zehn Millionen Hektar Fläche verbrannt, was in etwa der Größe von Bayern plus Baden-Württemberg entspricht. Mindestens 27 Menschen starben. Mehr als 2000 Häuser sind zerstört worden, zudem kamen laut Experten bis zu 1,2 Milliarden Tiere um. Durch die Brände wurden nach Schätzungen bisher 349 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt. Zum Vergleich: Australien hat 2018 insgesamt 532 Millionen Tonnen emittiert.

Australien: Ende der Brandsaison ist noch nicht absehbar

Derzeit am gefährlichsten sind die Brände an der Grenze zwischen den Bundesstaaten New South Wales und Victoria. Dort hatten sich in der Nacht zum Samstag drei Feuer zu einem Mega-Brand von 600.000 Hektar vereint, was einem Drittel der Fläche von Rheinland-Pfalz entspricht. Am Wochenende entspannte sich die Lage etwas, dank niedrigerer Temperaturen, teilweise einsetzenden Regens und nachlassendem Wind. Ein Ende der Brandsaison ist allerdings noch nicht absehbar, sie kann noch Wochen oder Monate andauern. In Australien ist gerade Hochsommer.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/David Mariuz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion