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Amazon und Lieferando

Attila Hildmann endgültig gecancelt – Letzte Unternehmen werfen seine Produkte aus dem Sortiment

  • vonMirko Schmid
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Attila Hildmann ist auf der Flucht: In der Türkei versteckt er sich vor den deutschen Ermittlungsbehörden. Nun droht seine Reisekasse knapper zu werden. 

Berlin/Ankara – Attila Hildmann ist sauer. Der Rechtsextremist, derzeit wohl in der Türkei auf der Flucht, verleiht seinem Unmut auf Telegram Ausdruck. In Versalien wettert er von einem „Rausschmiss dafür, dass 99% meiner kruden Verschwörungstheorien wahr wurden!“ Es folgt eine wilde Ansammlung aus in der Szene beliebten Schlagwörtern wie „Diktatur“, „Impftoten“, „Corona-KZs“, „Totalüberwachung“.

Grund für Hildmanns Furor diesmal: Amazon und Lieferando. Die beiden Versandhändler haben sich nämlich einer langen Reihe von Unternehmen angeschlossen, welche die Produkte des mutmaßlichen Volksverhetzers nicht mehr vertreiben wollen. Damit nehmen auch die letzten Großhändler Hildmanns Produkte wie Kochbücher für vegane Biokost, Bio-Tee und Speisen seiner „Vegan Bio Snackbar“ aus dem Sortiment. Ein finanziell harter Schlag gegen den Flüchtigen.

Amazon hat seine Meinung geändert - keine Produkte von Attila Hildmann mehr im Sortiment

Der Schritt kommt durchaus unerwartet. Amazon hatte sich lange dagegen gesperrt, auf Hildmanns juristisch wie moralisch relevanten Äußerungen zu reagieren und darauf verwiesen, dass seine Kochbücher keine „jugendgefährdenden Inhalte“ transportieren würden. Offensichtlich hat ein Umdenken stattgefunden. Amazon, das die Produkte aus dem Hause Attila Hildmann eine Weile sogar per eigenem „Prime“-Angebot direkt vertrieben hatte, hat die Produkte des Agitators ausgelistet.

NameAttila Klaus Peter Hildmann
Alter40 Jahre (* 22. April 1981, Berlin)
StaatsangehörigkeitenDeutsch, türkisch
BerufUnternehmer

Auch Lieferando macht Ernst. Wie von Firmenchefin Katharina Hauke gegenüber dem „Spiegel“ schon Ende 2020 angedeutet, kennt die App des Unternehmens Hildmanns „Vegan Bio Snackbar“ inzwischen nicht mehr. Damit fallen die letzten größeren Einnahmequellen des in die Türkei geflüchteten Rechtsextremisten weg, ihm bleibt in Deutschland nun nur noch der Eigenvertrieb. Und dieser gestaltet sich schwierig, wenn der Chef gerade untergetaucht ist, um vor laufenden Verfahren zu fliehen.

Vor Amazon und Lieferando schmissen zuvor Kaufland und Tegut Attila Hildmann raus

Mit ihrem Schritt schließen sich Amazon und Lieferando weiteren prominenten Namen an, die schon früher gehandelt haben und Produkte eines Mannes, der zum Beispiel „der Jude ist ein Massenmörder, der 7 Milliarden Menschen mit seinem Rattengift ermorden will“ schreibt, aus ihren Angeboten verbannt. Den Anfang machten im Mai 2020 Vitalia und Kaufland, die Hildmann-Waren aus ihren Regalen entfernten. Einen Monat später schloss sich der Fruchtsaftproduzent Voelkel an und beendete die Produktion von Hildmanns Dosenbrause.

Als Nächstes war Tegut an der Reihe und sprach mit der Streichung der Attila Hildmann-Produkte aus dem eigenen Sortiment von einer Disqualifikation, die sich Hildmann „mit der Summe seiner Äußerungen und Handlungen der letzten Wochen“ selbst eingebrockt habe. Und noch vor Amazon setzte die deutsche Buchhandelskette Thalia ein Zeichen, indem sie sich mit „allem Nachdruck“ von Hildmann und seiner „rechtsradikalen und antisemitischen Weltanschauung“ distanzierte.

Aktivist:innen nehmen Attila Hildmann mit einem Plakat in Köln auf die Schippe.

Trotzdem sind dort bis heute E-Books Hildmanns im Angebot. Als Grund dafür schreibt Thalia: „Grundsätzlich wollen wir als Buchhändler weder zensieren noch Diskussionen vorwegnehmen, indem wir Titel, die keinen Anlass für inhaltliche Beanstandungen bieten, aus dem Sortiment nehmen.“ In der Beschreibung des Autors Attila Hildmann über dem Angebot seines E-Books „Vegan for Starters“ heißt es: „Seine lockere Art, seine Einstellung zu gesunder Ernährung und klimafreundlichem Kochen kombiniert mit Sport trifft den Zeitgeist.“ Und: „Attila Hildmann wird zu Recht als der Star der veganen Küche bezeichnet.“

Attila Hildmann: Der Flüchtige will Rache

Hildmann schafft es, in seiner Reaktion auf die neuerlich wegbrechenden Einnahmequellen Selbstmitleid und Trotz unter einen Hut zu bringen. Er schreibt: „Sie nahmen mir alles und wollten mich einsperren! Sie werden ihre Strafe dafür bekommen! Ich lebe und kämpfe für meine Ideale und meine Rache.“ (Mirko Schmid)

Anmerkung: Dem Artikel wurde im Nachhinein ein Absatz zum Umgang der Buchandelskette Thalia mit Attila Hildmann hinzugefügt.

Rubriklistenbild: © Stefan Zeitz via www.imago-images.de

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