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Die Maus schafft’s: Und zwar seit 50 Jahren. Was macht sie so zeitlos? Zwei Gespräche über eine Figur, die auch ohne Worte viel zu sagen hat. Und drei Anekdoten aus der FR-Redaktion
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Die Maus schafft’s: Und zwar seit 50 Jahren. Was macht sie so zeitlos? Zwei Gespräche über eine Figur, die auch ohne Worte viel zu sagen hat. Und drei Anekdoten aus der FR-Redaktion

50 Jahre Maus

Die Maus schafft’s

  • Boris Halva
    VonBoris Halva
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Ein Gespräch mit Moderator Ralph Caspers über den Spaß am Erklären – und warum es gut ist, immer wieder neue Perspektiven einzunehmen.

Herr Caspers, was kann die Maus, was das Internet nicht kann?

Also … (Es folgen ungefähr acht Sekunden Nachdenkstille) – die Maus und das Internet, das ist so ein bisschen wie der Vergleich zwischen Äpfeln und Eiern ... Das Internet ist ja zunächst etwas ziemlich Ab-straktes, aber wenn man es ganz platt betrachtet, ist es nur ein Netzwerk von Computern. Die Maus wiederum ist eine konkrete Figur, die einem was erzählen kann. Und weil die Maus ja auch im Internet ist, hieße das doch eigentlich: Wenn die Maus etwas kann, kann das Internet das auch.

Wir schauen auch mal seitlich-verrückt drauf.

Moderator Ralph Caspers über den Spaß am Erklären - und warum man öfter die Perspektive wechseln sollte.

Und was erklären Sie lieber: Etwas aus der digitalen Welt – oder ganz klassisch ein analoges Ding?

Ich mach’ da keine Unterschiede. Alles, was digital passiert, hat ja auch eine Auswirkung auf unser analoges Leben. Es gibt da eine Verbindung, so eine Art Interface. Wir haben vor gar nicht langer Zeit zu erklären versucht, wie ein Smartspeaker funktioniert. So ein Gerät kann ich anfassen, und da wird auch das Digitale greifbar. Genauso war das, als ich eine Geschichte gemacht habe darüber, wie man digital zählt. Also, wie man mit zehn Fingern bis 1023 zählt. Die Idee dabei war, dass man einen Eindruck bekommt, wie Computer funktionieren. Das ist ja total simpel von der grundsätzlichen Struktur – umso erstaunlicher, dass daraus so etwas Komplexes entstehen kann …

Zur Person:

Ralph Caspers, 49, wollte Designer oder Künstler werden, ist dann aber „irgendwie beim Fernsehen reingerutscht und hängengeblieben“. Aber wenn man es genau betrachtet, hat er seinen ursprünglichen Plan doch realisiert: Er designt Geschichten und präsentiert sie ziemlich kunstvoll. Oder? boh/Bild: WDR/Annika Fußwinkel

Ist diese Komplexität nicht manchmal zum Verzweifeln?

Letztlich ist es doch egal, ob es ein analoges oder ein digitales Thema ist. Und auch da ist die Sachgeschichte über den Smartspeaker ein Paradebeispiel für die Art und Weise, wie wir arbeiten: Es gibt ein Thema, und das Thema müssen wir erst mal verstehen. Und um das zu verstehen, sprechen wir mit ganz vielen Leuten, die viel mehr Ahnung haben, als wir das jemals haben können. So bauen wir nach und nach unser Verständnis auf. Und wenn wir das kapiert haben, nehmen wir alles wieder runter, sodass nur noch das Skelett der Erklärung übrigbleibt. Die nächste Frage ist dann, ob wir mit diesem Skelett jemand anderem, mit dem wir gemeinsam im Fahrstuhl in den 20. Stock fahren, in dieser Zeit verständlich erklären könnten, wie ein Smartspeaker funktioniert. Wenn wir sehen, es funktioniert, dann schauen wir: Wie viel Zeit haben wir noch? Und wie viel von dem Fleisch, das wir vorher runtergenommen haben, können wir wieder auf das Skelett drauf packen, damit es vielleicht noch etwas runder wird und noch mehr hängen bleibt. Und dieses Fleisch kann etwas Spielerisches sein – zum Beispiel die Wolke, die ich mir umhänge, um die Cloud zu symbolisieren. Es kann aber auch sein, dass wir noch ein bisschen tiefer reingehen und noch ein paar Details mehr erklären. Wichtig ist, immer drauf zu achten, dass das, was wir sagen, nicht so vereinfacht ist, dass es falsch wird.

Ralph Caspers – Moderator.

Sie sind jetzt mehr als 20 Jahre bei der Maus im WDR: Hat das Internet die Arbeit der Maus verändert? Ist es schwieriger geworden, Geschichten zu erzählen?

Als ich damals für meine ersten Sendungen recherchiert habe, war das ein enormer Aufwand, in allen möglichen Telefonbüchern nach den Fachleuten zu suchen, von denen ich schon mal gehört hatte. Das fällt weg und allein das macht unsere Arbeit sehr viel einfacher! So können wir uns auf die komplexer gewordenen Themen viel besser konzentrieren. Und mir macht das wirklich großen Spaß, zu überlegen, wie können wir diese sehr abstrakten Themen so aufbereiten, dass sie nachvollziehbar, dass sie greifbar werden. Das ist eine Herausforderung, die es so vor 50 Jahren noch nicht gab.

Es dürfte heute auch schwieriger sein, zu erklären, wie ein Stuhl hergestellt wird, weil es hierzulande vielleicht gar keine Stuhlfabrik mehr gibt …

Naja, kommt drauf an, was man erklären möchte. Geht es darum zu erklären, was man tun muss, damit ein bestimmtes Modell stabil bleibt? Oder möchte man erklären, wie viele Beine man mindestens braucht, damit man auf einem Stuhl gut sitzen kann – und warum das so ist? Das ist ja auch unser Grundprinzip bei „Wissen macht Ah!“: Dass man nicht nur immer von vorne auf eine Sache schaut, sondern auch mal von der Seite draufblickt. Also seitlich-verrückt drauf schaut, um zu sehen, welche neuen Perspektiven gibt es denn sonst noch so? Damit zeigen wir allen, die zuschauen: Es gibt viele Möglichkeiten, den Blick zu schärfen und die Welt zu untersuchen. Und das macht ja auch die Maus: Zeigen, dass es immer was Neues zu entdecken gibt – selbst bei Sachen, die man schon tausendmal in der Hand hatte.

(Interview: Boris Halva)

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