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„Aufklärung ist auch eine Art Feuer-Schutz“

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Von: Boris Halva

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Es geht nicht nur dem Wald an die Substanz: Ruhepause nahe dem portugiesischen Manteigas. MOREIRA/AFp
Es geht nicht nur dem Wald an die Substanz: Ruhepause nahe dem portugiesischen Manteigas. MOREIRA/AFp © AFP

Und gerade in dieser Hinsicht muss in Portugal noch einiges passieren, sagt Catarina Grilo von der Umweltschutzorganisation WWF

Frau Grilo, wie ist die Lage in Portugal?

Gerade heute sind im Hinterland von Coimbra zwei große Brände gemeldet worden. Bis Ende Juli waren in Portugal 25 000 Hektar Land verbrannt.

Mehr als in den Jahren zuvor?

Nicht wirklich, aber bemerkenswert ist, dass das der Stand Ende Juli war – und August ist üblicherweise der heißeste Monat.

Das Schlimmste steht also noch bevor?

Schwer zu sagen. Es kommt aufs Wetter an. Zwei Wochen war es hier richtig heiß, und das ist eher unüblich. Und was die Feuer betrifft: Der Staat hat in den letzten Jahren viel dafür getan, die Struktur der Landschaft zu verändern, aber das braucht seine Zeit. Und angesichts von Klimawandel und Hitzewellen werden leider immer wieder neue Feuer ausbrechen.

Worum geht es bei der Umgestaltung der Landschaft?

Zuallererst geht es darum, die Landschaft abwechslungsreicher zu machen, also nicht nur Eukalyptus-Plantagen oder Pinien oder Buschland zu haben, sondern unterschiedlich genutzte und bewachsene Flächen. Wie bei einem Mosaik. Sollte in einem so vielfältig strukturierten Gebiet ein Feuer ausbrechen – und Feuer ist nun mal Teil der mediterranen Landschaft – dann wird es sich nicht so schnell ausbreiten wie in weniger diversen Gebieten.

Und wenn sich das Feuer doch ausbreitet?

Dann greift im besten Fall ein anderes Prinzip, das die Regierung zu etablieren versucht. Da geht es darum, in Gebieten, die von Monokultur geprägt sind, Korridore anzulegen, damit die Feuerwehr schneller an die Brandherde kommt. Aber noch wichtiger ist die Prävention. Denn, egal wie viele Flugzeuge, Hubschrauber oder Löschfahrzeuge im Einsatz sind – wenn es an mehreren Orten gleichzeitig brennt, lässt es sich kaum verhindern, dass Nutzflächen oder Häuser zerstört werden – und im schlimmsten Fall Menschen ihr Leben verlieren.

Die Landschaft umgestalten klingt nach einem guten Plan – wo ist der Haken?

Das Problem ist, dass es meist nur Pilotprojekte sind, die sich auf bestimmte Regionen konzentrieren. Das sollte großflächiger angelegt werden. Vor allem in Gegenden mit hohem Brandrisiko. Dazu gehört auch, mit den Grundbesitzern Brandschutzpläne auszuarbeiten. Das mag hier und dort bedeuten, dass jemand etwas Land abgeben oder auf Anbaufläche verzichten muss – aber indem man so das Brandrisiko deutlich senkt, steigert man auf lange Sicht die Erträge. Weil es eben nicht alle zehn Jahre brennt. Was gerade für jene, die Eukalyptus anbauen, wichtig ist – die Bäume müssen 13 Jahre wachsen, bevor man sie kommerziell verwerten kann.

Eukalyptus wurde aus Australien importiert, um schnell nachwachsenden Rohstoff für Papier zu haben. Eukalyptus-Plantagen sind Monokulturen und sehr feueranfällig. Würde es helfen, den Anbau zu stoppen?

zur person

Catarina Grilo hat Meeresbiologie studiert und koordiniert seit 2020 bei der Umwelt- und Tierschutz-Organisation ANP/WWF in Portugal das Naturschutzteam. boh

Nein, und ich will hier auch noch mal betonen: Wir verteufeln Eukalyptus nicht! Das Problem ist nicht die Pflanze, sondern wie Plantagen gemanagt werden. Wir wissen, dass es auf Plantagen, die von Papierunternehmen gemanagt werden, viel seltener brennt als auf Plantagen von Privatleuten, die die Bäume einfach wachsen lassen mit dem Ziel, in zehn oder 13 Jahren ein bisschen Gewinn zu machen. Das Problem hierbei ist, dass es für diejenigen, die kleine Grundstücke bewirtschaften, keine Anreize gibt, ihre Flächen zu pflegen und vielseitiger anzulegen. Was ja auch eine Art Feuer-Prävention ist.

