Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Auch Deutschland trägt mit der Anschaffung von atomwaffenfähigen F-18-Kampfjets Mitverantwortung bei dem rückgängigen Trend des Abbaus von Atomwaffen.
+
Auch Deutschland trägt mit der Anschaffung von atomwaffenfähigen F-18-Kampfjets Mitverantwortung bei dem rückgängigen Trend des Abbaus von Atomwaffen.

Sipri-Studie

Trendwende: Zahl einsatzbereiter Atomwaffen steigt

  • VonDavid Suárez Caspar
    schließen

Insgesamt sinkt die Zahl der Atomwaffen, jedoch haben die Atommächte ihr Arsenal einsatzbereiter Sprengköpfe in 2020 aufgestockt.

Stockholm - Seit dem Ende des Kalten Kriegs haben sich die Atommächte für den Abbau ihrer Atomwaffen-Arsenale verpflichtet. Doch im Jahr 2020 scheint dieser Trend ins Stocken geraten zu sein. Obwohl die Zahl der Atomsprengköpfe weltweit von 13.400 auf 13.080 innerhalb eines Jahres sank, wurden mehr Atomwaffen in Einsatzbereitschaft versetzt. Das teilte das schwedische Friedensforschungsinstitut in Stockholm (Sipri) am Montag (14.06.2021) mit.

Etwa 105 nukleare Sprengköpfe wurden im vergangenen Jahr einsatzbereit gemacht. Dadurch stieg die Zahl der einsatzbereiten nuklearen Sprengköpfe in 2020 von 3720 auf 3825. Etwa 2000 davon seien in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden, die meisten davon in Russland und den USA. Sowohl die USA als auch Russland hatten im vergangenen Jahr die Zahl ihrer Atomwaffen durch ausgemusterte Sprengköpfe weiter abgebaut. Beide hatten jedoch Anfang 2021 schätzungsweise rund 50 nukleare Sprengköpfe mehr im Einsatz als ein Jahr zuvor, erklärte Sipri.

Atomwaffen-Abrüstung: Stocken des Trends laut Sipri „besorgniserregend“

Russland habe sein militärisches Atomwaffenarsenal insgesamt um etwa 180 Sprengköpfe aufgestockt. Dies sei vor allem auf die Stationierung von weiteren landgestützten Interkontinentalraketen (ICBMs) und seegestützten ballistischen Raketen mit mehreren Sprengköpfen zurückzuführen. Beide Staaten hielten die im New-Start-Abrüstungsvertrag festgelegten Grenzen ein. Das Abkommen ist erst im Februar verlängert worden. Es sieht keine Begrenzung der Gesamtbestände an atomaren Sprengköpfen vor.

„Die Gesamtzahl der Sprengköpfe in den globalen militärischen Beständen scheint zu steigen“, sagte Hans M. Kristensen, Experte bei Sipri für nukleare Abrüstung, Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung. Es sei „ein besorgniserregendes Zeichen dafür, dass der rückläufige Trend, der die globalen Atomwaffen-Arsenale seit dem Ende des Kalten Krieges charakterisiert hat, zum Stillstand gekommen ist“.

Russland (6255) und die USA (5550) machen zusammen über 90 Prozent des weltweiten Atomwaffen-Arsenals aus. Beide finanzieren umfangreiche und teure Programme, um nukleare Sprengköpfe, Raketen- und Flugzeugträgersysteme sowie Produktionsanlagen zu ersetzen und zu modernisieren. „Sowohl Russland als auch die USA scheinen die Bedeutung, die sie Atomwaffen in ihren nationalen Sicherheitsstrategien beimessen, zu erhöhen“, erklärte Kristensen.

Atommächte modernisieren und erweitern ihr Atomwaffen-Arsenal

Doch nicht nur Russland und die USA führen diesen besorgniserregenden Trend fort. Auch die anderen Atommächte bauen auf ihre Atomwaffenarsenale und investieren in ihre nukleare Kapazität, planen, entwickeln oder stationieren bereits neue Waffensysteme. Zu den Atommächten zählen neben USA und Russland, Großbritannien, Frankreich, Israel, China, Pakistan, Indien und Nordkorea. Großbritannien erhöhte die geplante Obergrenze für Atomwaffen von 180 auf 260. China modernisiert und erweitert sein Atomwaffeninventar. Auch Indien und Pakistan sind dabei, ihre Atomwaffenarsenale zu erweitern. Nordkorea baut sein militärisches Atomprogramm als zentrales Element seiner nationalen Sicherheitsstrategie weiter aus.

Die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (Ican), die 2017 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, berichtete Anfang Juni, dass die Atommächte die Ausgaben für ihre Arsenale in 2020 trotz der Corona-Pandemie um 1,4 Milliarden Dollar (1,2 Milliarden Euro) auf 72 Milliarden Dollar erhöht haben.

Es sei eine „alarmierende Nachricht“, dass sich die „atomare Rüstungsspirale“ weiterdrehe, erklärte Greenpeace-Sprecher Christoph von Lieven in Hamburg. Auch Deutschland trage mit der geplanten Anschaffung der atomwaffenfähigen F-18-Kampfjets Mitverantwortung. Der Greenpeace-Sprecher forderte die nächste Bundesregierung auf, die geplante Anschaffung der Kampfjets auszusetzen und für den Abzug der auf dem Bundeswehr-Fliegerhorst bei Büchel in Rheinland-Pfalz stationierten US-Atomwaffen zu sorgen. (David Suárez Caspar mit afp)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare