Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Comicautor Jean-Yves Ferri mit Asterix und Obelix Figuren bei der Vorstellung des neuen „Asterix“-Comics.
+
Comicautor Jean-Yves Ferri mit Asterix und Obelix Figuren bei der Vorstellung des neuen „Asterix“-Comics.

Comic

Asterix und der Greif: Im wilden Osten

  • Stefan Brändle
    VonStefan Brändle
    schließen

Auch wenn der weltberühmte Gallier ein bisschen müde wirkt: Das neueste Abenteuer ist höchst unterhaltsam – nicht nur wegen seiner gelungenen Gegenwartsbezüge.

Das Problem mit der Kälte ist: Erstens gefriert der Zaubertrank, was ihn wirkungslos macht. Das rächt sich im Wilden Osten, wo der Druide Miraculix einem befreundeten Schamanen zu Hilfe eilt. Und zweitens macht der Frost die Römer „ganz steif“, wie Obelix klagt. Da unsere Gallierfreunde mittlerweile beim 39. Band angelangt sind, brauchen die Keilereien allerdings nicht mehr ausgeführt werden: Ein Bild von einem Haufen Römer voller Veilchen, verbeulter Helme und zerbrochener Lanzen genügt, um zu wissen, wessen Weg die Römer wieder mal gekreuzt haben.

Richtig: Asterix, Jahrgang 1959 und doch ewig jung, ist wieder unterwegs. Sein neuestes Abenteuer, das am heutigen Donnerstag in 17 Sprachen und mit einer Auflage von fünf Millionen erscheint, trägt eigentlich Trauerflor: Es ist das erste Gallier-Epos ohne den Zeichner und nachmaligen Autor Albert Uderzo, dem die Fangemeinde voriges Jahr für immer Lebewohl sagen musste. Texter René Goscinny war bereits 1977 verstorben.

Asterix und der Greif: Im Geiste von Goscinny und Uderzo

Die Nachfolger Jean-Yves Ferri und Didier Conrad, die als Duo schon beim fünften Album angelangt sind, spürten damit erstmals nicht Uderzos wachsames Auge über ihrer Arbeit. „Der Druck ist geringer“, räumte Texter Ferri bei der Pariser Präsentation von „Asterix und der Greif“ ein. „Aber keine Angst, wir bleiben dem Geist von Goscinny und Uderzo treu.“ Auch in der neuen Geschichte ist alles da: Klamauk und Running Gags („Ein Wolf!“ – „Kann man Wölfe essen?“), lateinische Sprichwörter und witzige Gegenwartsbezüge: Für das Betreten des Römerlagers ist nicht mehr eine Losung, sondern ein „Passwort“ erforderlich.

Der Plot ist gut und zielführend. Wie oft bei Ferri wirkt er etwas überfrachtet, wenn man mit der kongenialen, allein schon vom Sprachwitz lebenden Einfachheit Goscinnys vergleicht. Diesmal machen sich Caesars Legionäre und das Gallier-Komitee unabhängig voneinander auf nach Osten, in die „eisige, endlose Steppe, gehüllt in dicken Nebel“, wie es zum ersten völlig weißen Bild der Asterix-Ära heißt.

Beide Parteien suchen dasselbe: den furchtbaren Greif. „Halb Adler, halb Löwe, mit Pferdeohren – eine echte Legende“, schildert ihn ein Römerkenner. „Genau wie ich“, findet Caesar und entsendet den Geografen Globulus, der bis auf die schüttere Haarpracht dem französischen Starautoren Michel Houellebecq gleicht. Mit seinen Kumpels Brudercus und Ausdiemaus soll er die neue Attraktion für den Circus Maximus im tiefen östlichen Winter aufstöbern. Mit von der Partei ist auch Fakenius, der Verschwörungstheoretiker, dem es schon verdächtig vorkommt, dass die Sonne immer im Osten aufgeht. Die Römer halten sich für die Herren der Zivilisation, haben aber Angst, auf ihrer Reise zum mythischen Steppenvolk der Sarmaten über den Tellerrand der Erde zu fallen.

