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Der Mann hinter den Helden: In jüngerer Zeit war es ruhig um Uderzo geworden. 

Asterix & Obelix

Ausgezeichnet: Zum Tode von Albert Uderzo

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Der dicke Bauch von Obelix, der blonde Bart von Asterix: Albert Uderzo gab den Figuren der erfolgreichsten Comic-Serie der Welt ihr Aussehen. Nun ist der Zeichner gestorben.

Wer hätte das schon erwartet? Dass ausgerechnet ein Junge, der farbenblind und mit zwölf Fingern zur Welt kam, später zu einem der größten Comiczeichner überhaupt werden würde? Wer konnte ahnen, dass der Sohn italienischer Einwanderer gemeinsam mit dem in Buenos Aires aufgewachsenen Sohn eines Polen und einer Ukrainerin die wohl französischste aller Comicserien schaffen sollte?

Die Abenteuer von Asterix und Obelix, den unbeugsamen Galliern, könnten in keinem anderen Land als Frankreich spielen. In gewisser Weise sind die beiden Helden im Kampf gegen die Invasion der Römer nun Vollwaisen. Nach dem überraschenden Tod von Texter René Goscinny vor mehr als 40 Jahren ist auch ihr zweiter „Vater“, der Comic-Zeichner Albert Uderzo, am Dienstag bei Paris im Schlaf an einem Herzinfarkt gestorben, wie sein Schwiegersohn mitteilte.

Mit dem Coronavirus habe sein Tod nichts zu tun. Seit mehreren Wochen sei Uderzo sehr müde gewesen. 92 Jahre alt wurde er, der Obelix einmal als seine Lieblingsfigur bezeichnet hatte, vielleicht weil er als ähnlich reizbar und empfindlich, zugleich liebenswert und großzügig galt wie der beleibte Hinkelsteinträger.

Alberto hieß er ursprünglich, doch er strich später das „o" in seinem Vornamen, „damit er französischer klingt“, wie Uderzo einmal sagte. Denn als Kind habe er unter dem schlechten Bild gelitten, das die Französinnen und Franzosen von den Italienerinnen und Italienern als „schmutzige Macaronis“ hatten.

Sein Vater, ein Schreiner, und seine Mutter, die als Putzfrau arbeitete, waren nach Frankreich gekommen, zunächst in die Nähe von Reims, wo Albert Uderzo geboren wurde, um dann in die Pariser Vorstadt Clichy-sous-Bois zu ziehen, wo er aufwuchs. Er war gerade sieben Jahre alt, als die gesamte Familie die französische Staatsbürgerschaft erhielt.

Damals, so erzählte Uderzo später, wollte er nicht Zeichner werden, sondern Clown, um die anderen zum Lachen zu bringen. Auf eine gewisse Weise gelang ihm dies trotzdem. Auch wenn das Lachen manchmal mehr ein Schmunzeln war. Früh machte sich Uderzos Zeichenbegabung bemerkbar. So schenkte ihm der Leiter seiner Schule Farbstifte, um ihn zu motivieren.

Uderzo entdeckte seine Rot-Grün-Sehschwäche, die ihn nicht von seiner Zeichnerkarriere abhalten sollte. Bereits mit 14 Jahren fing er als Lehrling in einer französischen Verlagsgesellschaft an, bei der ihn sein älterer Bruder Bruno vorgestellt hatte, und konnte einige erste Illustrationen veröffentlichen. Nach dem Militärdienst arbeitete Uderzo für diverse Agenturen und begegnete so René Goscinny.

Der Funken sprang sofort über, menschlich und auch kreativ. Uderzo selbst sei stark im Zeichnen und Goscinny wiederum ein begabter Geschichtenschreiber gewesen und ihr gemeinsames Ziel bestand darin, „frischen Wind“ in die Comic-Welt zu bringen, schrieb Uderzo in seinen Memoiren. „Mit der ganzen Leichtfertigkeit und Kühnheit unserer Jugend wollten wir die Welt neu erfinden.“

Und so erfanden sie neue Welten und eine Reihe Comic-Figuren wie den Kapitän Pitt Pistol, den Indianer Umpah-Pah und vor allem Asterix und Obelix, deren Abenteuer von 1959 bis 1975 in der Zeitschrift „Pilote“ abgedruckt wurden. Während Obelix als Bild des kräftigen Galliers Uderzos Idee war, dachte sich Goscinny die pfiffige Figur des schwächlichen Asterix aus, sagte Uderzo später.

Ihre unperfekten Ikonen widersprachen dabei dem heutigen Usus, „nach dem man gut gebaute Helden erschafft, damit sich die Kinder mit ihnen identifizieren“. Nach zwei Jahren erschien ein erster Band „Asterix, der Gallier“ und die Auflage wuchs mit jeder weiteren Ausgabe. Bis heute handelt es sich mit weltweit mehr als 390 Millionen verkauften Alben, die in mehr als 100 Sprachen und Dialekte übersetzt wurden, um die erfolgreichste Comic-Serie der Welt.

Auch als Geschäftspartner blieben die beiden enge Freunde. Umso größer war der Schock, als Goscinny 1977 im Alter von 51 Jahren während eines ärztlichen Belastungstests an einem Herzinfarkt starb. Uderzo brach die Arbeit am Album „Asterix bei den Belgiern“ ab, für ihn waren mit seinem Freund auch die gemeinsam geschaffenen Kreaturen gestorben.

Erst das Drängen der Leserinnen und Leser überzeugte ihn zum Weitermachen, auch wenn ihn die folgende Kritik an der nachlassenden Qualität der Hefte kränkte. 1979 gründete er das Unternehmen „Les Éditions Albert René“ als künftiger Herausgeber der Asterix-Abenteuer und veröffentlichte insgesamt neun weitere Bände, bis er 2013 an das Duo Jean-Yves Ferri und Didier Conrad übergab.

Schatten auf die beispiellose Erfolgsgeschichte warfen erbitterte Streitigkeiten mit dem früheren Verlag Dargaud sowie Uderzos Tochter Sylvie, die auch in den Medien und vor Gericht ausgetragen wurden. Allerdings kam es 2014 zur familiären Versöhnung. Zuletzt war es ruhig um den Mitbegründer der gallischen Ikonen geworden.

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