Was sind die Hauptgründe für die Waldbrände?

Da gibt es mehrere. Wie gesagt, Feuer gehört zur Landschaft. Manche werden bei Gewitter von einem Blitz ausgelöst. In anderen Fällen ist es Brandstiftung, meist von Leuten in, ich sage mal, psychischen Ausnahmezuständen. Aber der größte Teil der Feuer bricht aus, wenn Bauern ihre Wiesen abbrennen, damit neues Gras für das Vieh nachwachsen kann. Oder sie brennen die Stoppelfelder ab, um den Boden für die nächste Saison vorzubereiten. Obstbauern verbrennen den Baumschnitt – aber in allen Fällen kommt es drauf an, wie sie es machen. Manche türmen riesige Haufen auf und zünden die an, ohne vorher den Boden drumherum zu wässern. Das ist nicht erlaubt, aber manche machen es trotzdem, weil es ihnen egal ist.

Prävention heißt also auch: Erklären, wie man richtig Feuer macht und wann?

Genau. Die Regierung hat hierfür auch eine Plattform eingerichtet, da kann man eine Erlaubnis beantragen, wenn man Baumschnitt verbrennen will. Das Problem ist: Es ist ein Online-Angebot, und auf dem Land haben da nur wenige Zugang zu. Aber es hat nicht nur eine technische Ebene, es geht auch darum, die Menschen dafür zu sensibilisieren, dass man kein Feuer macht, wenn es heiß und trocken ist. Da geht es nicht drum, Bußgelder zu erhöhen, da geht es eher um eine Art soziale Kontrolle – auch wenn wir wissen, dass soziale Kontrolle nicht nur gute Effekte hat.

Sie haben zu Anfang erwähnt, dass dieses Jahr 25 000 Hektar Land verbrannt sind. Aus Fachkreisen kam jüngst die Information, dass die Flächen, auf denen es brennt, seit Jahren zurückgehen – allerdings haben die Feuer eine viel größe Wucht. Beobachten Sie das auch?

Ja, aber obgleich dieses Jahr deutlich weniger Wald brennt als 2017, ist es doch die zweitgrößte Fläche in den letzten zehn Jahren. Und wir wissen auch mit Blick auf die Gebiete, die 2017 gebrannt haben, dass es noch ein paar Jahre dauern wird, bis sich dort wieder genug Biomasse aufgebaut hat und das Brandrisiko steigt. Aber wenn es weiterhin so heiß und trocken bleibt, dann ist es ziemlich wahrscheinlich, dass in Gebieten Feuer ausbrechen, in denen es bisher nicht gebrannt hat.

Sehen Sie erste Erfolge der Programme, die initiiert wurden?

Ja, vor allem in den letzten fünf Jahren. Leider ist bisher nur ein kleiner Teil der Gebiete, in denen ein hohes Brandrisiko besteht, in die Feuerschutzprogramm aufgenommen. Ein Programm endet in zwei Jahren. Da ist die Frage: Was passiert danach? Es dauert Jahrzehnte, die Landschaft umzugestalten - eigentlich müsste die Förderung auch so lange laufen.

Wissen Sie, wie viele der Feuer absichtlich gelegt werden und aus welchem Grund?

Das Nature Conservation and Forests Institute in Portugal veröffentlich dazu von Zeit zu Zeit einen Report, zuletzt 2015. Demzufolge hatten zwei Prozent der Feuer eine natürliche Ursache, etwa 14 Prozent der Feuer wurden absichtlich gelegt, und der größte Teil mit 60 Prozent sind die Feuer, die außer Kontrolle geraten, wenn jemand seine Wiesen verbrennt und dabei unvorsichtig ist.

Es heißt, in manchen Gegenden werde Feuer gelegt, um Naturschutzgebiete leichter in Bauland umwandeln zu können.

Das war vor vielen Jahren so. Bis dann in den Neunzigerjahren ein Gesetz erlassen wurde, dass man auf Land, auf dem es gebrannt hat, frühestens nach 15 Jahren bauen darf. Da gab es später die ein oder andere Ausnahme, aber ich habe nicht den Eindruck, dass diese Ausnahmen Tür und Tor geöffnet haben für jene, die aus verbranntem Land Profit schlagen wollen.

Interview: Boris Halva

Catarina Grilo. anp/WWF
Catarina Grilo. anp/WWF © ANP/WWF

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