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Die Feuer in Australien haben bereits rund drei Millionen Hektar Vegetation und mehr als 1000 Häuser zerstört.

Brände in Australien

Verheerende Flammenwalzen - In Australien wüten die Buschfeuer stärker denn je

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In Australien führen die Feuerwehren einen verzweifelten Kampf gegen die Buschfeuer. Die Brände setzen jede Menge Kohlendioxid frei. 

Am Sonntag dann der Kotau: Australiens Premierminister Scott Morrison entschuldigte sich dafür, trotz der Buschfeuer in seinem Land einen Familienurlaub auf der Pazifikinsel Hawaii gemacht zu haben. Sein Urlaub habe „große Aufregung“ ausgelöst, räumte er nach seiner vorzeitigen Rückkehr ein. „Ich entschuldige mich bei den Australiern, die ich verärgert habe“, sagte Morrison bei einem Besuch im Hauptquartier der Feuerwehr des Bundesstaates New South Wales in Sydney. Er habe mit dem Hawaii-Trip ein Versprechen gegenüber seinen Kindern einlösen wollen. Im Nachhinein sehe er ein, dass er sich falsch verhalten habe. Als Premier habe er andere Pflichten.

Vor seiner Rückkehr aus dem Urlaub am Freitag war der konservative Premier tagelang unauffindbar gewesen, sein Büro weigerte sich zuerst sogar, den Aufenthaltsort preiszugeben. „Unser Land steht in Flammen, wo zum Teufel stecken Sie?“ und „Wie ist die Luft so in Hawaii?“ hatten Demonstranten auf Protestschilder geschrieben, mit denen sie vor sein Wohnhaus in Sydney zogen.

Australien erlebt derzeit eine der schwersten Umweltkrisen des Landes. Seit August haben die Buschfeuer, die in diesem Jahr besonders früh einsetzten, rund drei Millionen Hektar Vegetation vernichtet – was in etwa der Fläche Belgiens entspricht.

Australien: Ärzte warnen vor Notstand auch durch Rauchschwaden

Mehr als 1000 Häuser wurden zerstört, das sind bereits jetzt dreimal mehr als im bislang schlimmsten Feuersommer 1993/94. Betroffen sind vier der acht Bundesstaaten, am heftigsten leidet New South Wales im Südosten des Landes mit der Metropole Sydney, die rund fünf Millionen Einwohner hat. Weitere Hospots sind Queensland und Victoria. Mindestens acht Menschen kamen wegen der Feuer ums Leben.

In New South Wales, dem bevölkerungsreichsten Bundesstaat, wurden am Samstag rund 100 Buschfeuer gezählt, Sydney wurde gleich von zwei Großbränden im Nordwesten und Südwesten der Stadt bedroht. Im Kampf gegen die Flammen machte der Feuerwehr vor allem die Hitzewelle zu schaffen: Vorige Woche wurde ein landesweiter Temperaturrekord von 41,9 Grad erreicht. In Nullarbor in South Australia wurden gar 49,9 Grad gemessen.

Ein besonders bedrohliches Großfeuer tobt südwestlich von Sydney.

In New South Wales waren rund 10.000 Feuerwehrleute, Polizisten, Rettungskräfte und Sanitäter im Einsatz. Die Regierung in Sydney rief Urlauber am Samstag auf, die Stadt 24 Stunden lang nicht zu verlassen. Viele Straßen in Richtung Südwesten nach Canberra und Melbourne sowie viele Zugstrecken waren gesperrt. Auch in Sydney selbst litten die Menschen unter den Rauchschwaden. Die Behörden stuften die Luftqualität als „gefährlich“ ein. Ärzte warnten vor einem „öffentlichen Gesundheitsnotstand“. Die Krankenhäuser seien nicht auf die steigende Zahl der Notfälle vorbereitet, sagte Kim Loo von der NGO „Ärzte für die Umwelt“.

Australien: „Klare Anzeichen für den Klimawandel“

Am Sonntag entspannte sich die Lage etwas. Der Feuerwehr-Chef von New South Wales, Shane Fitzsimmons, sagte allerdings, ohne „ordentlich Regen“ bleibe die Situation kritisch. „Wir müssen uns klarmachen, dass wir vor Januar oder Februar keinen Regen erwarten, der wirklich einen Unterschied für die Feuer macht.“

Viele Wissenschaftler sehen einen Zusammenhang zwischen der Klimaerwärmung und mehr Wetterextremen. Australien leidet seit etwa zwei bis drei Jahren unter starker Dürre, die ausgetrocknete Vegetation entzündet sich so besonders leicht. Der Kieler Klimaforscher Mojib Latif sieht in den Hitzerekorden und der Brand-Ausdehnung „klare Anzeichen für den Klimawandel“, wie er der FR sagte. Der Einfluss der australischen Feuer auf das globale Klima sei jedoch weit geringer als die der Brände in den tropischen Wäldern. „Dort brennen noch viel größere Flächen.“

Keine Algen, sondern Asche am Balmoral Beach in Sydney.

Die Feuer haben jedoch einen großen Einfluss auf die aktuelle CO2-Bilanz Australiens - sie erhöht sich stark. Seit Beginn der diesjährigen Feuersaison im August wurde bisher bereits fast halb so viel Kohlendioxid zusätzlich in die Atmosphäre geschleudert, wie das ganze Land sonst in einem Jahr durch Kraftwerke, Industrie, Verkehr und andere Treibhausgas-Quellen erzeugt.

Nach Angaben des Nasa-Klimaexperten Niels Andela haben die Brände in New South Wales und Queensland rund 250 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt, während sich die Gesamtemissionen 2018 auf 532 Millionen Tonnen beliefen. Der Forscher stützt sich dabei auf Daten der „Globale Fire Emissions Database“, wie der britische „Guardian“ berichtete.

Australien: Regierung bremst den internationalen Klimaschutz

Normalerweise erhöht sich die CO2-Konzentration in der Atmosphäre durch Buschfeuer nur vorübergehend, da die Vegetation nachwächst und dabei in etwa die gleiche Menge CO2 wieder aufnimmt. Das kann bei Wäldern freilich Jahrzehnte dauern. Experten bezweifeln jedoch, ob diese Kalkulation in einem erwärmten Klima noch aufgeht.

„Durch Trockenheit gestresste Bäume erholen sich weniger gut“, erläuterte der Ökologieprofessor David Bowman von der Universität von Tasmanien. Der Klimawandel könne dazu führen, dass die Wälder langsamer wachsen und Feuer häufiger werden. Die Folge: Es gibt weniger Biomasse, die CO2 speichert. „Es ist eine böse Negativspirale, wodurch aus einem Speicher für Kohlenstoff in der Biosphäre eine Quelle wird.“

Premier Morrison, der früher als Klimaskeptiker galt, räumt inzwischen ein, dass der Klimawandel generell einen Einfluss auf die Wetterextreme habe. Zugleich betonte er am Sonntag, eine Verschärfung der Klimapolitik werde es mit ihm nicht geben. Australien ist weltgrößter Kohleexporteur, und Morrison bremst den Klimaschutz auf internationaler Ebene, um die Branche zu schützen. Das konnte man zuletzt beim UN-Klimagipfel in Madrid erleben. Die Delegation aus Canberra sorgte dort maßgeblich mit dafür, dass nur ein Minimalkompromiss zustande kam. (mit dpa/afp)

Immer wenn Waldbrände zu häufig, zu heftig, am falschen Ort oder zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt auftreten, gilt das als Zeichen, dass die Situation durch menschliche Eingriffe aus den Fugen geraten ist.

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