Ökokram und Frauenpower

Doch wer zum Teutates sind die Sarmaten? Ein vergessenes Volk, das vergorene Stutenmilch trinkt, was Obelix sauer aufstößt, und in seinen Jurten auch sonst im Einklang mit der Natur lebt. Die Hosen haben bei ihnen die Frauen an, allen voran die Kriegerinnen Matrjoschkowa, Supernowa und Kalaschnikowa. Die Männer dürfen den Abwasch machen. Und natürlich schnappt sich die feurige Casanowa gleich Obelix, der nicht nur wegen der Affenkälte puterrot anläuft.

Schamanen, Öko und Frauenpower: Soviel Zeitgeist wirkt bisweilen fast etwas aufgesetzt. Vielleicht reagieren Ferri und Conrad damit auf eine Bücherverbrennung in Kanada: Dort haben Woke- und Inuit-Aktivist:innen in diesem Jahr auch Asterix-Werke in die Flammen geworfen, weil ein Indianermädchen darin einen „sexistischen“ Minirock trug. Goscinnys Tochter Anne, aus einer jüdischen Buchdrucker-Familie stammend, die von Pariser Faschisten verfolgt worden war, ereiferte sich diese Woche in Paris: „Dass man im 21. Jahrhundert noch Bücher verbrennt, hätte meinen Vater irrsinnig gemacht.“ Dem 39. Asterix-Heft droht solcherlei nicht. Ohne das hollywoodreife Ende zu enthüllen: Die Guten gewinnen, die Bösen verlieren. Und zwar auch die Goldklumpen, die Globulus unterwegs aufgesammelt hatte.

Asterix und der Greif: Asterix hat nicht seinen stärksten Auftritt

Anders der Pariser Großverlag Hachette, an den Uderzo die Asterix-Rechte 2008 abgetreten hatte. Heft 39 wird mit seiner Monsterauflage wohl einige Sesterzen einspielen. Für 2022 ist der neueste, 65 Millionen Euro teure Asterix-Spielfilm „Das Reich der Mitte“ geplant. Er ist gemünzt auf den chinesischen Markt, sucht doch eine Prinzessin aus Shanghai das Gallierdorf auf. Na ja. Und mit Netflix – nomen est omen – hat der Verlag die Produktion einer aufwendigen Trickfilmserie beschlossen. Im Norden von Paris hat auch der Asterix-Park seinen Betrieb nach einer langen Covidpause wieder aufgenommen.

Asterix hat dazu nicht viel zu sagen. Der kleine Gallier hat in dem neuen Band ohnehin nicht seinen stärksten Auftritt. Ohne Zaubertrank verleiht er der neuen Geschichte kaum Impulse. Hält der Held ohne Alter, der schon etliche Generationen überdauerte, heute noch mit? Nostalgiker nörgeln seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, Asterix sei ohne seine Erfinder „nicht mehr das Gleiche“, es fehle ihm die Leichtigkeit. Den neuen Autoren ist indes kein Vorwurf zu machen. Es sind Vollprofis mit Inspiration. Wobei Ferri eigentlich so unpersönlich bleibt wie Asterix selbst. Der Zeichner Conrad schafft sich mit großen, halbseitigen Zeichnungen eher ein Markenzeichen.

Asterix und der Greif: Der Goldessel geht noch nicht in Pension

Und Hand aufs Herz: Die Galliergeschichten tun immer noch gut. Besser als Squid Game oder andere Blockbuster. Die Frage ist nicht, ob das Heft 39 das Niveau wahrt (das tut es!). Aber man darf sich fragen, was Goscinny heute mit einer Serie tun würde, die er in einer Viertelstunde geboren hatte und die nun seit 62 Jahren weltumspannenden Erfolg feiert. Andererseits ist auch klar: Hachette wird den gallischen Goldesel – auch wenn er ein bisschen müde wirkt – nicht so schnell in Pension schicken. (Stefan Brändle)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare