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Da steckt Kraft drin: Das Fahrgeschäft „Discobélix“.

Asterix und Obelix

Die spinnen, die Römer!

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Die Franzosen sind völlig verrückt nach Asterix und Obelix. Seit genau 30 Jahren widmet sich sogar ein Themenpark ihren Comic-Abenteuern. 

Asterix hat keinerlei Berührungsängste. Großzügig verteilt er Umarmungen an jeden, der seinen Weg kreuzt, und dass er dabei stumm bleibt, gleicht er mit freundlichem Gewinke aus. Obelix neben ihm erscheint nicht minder zugänglich, bleibt aber etwas mehr auf Distanz: Vielleicht hat er Angst, Kinder mit seinem riesigen Ballon-Bauch umzuwerfen.

Die beiden haben sozusagen alle Hände voll zu tun. Der Parc Astérix im Ort Plailly, der 35 Kilometer nordöstlich von Paris und zehn Kilometer vom Flughafen Charles-de-Gaulle entfernt liegt und durch den sie jeden Tag grüßend spazieren, meldet gute Besucherzahlen: Im vergangenen Jahr hat er zum zweiten Mal seit seiner Eröffnung vor fast genau 30 Jahren, am 30. April 1989, die Marke von zwei Millionen Gästen übertroffen und zugleich jene der 50 Millionen insgesamt.

Im Vergleich zu Disneyland Paris mit seinen 9,6 Millionen Besuchern pro Jahr liegt das Universum der widerspenstigen Gallier zwar weit abgeschlagen zurück. Doch der Parc Astérix sieht sich, wie die Direktion betont, weniger als Konkurrenz zu Disney, sondern als französische Alternative. Franzosen machen schließlich rund 85 Prozent der Gäste aus.

Denn bei „Asterix und Obelix“ handelt es sich zwar um eine international bekannte Marke und das weltweit am häufigsten übersetzte Comic: Es wurde in 80 Ländern sowie 111 Sprachen und Dialekten veröffentlicht. Wer aber ohne Französisch-Kenntnisse den Park entdeckt, dem entgehen so manche der humorvollen Fingerzeige: Die Fahrgeschäfte heißen „Le Vol d’Icare“ – „der Flug des Ikarus“ – oder „Le Cheval de Troie“ – „das Trojanische Pferd“.

Die Franzosen lieben ihren Vergnügungspark Parc Asterix in Paris.

Freilich lassen sie ihren Gästen den Wind um die Ohren brausen, ob diese nun mit der griechischen Mythologie vertraut sind oder nicht. Die Kinder, an die sich der „Jardin d’Idéfix“,der „Garten von Idefix“ richtet, sind meist ohnehin noch zu klein, um zu wissen, dass der Name des Hündchens vom französischen „Idée fixe“ abgeleitet ist, also einer „fixen Idee“. Aber groß genug, um durch den Parcours wie durch einen Wald mit sich bewegenden Kreaturen zu tappen. Gegessen wird in „Les Fastes de Rome“, also „beim prunkvollen Gelage von Rom“ – oder international verständlich Pommes beim „Fritapopoulos“.

Auch für die beiden Shows gilt, dass Französischkenntnisse von Vorteil, aber kein Muss sind. Das „Match“ der römischen Legionäre gegen die gallischen Kämpfer lebt vor allem vom lustigen Klamauk und von artistischen Einlagen. Die Delfine und Seelöwen im Wasserbecken, die dreimal täglich auftreten, haben zwar an sich wenig mit widerspenstigen Galliern zu tun. Doch ihre Kunststücke, die sie mit ihren Pflegern vollführen, sind faszinierend – auch wenn 2018 eine Tierschutzorganisation aus Protest dagegen im vergangenen Jahr eine Show störte. Wie um die Kritik abzufedern, informiert ein als Professor verkleideter Schauspieler während der Aufführung über Lebensgewohnheiten der Tiere und versichert, es gehe ihnen hier durchaus gut.

Die Idee für den Park stammte von den Schöpfern von Asterix und Obelix, Autor René Goscinny und Zeichner Albert Uderzo, die an den Entwürfen mit beteiligt waren. Nach zwei Jahre andauernden Bauarbeiten öffnete der Park am 30 April 1989: 20 000 Besucher kamen am ersten Wochenende und verursachten Staus auf der Autobahn, aus den roten Zahlen heraus kam der Park dennoch erst 1994 infolge kontinuierlicher Investitionen.

Inzwischen beläuft sich die Zahl der Fahrgeschäfte auf 47 – darunter ebenso wilde Achterbahnen wie harmlose Kinderkarusselle. „Unser Freizeitpark hat seit jeher viele junge Erwachsene und Teenager angezogen“, sagt Generaldirektor Nicolas Kremer. „Wir wollen dieses Klientel bewahren, aber auch die Angebote für Familien mehr ausbauen.“ Aufgeteilt ist der Park in sechs Themen-Welten: das Reich der Gallier, das Römische Reich, jenes der Wikinger, das Antike Griechenland, Ägypten sowie eine Reise durch die Zeit.

Von 2017 bis 2020 wurde ein neuer Investitionsplan von 100 Millionen Euro aufgelegt, der vor allem die Vergrößerung der Unterkunftsmöglichkeiten vorhersah: Gibt es derzeit zwei Hotels mit insgesamt 300 Zimmern, sollen in diesem Sommer 150 weitere Zimmer hinzukommen sowie ein drittes Hotel in 2020.

Im Jubiläumsjahr eröffnet mit „Attention Menhir!“ – „Achtung, Hinkelstein!“ – demnächst ein 4D-Kino für Zuschauer, die mit 3D-Brillen ausgestattet auf beweglichen Sitzen hocken. Neben Wind und Wasser sollen auch Gerüche ein intensives Filmerlebnis schaffen. 6,6 Millionen Euro wurden in das Kino mit seiner sechs Meter hohen und 20 Meter breiten Leinwand investiert. Als weitere Neuheit gibt es zwischen 13. Juli und 18. August ein „Bankett“ mit Buffet in „100 Prozent gallischem Ambiente“ vom Hocker bis zum Trinkkelch, wie Céleste Surugu, Generaldirektor des Verlagshauses Éditions Albert René, sagt: „Alle Abenteuer enden doch mit einem großen Bankett.“

Gutes Essen ist hier ohnehin wichtig, schließlich befinden wir uns in Frankreich – das heißt, eigentlich in Gallien, im Jahre 50 vor Christus.

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