Einsatz nahe der Tham-Luang-Höhle: Die ersten Kinder sind in Sicherheit.
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Einsatz nahe der Tham-Luang-Höhle: Die ersten Kinder sind in Sicherheit.

Höhlen-Rettung

Aufatmen in Thailand

  • Willi Germund
    vonWilli Germund
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Weltweit wurde um die in einer Höhle eingeschlossenen Jungen und ihren Trainer gebangt. Nun endlich hat die gefährliche Rettungsaktion begonnen. Eine Reportage vom Fuße des Nang Non.

Ein Polizist sitzt auf einem Stuhl vor einem Wegweiser mit der Aufschrift „Tham-Luang-Höhle 2 Kilometer“. Daneben dröhnt im Dorflokal Diskomusik aus den Lautsprechern.

Stünde nicht die Wasserpumpe neben einem Teich, die kubikmeterweise lehmfarbenes Wasser aus dem Höhlenlabyrinth in die Kanäle pumpt, wäre am Fuße des Nang-Non-Berges („Liegende Dame“) nichts von dem Drama zu spüren, dass sich am Sonntag seit zehn Uhr morgens in dessen Innern abspielt.

13 ausländische Höhlentaucher – die besten der Welt, sagen Thailands Behörden – und fünf lokale Navy Seals haben sich vom Eingang der Höhlen unter dem grün bedeckten, von Wolken umrahmten „Gesicht der Lady“ vier Kilometer tief zu der kleinen Grotte vorgekämpft, in der die Eingeschlossenen feststecken. Selbst die Profitaucher benötigen fünf bis sechs Stunden für die Strecke. Die Retter hatten sich nach langen Vorbereitungen erst am Sonntagmorgen endgültig zu dem Einsatz entschlossen.

Aus ihrer Sicht wäre es nur noch gefährlicher geworden, weiter zu warten. In Südostasien ist gerade Monsunzeit. Zudem sank am bisherigen Aufenthaltsort der Gruppe in der Höhle der Sauerstoffgehalt in der Luft. Auch das sprach dafür, die Rettungsaktion nicht länger hinauszuschieben.

Am frühen Abend, nach langem und bangem Warten, kommen dann die ersten guten Nachrichten. Die Rettungsteams haben zwei Jungen herausgebracht, die sofort Richtung Krankenhaus gebracht wurden. Später überschlagen sich die Meldungen: Drei Jungen sind plötzlich schneller evakuiert als erwartet. Es folgt der vierte Junge. Die übrigen Mitglieder der Jugend-Fußballmannschaft sollten am Montag (Ortszeit) aus der Höhle befreit werden, erklärte das Amt für Katastrophenschutz.

Der Himmel ist nach einwöchiger Pause wieder von den bleiernen grauen Wolken der Regenzeit verhangen. Es ist genau 15 Tage her, dass die zwölf jungen Kicker im Alter von elf bis 16 Jahren mit ihrem 25-jährigen Trainer bei gutem Wetter in die zehn Kilometer tiefe Höhle wanderten – und nach plötzlich einsetzendem Regen nicht wieder herauskonnten. Zehn Tage fehlte jedes Lebenszeichen von den Jungen, die größtenteils Minderheiten in Thailand angehören, – bis zwei eingeflogene britische Höhlentaucher sie zufällig entdeckten. Später starb ein anderer Taucher, der Sauerstoff in die Höhlen transportierte.

Am Sonntagabend wird klar: Die Retter konnten offenbar die Jungen – die gar nicht oder kaum schwimmen können und noch nie getaucht sind – schneller und einfacher aus ihrem dunklen Verlies holen, als erwartet. Pechschwarzes Wasser, das laut einem Taucher einer Kaffeebrühe gleicht, mussten die Jungen überstehen. Sie mussten sich durch Engstellen zwängen und gegen die Strömung kämpfen. Und das in einer Höhle, die laut einem erfahren Taucher einem „Mount Everest der Höhlen“ gleichkommt.

Die Rettungsoperation wird von den thailändischen Behörden vor den Medien aus aller Welt abgeschirmt. Auch am Abend ist noch ungewiss, wie es um die verbleibenden Jungen und ihren Trainer steht. Vor einigen Tagen galten der Coach, der seine wenigen Lebensmittelvorräte den Kindern gegeben hatte, und zwei Jungen als zu schwach, um herauszutauchen. Ein australischer Mediziner war auf Drängen der anderen ausländischen Höhlentaucher eigens für die Evakuierung eingeflogen worden. Er gilt als internationale Kapazität und harrt angeblich bei den Kindern in der Höhle bis zum Schluss aus.

„Die Bedingungen waren noch nie so perfekt wie heute“, hatte am Sonntagmorgen Gouverneur Narongsak Osottanakorn erklärt, als die Aktion startete. Die Kinder und auch die Eltern seien mit der Rettungsaktion einverstanden, fügte er hinzu.

Doch ob die Aktion wirklich zu einem „Wunder von Thailand“ werden würde, war Sonntagabend noch nicht klar. Erst wenn der letzte der 13 Vermissten gerettet wurde, dürfte Thailand, das gebannt das wochenlange Drama verfolgt hatte, erleichtert aufatmen.

Es dürfte der 25-jährige Trainer sein, ein ehemaliger Mönch, der den Kindern in der Finsternis das Meditieren beibrachte, dem sie möglicherweise ihre Leben ebenso verdanken, wie den Tauchern, die sie aus dem Bauch der „Liegenden Dame“ nahe der Stadt Mae Sai im Norden Thailands herausholten.

Am Sonntag jedenfalls scheint es plötzlich nicht mehr unmöglich, dass die Nachwuchsmannschaft der Einladung der Fifa folgen könnte und beim Weltmeisterschaftsendspiel in Moskau am 15. Juli dabei ist. Sollte es nicht klappen, werden auf alle Fälle die Küchen heißlaufen.

Denn am Samstag ließen die Jungs ihre Eltern in Briefen wissen, auf welche Lieblingsspeisen sie sich schon freuen. Ein Gericht auf der Liste: Gegrilltes Schwein mit jeder Menge Chili. mit dpa/afp

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