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Arzt steht in Norwegen vor Gericht: In Deutschland operiert er weiter

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Von: Vincent Büssow

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Operationsinstrumente im OP-Saal.
Ein Arzt steht in Norwegen wegen zahlreicher fehlerhafter und überflüssiger Operationen vor Gericht. Jetzt arbeitet er in Deutschland weiter. (Symbolbild) © Loritz Lopez/Imago Images

Ein Arzt operiert in Norwegen hunderte Patienten ohne die nötigen Kenntnisse – mit schweren Folgen. Trotzdem arbeitet er jetzt in Deutschland weiter.

Frankfurt – Ein Arzt, der in Norwegen aufgrund zahlreicher Berufsvergehen vor Gericht steht, praktiziert offenbar in Deutschland. Dies berichtet der öffentlich-rechtliche Rundfunk NRK in Norwegen. Demnach hat der Mann jahrelang hunderte Operationen durchgeführt, ohne die nötigen Kenntnisse zu besitzen – mit schwerwiegenden Folgen für seine Patienten. Trotz Warnungen aus Norwegen arbeitet er, Recherchen des NRK und der Zeit zufolge, weiter in einer Praxis und operiert dort auch.

Der Chirurg war im Jahr 2008 aus Deutschland nach Norwegen gekommen, um in einem Krankenhaus als Chefarzt für Orthopädie zu arbeiten. Er konnte zwar eine ärztliche Zulassung vorweisen, ihm fehlte jedoch die sechsjährige Spezialisierung, um als Orthopäde in Norwegen zu arbeiten. Dennoch führte er in der darauffolgenden Zeit bis zu 700 Operationen pro Jahr in diesem Feld durch, wie der NRK berichtet. Viele seiner Patienten haben dabei dauerhafte Verletzungen davongetragen.

Norwegen: Deutscher Arzt steht wegen Berufsvergehen vor Gericht

Zwölf Jahre lang war der Chirurg in Norwegen tätig. Seitdem aufgeflogen ist, dass er etliche fehlerhafte und überflüssige Operationen durchgeführt hat, häufen sich die Meldungen von Patienten, die sich über schwere Folgen beschweren. 160 Personen haben sich bei der Entschädigungsbehörde für Patientenverletzungen in Norwegen beschwert, wobei 58 von diesen bisher stattgegeben wurde. Die Operationsfolgen reichen von dauerhaftem Schmerz über amputierte Gliedmaßen bis hin zum Tod, wie der NRK in seinen Recherchen darstellt.

Als die Berufsvergehen in Norwegen an die Öffentlichkeit gelangten, kehrte der Chirurg nach Deutschland zurück. Hier begann er erneut orthopädische Operationen durchzuführen. In dem Zeitraum, in dem er in einer Praxisklinik in Bayern tätig war, wurde ihm die medizinische Lizenz in Norwegen aberkannt und eine Suche durch Interpol nach ihm eingeleitet. Außerdem meldeten die norwegischen Behörden den Mann in einem internationalen Warnsystem. Erst ein Besuch der örtlichen Polizei führte allerdings dazu, dass der Chirurg entlassen wurde. Recherchen der Zeit zeigen jedoch, dass er die Arbeit kurz darauf in einer anderen Praxis in Baden-Württemberg aufnahm.

Arzt steht in Norwegen vor Gericht – In Deutschland arbeitet er weiter

Mittlerweile muss sich der Mann in Norwegen vor Gericht verantworten. In Deutschland arbeitet er hingegen weiter, wie eine Rezeptionistin gegenüber dem NRK bestätigte. Die Verantwortlichen in dem Krankenhaus reagierten bisher allerdings nicht auf die Anfragen der Journalisten.

Auch in Deutschland sitzen immer wieder Mediziner auf der Anklagebank: Zwei Ärzte standen in Frankfurt vor Gericht, weil sie einen verletzten Mann nachhause geschickt hatten, statt ihn zu behandeln. (vbu)

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