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Glatt: roséfarbenes Gummibustier von Regina Weber.

Mode

Augen zu und durch

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Eine tastende Entdeckungsreise: Wie sich die Kreationen des Designer-Nachwuchses anfühlen.

Die Augen kommen ja ohnehin nicht zur Ruhe. Dass es in der Mode jedoch nicht bloß um hübsche Farben und schöne Formen geht, wurde gerade auf dem „Vogue Salon“ am Dienstag sichtbar. Oder eben: spürbar. Parallel zum „Berliner Salon“, der etabliertere Labels zeigt, versammelt das bekannteste Modemagazin des Landes jede Saison den Nachwuchs.

Junge Marken aus dem deutschsprachigen Raum präsentieren ihre Ideen einem Fachpublikum, sollen so ihr Markenprofil schärfen und wichtige Kontakte knüpfen können. Und offenbar stillschweigend haben sich die sechs teilnehmenden Labels dieses Mal darauf geeinigt, dass Mode eben auch und gerade ein haptisches Erlebnis ist.

„Das wichtigste ist für mich immer das Material“, sagt etwa Claudia Bertini. „Ich war gerade zwei Monate in einer Textilmanufaktur in Italien und habe von Grund auf gelernt, wie zum Beispiel das Weben funktioniert.“ So verwendet die Schweizerin ausschließlich butterweiche Wollen, aus denen sie großzügig geschnittene Mäntel und Capes macht. Die sehen nicht nur gefällig und nahezu zeitlos aus, sondern machen handwerkliches Geschick und Qualität regelrecht spürbar.

Ganz anders fühlt sich die Mode von Regina Weber aus Deutschland an. Die Designerin, die jüngst zu den Finalisten des Festival de Hyères zählte, dem renommiertesten Modepreis überhaupt, experimentiert mit gummierten Materialien. Ihre feucht glänzenden Gamaschen und Bustiers sehen nicht nur aus als seien sie eben noch mit roséfarbenem Lack bemalt worden, sondern fühlen sich auch ungewöhnlich glatt, fast ein bisschen glitschig an. Die Marke Working Title präsentierte grobmaschige, griffige Strickdetails, bei den gehäkelten Unikaten des Berliner Labels Lou de Bètoly wiederum entstehen unter den Handflächen knotige Landschaften.

Es muss aber eben nicht immer das ganz große Experiment sein, weiß Valeska Duetsch. „Das wichtigste ist für uns die Haptik“, sagt auch sie. Aber: „Wir machen viel mit Baumwolle.“ Ganz zart und fast ein wenig skulptural inszenieren Duetsch und ihre Kollegin das klassische, viel zu oft als langweilig missverstandene Material. An Leichtigkeit übertroffen werden ihre Entwürfe wohl nur von dem wohlklingenden Namen des Labels: „Die Mode von Belize soll gemütlich sein“, sagt Duetsch. „Aber auch ein bisschen sexy.“ Ganz ohne die richtige Optik geht’s dann eben doch nicht.

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