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Das Great Barrier Reef vor Australien gilt als eines der größten Naturwunder der Welt.
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Das Great Barrier Reef vor Australien gilt als eines der größten Naturwunder der Welt.

Australien

Weltkomitee beschließt: Great Barrier Reef ist kein „gefährdetes Welterbe“

  • Isabel Wetzel
    VonIsabel Wetzel
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Das Great Barrier Reef wird nicht auf die Liste „gefährdeter“ Welterbestätten gesetzt. Australien hatte zuvor weltweit Lobbyarbeit gegen die Aufnahme geleistet.

Fuzhou ‒ Trotz der Bedrohung durch Klimawandel und schlechte Wasserqualität ist das Great Barrier Reef vor der Küste Australiens noch immer nicht als „gefährdetes“ Welterbe eingestuft worden. Das zuständige Komitee der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation (Unesco) beschloss am Freitag (23.07.2021) auf seiner 44. Sitzung in Fuzhou in China, erst 2023 wieder über das weltgrößte Riff zu beraten.

Naturschützer zeigten sich geschockt und übten scharfe Kritik an Australien. Umweltgruppen sagten, die Entscheidung sei ein Sieg für zynischen Lobbyismus und dass Australien als Hüter des größten Korallenriffs der Welt nun auf Bewährung stehe.

Die Wissenschafts- und Kulturorganisation Unesco hatte bereits vor Wochen angekündigt, dass das Great Barrier Reef vor der Küste Australiens auf die entsprechende Liste gesetzt werden soll, da es eindeutig durch den Klimawandel gefährdet sei. Die australische Regierung stellte die Forderung der Unesco infrage und argumentierte, dass das Weltkulturerbe nicht das einzige Riff ist, das vom Klimawandel betroffen ist.

Bewährung für Australien: Great Barrier Reef vorerst kein „gefährdetes“ Welterbe

Das politisch besetzte Komitee folgte mit seiner Entscheidung am Freitag (23.07.2021) somit dem Wunsch Australiens, das einen Imageschaden verhindern wollte und die Mehrheit der 21 Mitgliedsländer auf seine Seite bringen konnte. Australien soll jetzt mehr Zeit bekommen und bis Dezember 2022 einen neuen Bericht über die Erhaltung des Great Barrier Reefs vorlegen. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) hob in der Diskussion aber hervor, dass das Riff bereits heute „alle Kriterien“ für einen Eintrag als „gefährdet“ erfülle.

Auch das Welterbekomitee verweist in dem Beschluss auf einen Bericht Australiens von 2019, wonach sich die Aussichten von „schlecht“ auf „sehr schlecht“ verschlimmert hätten. „Beschleunigtes Handeln auf allen möglichen Ebenen ist notwendig.“ Verwiesen wurde auf die Bemühungen im Kampf gegen den Klimawandel nach dem Pariser Abkommen, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen. Auch müsse die Wasserqualität verbessert werden, um Möglichkeiten für eine Erholung des Riffs zu schaffen.

„Klimawandel bleibt weiter die größte Gefahr“, zitierte das Komitee aus dem Bericht. Andere Bedrohungen seien die Küstenentwicklung, der Oberflächenabfluss an Land und die menschliche Nutzung. Der einzigartige universelle Wert der Naturstätte bleibe intakt, habe sich aber „verschlechtert“, wurde festgestellt. Eine Expertin des Welterbezentrums (WHC) betonte in den Beratungen, die Verschlechterung sei „schneller und weitreichender“ als bisher gedacht.

Great Barrier Reef in Australien vor dem Kollaps: Australien verschließt die Augen

Das einzigartige Riff vor der Ostküste Australiens dehnt sich über mehr als 340.000 Quadratkilometer aus. Es gilt als eines der atemberaubendsten Naturwunder der Erde und wurde bereits 1981 zum Weltkulturerbe erklärt. Doch nun steht das Naturwunder vor dem Kollaps: Drei verheerende Korallenbleichen innerhalb der vergangenen fünf Jahre sowie die Industrialisierung in den Küstenregionen haben ihm schwer zugesetzt.

Im Vorfeld des Treffens am Freitag (23.07.2021) hatte die australische Regierung eine heftige Kampagne geführt, um die Aufnahme des Riffs in die Rote Liste gefährdeter Welterbestätten zu verhindern. Mehr als ein Dutzend Botschafter flogen demnach zu einem Schnorchelausflug am Riff. Neun der 15 Diplomaten stammten Berichten zufolge aus Ländern, die in dem Komitee ein Stimmrecht haben. Der Antrag auf Verschiebung wurde unter anderem von Mali, Äthiopien, Nigeria, Russland und dem kleinen Karibikstaat St. Kitts und Nevis eingebracht.

Kritik an australischer Regierung: „Lobbyismus ändert nicht die Wissenschaft“

Der Umweltminister des australischen Bundesstaates New South Wales, Matt Kean, schrieb auf Twitter: „Politischer Lobbyismus ändert nicht die Wissenschaft.“ Terri Butler, die umweltpolitische Sprecherin der Labour-Partei, sagte, Australien habe nun eine „vorübergehende Gnadenfrist“ bekommen und die Morrison-Regierung müsse „ihr Spiel dramatisch anheben“, um das Riff zu schützen.

Auch die Umweltorganisation Greenpeace übte scharfe Kritik am „Kohleland“ Australien: „Die australische Regierung hat es mal wieder geschafft, mit einem blauen Auge davonzukommen - das ist schockierend“, sagte Meeresbiologin Sandra Schöttner. „Starker Klima- und Biodiversitätsschutz können nicht mehr bis 2023 warten.“ Wer sich mit der Schönheit des Great Barrier Reefs rühmen und dessen Artenvielfalt schützen möchte, müsse auch seine Treibhausgasemissionen reduzieren.

Leider sei Australien eines der wenigen Länder, die sich nicht zu Netto-Null-Emissionen bis 2050 verpflichtet hätten. „Und das Great Barrier Reef zahlt schon viel zu lange den viel zu hohen Preis dafür“, sagte Schöttner. „Dieses Naturwunder und seine Bewohner werden massiv von der Klimakrise bedroht, aber Australien befeuert sie einfach weiter.“ (iwe/dpa)

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