1. Startseite
  2. Panorama

Aufhöre Silvester 24 Uhr Gruß

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Boris Halva

Kommentare

Eine Mitarbeiterin nimmt am 7. Januar 1994 im Fernmeldeamt Erfurt ein Telegramm entgegen.
Eine Mitarbeiterin nimmt am 7. Januar 1994 im Fernmeldeamt Erfurt ein Telegramm entgegen. © Heinz Hirndorf/dpa

Die Post verkündet das Ende des Telegramms.

Das waren noch Zeiten, als der Postbote zweimal klingelte und wichtige Nachrichten höchstpersönlich überreichte. Nachrichten wie: „Ankomme Samstag 20 Uhr Oma“. Nun ja, rückblickend darf man wohl getrost sagen, dass sich im Telegramm bereits andeutete, welchen Effekt die Verknüpfung von Platz und Geld auf die Sprache haben kann. Hier wird bewusst die Formulierung „kann“ gewählt, weil es natürlich möglich ist, große Gefühle und gewichtige Wahrheiten in wenige Worte zu legen. Aber im Großen und Ganzen hat das Telegramm – bei allen Verdiensten um die schnelle Verbreitung wichtiger Nachrichten – wohl eher zum Niedergang der Sprache beigetragen.

„Im 19. Jahrhundert erfunden, war das Telegramm bis weit ins 20. Jahrhundert hinein eine der schnellsten Möglichkeiten, wichtige Informationen zu übermitteln“, war gestern in der Meldung zu lesen, in der die Deutsche Post das Ende des Telegramms verkündete. Und zwar schon zum Ende des Jahres, denn das Angebot sei zuletzt kaum noch genutzt worden. Irgendwie verständlich, denn „die Preise für ein Telegramm waren trotz des Bedeutungsverlustes weiter gesalzen“, wie es in der dpa-Meldung heißt: Ein Mini-Telegramm mit bis zu 160 Zeichen kostete zuletzt mindestens 12,57 Euro, ein Maxi-Telegramm mit bis zu 480 Zeichen 17,89 Euro – mit Schmuckblatt wurden 21,98 Euro fällig. Schmuckblatt klingt gut!

Andererseits: Wären die Preise pro Zeichen auch in elektronischen Nachrichten so gesalzen wie beim Telegramm – die Zeiten wären vielleicht weniger hysterisch.

Auch interessant

Kommentare